Band 
IV.
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Politische Fa

dern jungen Leuten nachschlägt, als wir sämmtlichauf Akademien waren. Wir glaubten nämlich,je schlechter ein Buch, oder je toller eine Modeuns vorkam, desto eiliger hätten wir mit einemErweise der Tollheit, oder mit einer Satire dage-gen auszurücken und vvrzubrechen, um die Weltbei Zeiten von dem zu belehren, was sie früherwußte und tadelte als wir. So glaubt nun man-cher politische Autor, es sei eine beistimmigeMeinung über Vorfälle, worüber jeder Kopf undjedes Gewissen der nämlichen Meinung ist, derWelt zu unentbehrlich, und schickt solche, kaumhalb eingewickelt, eingeschachtelt und verzuckert indiese hinaus; ja zuweilen ist seine Meinung garnur ein parteiischer Irrthum. Der ganze Erfolgdieses entbehrlichen Aussprechens ist, daß man zu-letzt anderen auch das unentbehrliche erschwert, undes ist nicht das Verdienst mancher Voreiligen, daßnicht das Lesen für ein zu lautes Spreche» gilt,wie man sonst in einem gewissen Mönchorden dasGeräusch des Blätterns als einen Bruch desSchweigens bestrafte, und daß man nicht am Endedie Mad. Guyvn nachahmt, welche Messen lesenließ, damit sie stumm würde (*).

So erbittert doch ihr Schriftsteller — denn diesist die zweite Folge — nicht Länder gegen Länder,Lurch unnütze (oder gar parteiische) Rügegerichte;zumal wenn ihr mit wechselseitigem Haffe keineandere Macht vermehrt, als die fremde. — Wähltnicht Polemik, sondern Thetik, nicht Streitlehre,sondern Satzlehre. Befördert, erhebt, ernährt,wenn ihr etwas Gutes säen wollt, nur das vater-ländische Edle, den Eifer für Wahrheit, den Glau-ben an göttliche Dinge, die Treue an gereinigterVolkeigenthümlichkeit. Macht nicht für unterir-dische Gänge Minierkompaffe, oder Leuchtkugeln,um der feindlichen Beschädigung die rechten Stel-len anzuweisen : sondern euer Licht sei ei» Stern,welcher die unscheinbare Herberge anzeigte, wo dermilde nackte kleine Heiland der Menschen schlief.Kein Heiliger ist zu bezwingen.

Die Gewalt des Sittlichen, das nur in den Ein-zelnen wohnen kann, legt sich durch die Quäker,Herrnhuter, erst den Christen dar. Sie gleichtdem leisen, zuweilen harmonischen Fort-Tröpfelndes TropfsteinwafferS in großen Höhlen: die klei-nen Tropfen erschaffe» zuletzt feste Steingestalten,Altäre und Wunderwesen, und verkleiden dasBilden in Tönen. Aber der Strom, die Flut,die Sündslut setzen nicht an, sondern reißen nurweg.

Vierte Sphinx.

Deutsche Fürstenliebe.

Wenn Tacitus schreibt: Vom Konsulate desMetellus und Carbo bis zum Kaiser Trojan —also fast 210 Jahre — siegen wir an Deutschland— aber nicht über Deutschland:-- so erklärt sichdieses Wunder nicht blos aus deutscher Tapferkeit

stenpredigten.

und Vaterlandliebe — denn die zwingenden Rö-mer und bezwungenen Gallier und Helvezier glänz-ten mit beiden auch — sondern vielleicht nochdaraus, daß die deutschen Fürsten, wie sich TaciruSausdrückt, für ihren Ruhm fochten, und die deut-schen Völker für ihren Fürsten. Auch feine andereBemerkung gehört hieher, daß die Katten (diesetapfersten Deutschen) große Einsicht bewiesen hät-ten, indem sie im Kriege mehr auf den Feldherrnals auf das Heer gebauet und vertrauet. Wasweckt und stärkt nun in Monarchieen jenen Ge-meingeist, welcher gleichsam eine» Allerseelen-leib bildet, und eigne und fremde Kräfte zu allenOpfern zusammen schmelzt 's Wenn man von dereinen Seite mit freudiger Erhebung sieht , wiekräftig schon ein beschränkter Gemeingeist alsespi-it öle corps, sich in Körperschaften, Innun-gen, Ständen mit Selberopferung, mit Achtungfür Idee und mit Menschenwürde offenbaret: sonimmt man auf der andern Seite desto schmerz-licher wahr, daß nicht nur diese kleinen Staatendem Einschmelzen in den großen strengflüssig wi-derstehen, sondern daß auch die Einzelbürger theil-nahmlos getrennt, als einsame Bohrwürmer imFelsen des Staates leben, lieber alles aufopferndals sich; und fürchterlich sondert in demselbenStaatkörper sich Glied von Glied, Nerve vonNerve ab, und jedes Aederchen will schlagen ohnesein Herz.

Wer kann nun den Gemeingeist in einer Mon-archie wecken und stählen und befestigen? Nur !einer, welcher, so weit auch seine physische Viel-macht reiche, doch noch über eine größere moralischegebietet, der Fürst selber. Wie sich vor dem Jüng.ling Tugend und Weisheit in einen Tugend - undWeisheitlehrer verkörpern, wie ihm dadurch das jGöttliche zu einem persönlichen Gotte wird: soverdichtet und verkörpert sich vor dem Volke dasVaterland oder die Idee, welche begeistert, in sei-nen Fürsten, wenn dieser den heiligen Vorzug, daßWohlwollen, Einsicht. Kraft, Tapferkeit auf dermagischen Thronhöhe mit einem verdoppelten all-mächtigen Glanz herunter wirken und mit Son-nenfeuer ganze Frühlinge befruchten, nach Gewissenund Vermögen anwendet. Es ist rührend undMenschheit-rühmlich, wie ganze Völker freudigschön für einen Helden sterben und noch lieber füreinen kriegerischen und moralischen Helden - Für-sten zugleich. Von dieser Seite angesehen zeugtund zeigt der Krieg in kurzer Zeit mehr Gemein-liebe als der Friede in langer, und mancher Fürstbedarf äußere Feinde, um zu erfahren, daß erkeine inneren habe, sondern gerade Freunde nurin der Noth.

Eines Fürsten ächte gute Handlung führt selberfür den Weltweisen, den keine Gold - und Silber-blicke des Thrones blenden, ja für den Ausländereine ungewöhnliche Süßigkeit bei sich, so wie etwader Honig, der von Gebirgen kommt, der süßesteist. Kurz die Staaten müssen wie die Bienen dieZellen in ihren Körben, von oben herab zubauen anfangen. Lebensbeschreibungen ächter undguter Fürsten — welche Liebe und Widerstand inschöner Größe verknüpfen, und dem Alepandergleichen, welcher (wenn das Gleichniß nicht zuklein ist) ein mild blaues und ein feurig schwar-

(*) k-3 vle äe Kack. clo Ou^ori 1 , 6.