Band 
IV.
JPEG-Download
 

408

Politische Fastenp eedigten.

Als wir viel gemächlicher, als die ganze Heerde,oben auf dem Fasse uns umschatteten und eben dieFeldmussk einrücken sahen: brach jähling der Faß-deckel unter unsern vier Füßen zusammen und ichund der Buchhändler standen unten in der Karthauseund sahen uns an. Ei» verfluchtes Fallgatter wie! ein Fallstrick! — Der Buchhändler klopfte wie einj lebendigBegrabener — schrie wie ein Untcrgesun-l kener — pfiff wie eine Maus unter Katzenzähnen;

— aber nicht ein neugieriger, spitzbübischer, mitAuge undOhr in denZuq eingestrickter Dieb nahmsich Zeit, wahrzunehmen. Laß ich und der Buch-

! Händler in der Welt und im Fasse waren. Stock-lein wußte des Museums wegen nicht wo aus, woei». Er sagte : ich werde, wenn alles und der Krieges länger treibt, am Ende ein ausgemachter Spitz-bube und drucke mich und alles nach, Er verfluchtesich und sein Tabakfeuerbksteck, (weil ers vergessenhatte) da er vielleicht, hofft' er, mit dem Schwämmedas Faß in Brand hätte stecken könne». Er ver-wünschte meine und seine Schwere, da ohne dieseder aufrechte Zwillingsarg mit vier Händen wäreumzustoßen gewesen. Als er gar die Reiterei ver-nahm. tanzte er im Fasse den künftigen Reiftanzl der Völliger wild voraus und machte, wie einevergitterte Hiäne, die Runde innen um denKäfig. — Endlich warf er aus unserm psoteorsnoble seinen Hut empor in den Himmel (ich hieltSfür Jubelausbruch, es war aber Nothschuß), umdem schaubesoffenen Volke draußen anzumelden,daß ein Christ elend sich abarbeite im tiefstenSchacht; aber kein Mensch sah den Hut. Erwarf ihn znm zweitenmale wilder und', höher und

— über das Faß hinaus : nun hatt' er auch den! letzten Aufsatz, oder die ätfustags seines HalseS! eingebüßt.

^ Er sank in sich hinein — den schlimmsten Ort! und Sumpf, wohin er gerathen konnte — ließ sei-nen Kopf hängen oder sinken—denn der Geist, war der Scharfrichter seines Leibes und köpfte> solchen — und er war nichts mehr.

§ Ich blieb alles, was ich war, und dachte, es sei! für den Namen eines Zuckerfasses angemeßner,

' es zu einer Diogenes-Tonne zu machen, nicht! aber, wie er, zu einem Regulns-Fasse. --Ich weißnicht, warum — sagt' ich zu ihm — aber mir^ wird ordentlich so gemüthlich und heimisch in un-i serem Fasse — wir beide stellen freilich die einzigen! Zuckerhüte darin vor — Ich wollte nur, Sie wür-' den nicht vor Aerger schwarz, oder ein Neger-, schwarzer auf unserer Zuckerinsel. Denn wenn! ich mich so rund umsehe und erwäge, welchesschone Leos der Abgeschiedenheit mitten im Vol-kes-Treiben uns blos einige Faßdauben zusichern:so möcht' ich beinahe fragen, ob wir nicht zweiglücklichen Männern gleichen, die unten auf demMeerbvden in ihrer Taucherglocke sitzen und vondem obern Wellengelärme keine Woge hören? —Wen» schon einen, Philosophen im Fasse, das, wieein griechischer Tempel, nur oben den, Himmeloffen ist, die Erde und ihr Ziebinger Getobe lä-cherlich vorkommt, wie viel mehr zweien auf ein-mal, die mit einander eine gescbloßne, ja einge-schloßne Gesellschaft bilden! — Wie gern.Freund Stöcklein, seh' ich mich als einen Robinson

auf diese Zuckerinsel verschlagen, da ich Sie alsmeinen Freitags*) oder Cliarfreitag hier un-ten antreffe! — Und antworten Sie mir, wer istaußer St. Marino noch so frei als unser Faß, ichbitte? -<

»Ich höre gar nichts mehr, sagte kalt Stöck-lein, mit dem Ohr am Fasse; er meinte abernicht meine Worte, sonder» die Pferde. Es warauffallend, wie frostig, ja unhöflich der Mannsich auf einmal gegen mich in der Zwischenzeitoffenbarte, worin ihm sein Schwanzartikel desBelagerbeftes abgeschnitten wurde. Man hält denEigennützigen stets für zu höflich, wie für zu grob;desto gleichgültiger sei man gegen dessen Erkaltenund Erwärmen. j

Ich machte nichts daraus. Er schrie endlich ^Feuer, damit daS Faß umgestürzt werde, und ichschrie willig mit. Endlich warfen emige Lehrjun-gen, die aus Neugier auf den Leiterwagen gestie-gen waren, um ins laute Faß zu sehen, dieses bos-haft um und wir krochen ins Freie, wie Höhlen-forscher auf dem Bauche in die schimmerndenHöhlentempel. —

Aber, Empfindung! gibt es etwas Eigensinni-geres — Starrköpfigeres — mehr Wetterwendi-sches und Umwälzendes — als du bist? Dennwer war es anders, so viel ich weiß, als du, diemich plötzlich in einen ganz andern Mann (alswär' ich ein FsLerbuschpolyp) auf der Gaffe um-stülpte, da ich in dieselbe in, tiefsten Bückling und iengsten Schritte aus dem Fasse herausging? — '--Satt, matt, schal, kahl!-- so wiederholtest Du jimmer. Ganz wahr ! (sagt' ich endlich) Kriegum Gänse von Gänsen geführt! O wie gleichgül-tig ist mirs, daß ich keinen einzigen Punkt der Ka-pitulazion erfahren kann! Napoleon verlangtemit Recht die beiden Reichs-Nester gar nicht.Auch ich mag sie nicht, so wenig als Kaleniervom vorigen Jahre, wollte sie mir auch ein Buck-händler'um herabgesetzte Bücherpreise lassen. Stöck-lein lass'ich Stöcklein sein; und der flachshaarigeIch sierbetäglich und mein Leben kann mei-netwegen heute sterben. — Hätt' ich nur nickt soviel Worte darüber gemacht! Aber auf der Stellesoll der Aufsatz auf die Post, damit ich nur keinesmehr sage.--

Dies alles aber sagt' ich, wie gedacht; sosehr kann die Empfindung den nüchternsten Man»hinreißen.

(*) .Der oerännte Freund Robinsons