Band 
IV.
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Politische Fastenpredigten.

zes Auge zugleich hatte — kurz ein Plutarch odergar ein Tacitus geistig . gefürsteter Fürsten allerLänder und Zeiten wäre ein fruchtbringendesBuch für Kronvrinzen und Volker zugleich, undes würde vielleicht eben so dick ausfallen, alsTacitus Annalen — entgegengesetzter Fürsten.

Fünfte Sphinx.

Schnelle Aufklärung und schnelleVerfinsterung.

Man hat in mehr als einem Lande erlebt, daßschnelle, d. h. unvorbereitete Aufklärung ohneDauer und Reife guter Früchte vorüber zog, und! daß der einem zu starken Sonnenlichte ausgesetzte! Leuchtstein sich zerbröckelte und nicht lange nach-! schimmerte im Dunkeln. Aber warum befürchtet! man eins längere Dauer der Wirksamkeit vonschneller unvorbereiteter Verfinsterung, und tröstetsich nicht in kurzer Sonnenfinsterniß mit Ver-trauen auf den länger» Tag? — Denn noch dazusind die Fälle ganz ungleich; Licht, sogar dasplötzlichste, reizt den Menschen zum Licht, wie kör-perliches zum Niesen; aber auch plötzliche Nachtreizt ihn zum Lichte; daher bleibe mitten in derGeschichte der Freund der Erde ohne Furcht. Alleplötzlichen Dämmerungen sind nur die der Sonnen-finsternisse und also keine wachsenden, sonderneben so plötzlich verschwindende.

Indeß, jede Regierung sage daher an ihrem er-sten Tage, wie Gott am ersten Schövfungtage:es werde Licht! Die Sterne jedoch, Mond undSonne wurden erst am vierten erschaffen; da-zwischen am zweiten und dritten wurden dieWasser zwischen Himmel und Erde vertheilt undder Erde Blumen und Knospen gegeben; und dar-! auf erschien die Sonne, und die Blumen und> Knospen wurden von ihr aufgetha» und bis jetzoerhalten.

!V.

Die Doppelheerschau

in

Großlausau und in Käuzen,sammt Feldzügen.

Eine Groteske,

Erstes Kapitel,

worin mehr als ein Fürst auftitt.Sowohl das kleine Fürstenthum Großlausau als

das eben so enge Kanzen (*) hatten Hauvt- oderResidenzstädte — denn diese besitzt auch ein Landdas nicht einmal Dörfer aufzeigt, geschweigeStädte; — beide Fürstenthümer aber wiesennoch zum Ueberfluß einige Dörfer um die Haupt-stadt auf. Aus der Kleinheit dieser Länder mach'ich mirs am begreiflichsten, warum man sie aufkeinen andern Karten angedeutet findet, als aufihren eignen Spezialkarken; aber auf ihren Ge-neralkarten schon nicht; daher denn für Länder,die in keinem geographischen Atlas vom mytholo.zischen Atlas Napoleon gefunden wurden, auchnichts' von ihm gethan werden konnte, sondern siemußten alles selber thun, und sich eigenhändig zuSorveräns zu krönen suchen, als alles um sieher sich svuveränisierte. Aber niemand erfuhrs.imDruck als die Unterthanen.

Der Großlausauer Fürst,Marin pneu s«») war einHerr von Ehre und Glanz, so daß er Gott ge-dankt hätte, wenn ein Friedrich H. bei der Plün-derung seines Schlosses, wie bei jener des GrafenBrühl, nicht weniger als 600 Paar Stiefel,322 Dosen 60 Röcke, 526 Kleider und eineStube voll Perücken vorgefunden hätte <?**), aberznr Anschaffung vorher hatt' er von jeher dasGeld nicht. Was er inzwischen ohne edle Metalleausmünzen konnte, nämlich fremde Ehre, um eignezu haben, das prägte er bei eintretender 8 auvo-rainettz reich aus. Zu seiner Tafel ließ er kei-nen andern tafelfähigsn Mann mehr zu als einenvon 32 Ahnen, welchen er aber vorher zu adelnhatte, um im Adelbriefe ihm die nöthigen 32 Ah-nen anstatt der gewöhnlichen ü.vorzugeben. Wasnur sein Zepter erreichen konnte; schlug dieser zumGroßkreuz, da er glücklicher Weise die nöthigenOrden vorher dazu gestiftet, so daß er alles, waser berührte, schöner als Midas, ins Flitter-,Rausch- und Katzengold von Kiteln verwandelnkonnte, und so durch diese Ehren sich selber dielronnsurs machte; daher er einen Fremden vonseiner Tafel selten anders wie als einen CommanLör fortschickte. Er hätte wohl gern das ganze Landgeadelt, mußte sich aber darauf einziehen,daß er dierestierenden Unadelichen nur zu Räthen machte.Die sämmtlichen Dörfer selber erhob er wirklich inden Adelstand von Residenzgassen; und indem er,da die meisten oft über eine halbe Meile von derHauptstadt ablagen solche zu Vorstädten'der letz-ten ernannte, so umgab und umzingelte er sichdurch blvses Ausmärzen und Einziehen der Dörfervielleicht mit einem glänzenden großen Paris imKleinen. — Ueberhaupt vergrößern Fürsten lieberdie Stadt als das Land, weil jene für die Men-schen ein Blumentopf ist, in welchem die Ge-

(*) Es versteht sich, daß hier nicht vom Volke derKäuzen die Rede ist, welches Tacitus das edelste deut-sche, das seine Größe «ur auf Gerechtigkeit baute, nennt,und welches im Bremischen, Oldcnburgischcn und Ost-friesländischen, und das, wenn man den Reisen-den so viel glauben muß als dem Tacitus, noch dawohnt.

(") Ein Beiname nach alter Zeit. So hieß z. B.Anno lass der erste Herzog zu Braunschweig-LüneburgOtlio puer,

Memoiren von Dutens.