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Politische Fastenpredigten.
daß die streit- und eßlustigen Käuzen auf ihrerMilitairstraße gerade vor eines Fleischers Hausevorbeigemußt, das brannte. Nun warf die Loheaus dem Rauchfange alle darin hängenden Würsteund Sausäcke wie Wachteln und dreipfündigeHandgranaten auf die Käuzen heraus, so daß derKern des hungrigen Heers, davon durchbrochen, sich
> umher streuete, um die auf ste gefeuerten Würfle! aufzulesen und aufzuessen, mit welchen der Rauch-! fang, kein Hungerthurm, sondern ein Füllhorn,j kaum auf ste zu spielen nachließ. Kein Kugelregen! hätte die magern Trödler so aufgehalten, als es! der Manuaregen von Einschiebesse» that; daher die! Mannschaft, ob ste gleich dem Feinde schon dreii falsche Zöpfe abgenommen hatte, doch so spät aml Galgenberge anlangte, daß ste ihn von den Groß-! lausauern schon in solchen Stellungen besetzt an-i trafen, bei welchen wohl mehr als einem KäuzenI der Muth sank, weil mit dem Galgen gerade dieI Hauptfestung verloren ging. Noch dazu hatten! die Großlausauer — wahrscheinlich durch Bestech-; ung — sich den Stadtschlüssel des Pförtchens zum! Galgen, nämlich zur Ringmauer, die dessen Beine! ziemlich hoch umgab, zu verschaffen gewußt, so! daß ste im Nothfall den Rückzug in die Festung-! kasematten offen behielten; denn standen sie ein-
> mal alle unter dem Galgen, und mitten von diesem! runden Mauerverhack hoch umschlossen, so war
! ihnen nichts anzuhaben, und alle Schneider konn-ten durch das Galgenpförtchen, wie in einemengen Termvpylä - Paffe, sxartisch heraus fech-
vgar Meister auf Gesellen gestellt, ste hätten auden Wall Heraussteigen können, um etwa von daaus etwas hinab zu thun. Anfangs schrie der ganzehalbe Flügel: „ aufgemacht unsere Festung! Ist dasKrieggebrauch und Revüengebrauch? Den Schlüs-sel hinein, ihr Galgendiebe!" -Dieser Name war den Trödlern nicht gleichgül-tig; mehre warfen — um vielleicht Artigkeit undLiebe mit Krieg zu vereinen —ungeheure Steine,womit das erste Griechenland gerade die Liebe unddie Grazie» (nach Winkelmann) darstellte, in daSI'irrtei-r-snoble hinein, welches, so dichtgedrängt,i am Kopfe viel litt. Aus Muth feuerten wieder! die Konklavisten ihre Ladstöcke in die Luft, und! schössen ihre» Gehenkten beinahe wie einen Zah-nen- und Schützen-Adler ab, ohne den Feind dran-ßen anders zu verwunden als an Ehre durchSchimpfen. Jetzo aber flogen nicht nur Verbal-injurien und Spitznamen, sondern auch die einge- !flvgenen Steine aus dem Bergkessel, und diese !wieder gegenseitig in diesen Festunggraben zurück, Ija es ist erwiesen, daß einige Grvßlausauer aus !Mangel an Gelassenheit und an Ladstöcken zuletzt jselber Flinten hinauswarfen, um damit, statt zuerschießen, doch zu erwerfen.
ES ist in der That ein trauriges Amt, Kriegebeschreiben zu müssen, worin Feindseligkeiten vor-fallen, welche für Gesundheit, ja Leben der Kriegerso leicht von ernsten Folgen sind. Eine einzigeGalgcnleiter hätte das Großlausauer Heer erret-tet und gehoben; dasselbe wäre daran auf die
ten.
Der Dpsrazivnplan war, wie es scheint, mitVerstand entworfen. Inzwischen drangen dennochdie Trödler unter Anführung des toll seiendenPremierlieutenants gegen den furchtbaren Berg vorund daran auf. — Beide Generalissimi der Heerefochten von Weitem auf dem rechten Flügel;— mit Erdklößen wurde ein böses Erdfeuer ge-macht, und es wurde sogar ein Frauenschneiderin der Hitze des Gefechtes an den Beinen wie einSchlitten herabgezogen. Zuletzt mußten die Groß-lausauer der Uebermacht weichen, da der wahrhaftgrimmige Premierlieutenant mit gefälltem Bajo-nett, nämlich mit gefälltem Flintenkolben auf je-den eindrang; denn die Kauzner Uebermacht be-stand nicht in Menschen — obwohl, nach demalten Kriegglauben, der Belagerer zehnmal mehresein müssen als der Belagerten — sondern inKräften und Muth.
Wirklich erstürmten die Käuzen den Berg;Aber hier erwartete ste jener marianische Krieg-verstand, welcher schon lange vorher den Galgen-schlüssel zur Januspforte sich in die Hände zuspielen gewußt; der ganze reckte Schneider-Flügelzog sich durch das Pförtchen hinter feste Mauernzurück, entschlossen, aus demselben, Schneider fürSchneider, auszufallen.
Dennoch trat wieder der Tolle als ihr Unglück-vogel auf. Gegen ein fürchterliches Knallseuerund eine aufgepflanzte Batterie von Flintenkolbendrang er allein vor das Galgenpförtchen, faßte denDrücker an, scklug dasselbe zu, und zog denSchlüssel ab. Der Kern der halben Armee warnun eingeschlossen vvm Galgen, denn die Ring-mauer dieses Nvthstalls war viel zu hoch, als daß,
Mauer gestiegen, und hätte sich von da unter dieFeinde hinabgestürzt. Jetzo aber ließen die Käu-zen gar vollends die ganze Gewerkschaft und Be-satzung in dieser >a gi'anckv korce des Galgensverhaftet zurück, und zogen davon, um zumFlügel des Fürsten Tiberius als Verstärkung zustoßen.
Hier, wo die Fürsten selber kommandierten,hatte in der That lange der Sieg geschwankt, jaMaria Puer hatte durch Mehrzahl die Zunge derWage auf seine Seite gezogen, als der Käuzen-flügel gerade vom Galgen kam, und die Wag-zunge ziemlich in die Mitte richtete, bis wiederLas Tiberische Affenkontigent, das nach nachge-machten Gefechten dürstete, den Fürsten Maria somit Pfoten und Prügeln umringte, daß er in Ge-fahr kam, von ihnen, da ste schlugen und sprangenund kratzten, und nichts nach Fürsten und Heer-schauen fragten, gefangen genommen zu wer-den, — wär' ihm nicht zum größten Glückegegen das Aupiliar-Vieh seine Schneider-Sckee-ren - Flotte vvm Galgenberge her zu Hülfe geflo-gen
Diese machten ihn frei, und die Mächte wiedergleich gewichtig, und führten leicht den Waffen-stillstand, der zum Essen nöthig war, herbei, so daßbeide Fürsten in Einem königlichen Zelte ganzfriedlich speiseten.
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Zean Paul's Werke- IV.