Band 
IV.
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Politische Fastenpredigten.

Pfefferstrauch oder wie betrunken in Wermuth-wein; denn er mochte das, was ich fallen ließ,noch so genau zusammen summieren, so fand er§ doch am Ende, daß damit, wenns gedruckt würde,nicht einmal die Haferrechnung bezahlt war.--O ihr Gölter, helft einem Unschuldigen dochaus diesem unglücklichen Kerker heraus! » sagt', er und sah himmelwärts.

I -- Sie haben Sel,»sucht? »sagt' ich und faßte dieRechte, die sonst in der Tasche arbeitete. "O,^ wer nicht? » versetzte er —» Daran erkenn' ichi Sie." sagt' ich, »oder vielmehr die schöne höherel Natur des Menschen; bei allem Reichthum desi irdischen Lebens sehnet er stch nach einem höher»! und durstet und verdurstet, so wie auf dem was-! serreichen Meere mehr Mensche» verdursten als! auf dem trocknen. Sogar im Irdischen treibt! der Mensch sein Sehne» noch fort und schmachtet,^ auf Silberstangen springend, nach einer Gold-i stanze." Zch drückte die Stöckleinische rechte Hand! recht herzlich, welche stch nach nichts so sehnte, als; nach der Tasche; er wußte aber nicht, wie einsolcher Liebebund schicklich genug zu zerreißen sei; zum Nachschreiben.

"Nun was uns mit jedem Heere mehr geschla-gene Buchhändler betrifft" — versetzte er mit ei-nem weinerlichen Lächeln und mit einemTon ohneGleichen — so wissen wir nicht einmal von Sil-berstangen etwas (ach damit wäre jedes Handlung-hans zufrieden); an Leinestangen hängen wirgerupft, oder an Räucherstangen schwarz vor^ Aerger.

! Niemand wundere stch über des Mannes Witz:

erstlich ist, wie man aus allen Streitschriften steht,! nichts leichter als eine gegebene Allegorie sortzu-l setzen, zweitens spricht jeder über sein eigenesi Fach am leichtesten mit Anspielungen.

! "So ist der Mensch und Sie dazu — sagt' ich— Die Weltgeschichte, und die Weltkarte entwirfter blos nach den Zwecken und Gängen seines klei-' IM Lehens, wie der Schiffer aus seinen Kartenalle Welttheile als leere Räume bezeichnet, und; nur Klippen, Meere u. s. w. als volle hinstellt.- Daher will der Mensch stets daS Alte, was sichi immer leichter in seine Spekulazionen einfügt, als; das Neue; jeder Gebrauch soll seine Silberhoch-! zeit feiern, jagt er, wenn auch Bleihvchzsiteni und Arsenikhochzeiten daraus werden. Aus diesemGrunde halte ich den deutschen Patriotismus, deni so viele gemeine ums Vaterland ganz nnbi-küm-i merte Seelen jetzo zeigen wollen, mehr für einen, Privatpatriotismns, den gedachte Seelen füri ihre eigne Person haben, weil sie (und mich^ dünkt, nicht »»philosophisch) alles (omnin secuin§ portuiltes) und folglich auch das Vaterland bei! stch tragen. Schön ists wohl; es gibt dem Lei-i chenzuge des betrauerten Vaterlandes mehr Anse»1 Heu, wenn auch niedrige Seelen schwarz mitge-s hen; so sind bei vornehmen Leichenbegängnissen! nicht nur die Menschen überflort, sondern auchdie kalten festen Pferde ziehen in Traucrflörenmit. .... Apropos, Stöcklein, in dieser Nachtmach' ich, daß die Belagerung übermorgen einEnde hat." . . .

Stöcklein wollte fragen, und herausholen, —

, ja jubeln — ich aber sagte, jeder Mensch erwarte ,! die Nacht! ;

Zch überspringe, wie immer, kleine Kriegvor-fälle, welche dem guten Buchhändler, der im Mu-seum vollständig und neu sein will, vor demMunde wegzuraffen ein Haus- und Kirchendieb-stabl wäre.

Nachts nach den Nachtandachten stieg ich, wäh-rend der Prediger von der Kanzel herabging, die-selbe hinauf, wir grüßten uns im Begegnen, undich fing oben an — aber fast gestört durch den ein-fältigen Buchhändler, der unten im Beichtstühlesaß mit Feder und Dinte — :

"Euer Erellenz sehen gütigst nach. Laß einFremdling, jedoch ein Legazionratb hier auf derKanzel eine mündliche Friedenpredigt hält,wie er eine gedruckte an Deutschland selber gehal-ten , wiewohl in diesem die Festung Ziebingen ei-gentlich mit steckt. Mußte nicht in Venedig sonstsogar der Generallisstmus selber ein Ausländersein, wie in St. Marino der Richter? Und wiewenig ist dagegen ein Prediger! «

--Zch schlage hier Friedeninstrumente vor, und !vorher Friedenpräliminarie». Unentbehrlich sind !ste nicht, sondern entbehrlich. Ich habe gesehen,was Tapferkeit ausführt, was Standhalten, wasGegenspiele mit Geschütz, was Ausfälle theilssind, theils thun. Wie hätte auch sonst die Festungnach Verhältniß ihrer Größe stch so unglaublichlänger gehalten, als die größte» deutschen bisher?Aber es ist ordentlich, als ob die Tapferkeit in denkleinsten Länder» am dichtesten schlage — mandenke, wenn nach Verhältniß der Vvlkmenge Per-fien oder China so tapfer wären wie die Schweiz— so wie nach Linnbe ein Baum, der im weitenGefäße nur Blätter bringt, in ein engeres versetzt,sogleich Blüten treibt, welches er griechisch genugkl-otepeis nennt. Daher ist das Beschneiden derLänder ein häufiges Mittel, sie tapferer zu machen,sobald so viel von ihnen noch übrig gelassen wird,daß noch etwas da ist, was tapfer sein kann; al-ten abgelebte» Ländern, wie deutschen, ist das Be-schneiden vollends am nöthigsten, wie die Gärtnerim Herbste nicht junge, sondern alte Bäumeam unbarmherzigsten bescheren.

Zu fürchten hat Ziebingen an sich vom Feindenichts; und es kann täglich zehnmal ausfallen ohneEinen Mann zu verlieren; den» wenn der In-genieur korieui Recht hat, daß unter denSchüssen des Fußvolkes, da sie immer zu hoch ge°Heu, nur der tausendste treffe, so find wir schuß-frei, da der Feind nicht so viel auf einmal zu ladenhat. !

Selber große Festungen, wie z. B. Stettin und >Magdeburg, die sich nicht so lange hielten als wir, iund die weniger den Degen zogen als die Degen- !scheide (aus dem Gehänge), ergaben sich auch bei sihrer größeren Besatzung doch nicht mit Unehre,und unser Beispiel darf ste nicht demüthigen. ,Bedenken wir: Stettiner Kommandanten lassen !sich ungern auf ihr Haus (die Festung ist ihres) !den rothen Hahn setzen, den ste für Anspielung iauf rothe Mützen und auf den gallischen Knlliis ihalten, — Sie schließen, wen» schon auf Thea-tern, vollends in Heerschauen scheinbare Kriegezufällig wahre Verletzungen gemacht, daß wahr-