Band 
IV.
JPEG-Download
 

416

«erließ er sich darauf. Laß hier Schuldner, alsoUndankbare, gegen Gläubiger losschlugen, undgerade den Zorn mitführten, der den Menschen,wie Sauerteig den Teig, so hebt. Zum Ueberflußorganisierte er noch ein Freikorps von Kamm-und Knopfmachern, von welchen er sich allerleiversprach, wenn sie alle übrigen Waffen aus derHand würfen, und dann mit der letzten allein —da beide Handwerker die längsten Fingernagelführen müssen — durch ihre zehn Pincetten oderGlaserbiamanten die feindlichen Gesichter, alsodie gordischen Knoten des Kriegs, Vortheilhaftzerschnitten.

Jetzo stehen wir nun vor der großen Stundein welcher beide Mächte gegen einander vor-rücken.

Nachts zog Maria aus, damit alle Unterthanen,wenn der Generalmarsch geschlagen würde, nachder Kriegregel Lichter an die Fenster setzten, gleich-sam als Vorspiel und Aurora künftiger Sieg-Erleuchtung. Nie marschierte wohl ein Heermuthiger und gefährlicher aus dem Thore als dieGroßlausauer Schneidermeisterei, wenn GalianiRecht hat, daß Muth eine Frucht der Furcht ist;denn die Versammlung schien ordentlich die wie-dergeborne Kirchenversammlung zu Tours imJahre 116Z, welche bei Kirchenbuße alles Blut-laffen verboten, und es gab Bebende darunter,vor welchen wohl ein herzhafterer Mann als Ga-liani hätte zu beben gehabt. Indeß wenn dieSparter sonst unter Flötenspiel auszogen, umihren wilden Muth zu mildern: so stimmte aufdieselbe glückliche Weise schon die Trommel undTrommele und andre Kriegmusik den Großlau-sauer Muth um vieles herab. An sich aber warserhaben, es zu sehen, wie man auszog, nicht nurdie sogenannte Prima Plana war bei dem Heere(die Gemeinen verstanden sich von selber), sondernauch ein Regimentstab sammt Unterstab, und überfünfviertel Generalstab; der Rumormeister abererschien als wahrer Ueberfluß. Ich sehe sie nochvor mir hinmarschieren, die Helden der Zukunft.Wenigere Jamrnergesichter wären freilich in derArmee gesehen und geschnitten worden, hätte nichtTiberius die Bosheit ausgeübt — wovon leiderdie ganze Armee gehört — daß er aus dem Tvll-hause einen verrückte» Trödler, der sich seit Jahrenfür einen Premierlieutenant in Kauzner Dienstenaus eigner Idee gehalten, in die Montur steckenund mit anmarschiere» lassen. Dies verwirrteabe die Schneider, wenigstens viele.

Verständigere darunter sagten sich unverhohlen:»Dergleichen kann keinen vernünftigen Mililairerfreuen. Wir ziehe» da so fröhlich und keck inden Krieg, aber wer steht uns dafür, wenn derVerrückte dabei ist (der keine Vernunft annimmt),daß nicht unsre Macht Beulen und Prügel heim-bringt, ja noch mehre Beulen als Männer?Kann nicht der Premierlieutenant Ladstöcke ladenund abschießen ? — Beim Himmel! Hübsche Ve-rierschlachten, wenn darin mehr Leute verwundetwerden können, als in einem Realkrieg in Welsch-land sonst im isten Jahrhundert, wo oft in einemFeldzuge kein Mann umkam. So hole doch derTeufel einen so unsinnigen Krieg, wobei mankaum des Lebens sicher bleibt! "

Auch dies verstärkte nicht sonderlich ihrenMuth, daß Tiberius seine ganze Generalität vonAffen mitgenommen, weil solches Vieh, unbe-kannt mit Kriegzuchü, Lurch ungestümes Nach-äffen tapferer Gefechte ja mehr Schaden anrichtenkonnte als die Fechtenden selber. Es bestand aberdie Generalität aus einem Hundaffen und zweiMeerkatzen; und der Regimentstab aus einemseltenen Beelzebub mit Rollschwanz (der ttoaetuoder ksniseus) und einige» Pavianen; allenaber hatte er bestimmte Namen von Kriegwürdenzugetheilt. Einer und der andere, der ihn näherkennt, als wir alle, will hinter diesem Affen-Militair heimlichen Spott auf Maria'L Kopier-maschinen des Hofs und Kriegs vermuthen, wasich sehr ungern sähe.

Drittes Kapitel,

worin Würste und Galgen von stra-tegischer Bedeutung sind.

Endlich standen beide Heere einander im Ange-sicht. .... Aber hier ist der Ort, wo der Ver-fasser dieses das demüthige Geständniß ablegenmuß, daß er nur Levanen, Vorschulen. Titanengeschrieben, und niemals Kriegoperazionen ausMangel an Sachkenntniß, und daß folglich dieserMangel jetzo, wo seine Federzüge an Feldzüge sichwagen sollen, ihn ungewöhnlich bedenklich machenmuß, wie er den Großlausauer und KauznerFelozug beschreiben soll, ohne entweder sich lä-cherlich zu machen, oder die Helden, oder beides.Daher verspricht er auch nur Unvarteilichkeit fürbeide Mächte, und will ohne Rücksichten bald Ti-berius, bald Maria loben; indem er doch derHoffnung lebt, daß nach ihm irgend eine Federvom Handwerk, die vielleicht mitgefochte», --gleichsam aus dem Adlerflügel selber ausgezogen— der Welt diesen Krieg mit alle der taktischenund strategischen Kenntniß darstellt, ohne welchejede Beschreibung davon lächerlich ausfällt.

Beide Heere waren darüber einig, daß derganze Erfolg der Heerschau oder des Feldzugsdavon abhänge, welches von beiden zuerst sichdes Galgenbergs — der übrigens nur mir EinemManne besetzt war, der noch dazu am Galgenhing — bemächtige; wer dann bei dem ober andem Galgen war, sah ruhig dem übrigen Kriegezu, und machte, wie der Gehenkte, blos ausSpaß noch Schwenkungen. Alle verständige Mi-litairxersonen, die ich noch darüber gesprochen,versicherte» nun einmüthig, daß die Kauze» oderTrödler viel früher als die Grvßlausauer den Gal-gen, woran so viel hing, hätten besetzen können,wenn nicht unterwegs ein Unglück vorgefallenwäre, welches zum Unglück die Kauze» für ei»Glück genommen. O so sehr siegt todtes, abervolles Gedärm über lebendiges, Las leer ist, undelende Würste schießen sich als Feldschlangen ab,und halten ganze Heere auf ! Es ist nämlich nurgar zu erwiesene Thatsache, — ich kenne jede»Zeitungschreiber, der sie zu verdecken suchte —