Band 
IV.
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Politische Fastenpredigten.

i an den Kopf zu werft»; höchstens möge manmit den Stöcken bei Gelegenheit prügeln undstoßen

Die Bestürzung der Marianische» Armee überdie UriaS- und Hiobspost eines wahren Kriegeswar so allgemein und stark, als wäre» sie geschla-gen worden, ja noch stärker, denn im letztenFalle wären sie doch auf der Flucht oder gar inGefangenschaft gewesen, mithin schnßfest. --Kartät-! schen, sagte ein Altmeister, lass ich mir gern ge-! fallen, aber nur sollen sie Schafwolle bestreiche»,

? nickt mich." Was die Leute noch aufrecht erhielt,

§ war, daß zwischen ihnen und den Tiberianer» der! Unterschied obwaltete, welchen Kunstkenner zwi-! schen den Bildsäulen der beiden Freunde Kastor^ und Pollur mit Vergnügen wahrnehmen, nämlich! den des Läufers und des Kämpfers. Dasi Heer wünschte feurig, nur recht bald ror deni Feind geführt zu werden, um früher davon zulaufen und die eigne Rolle wie Orchester-Geigerbesser zu spielen,. so daß dasselbe wie diese, demganzen Kriegtheater nur den Rücken zeigte, undnur die Instrumente handhabte.

Es gab. im ganzen Heere nicht drei. welche nichtchristlich und philosophisch dachten, und nicht dieso oft und so vergeblich gepredigten Tvdes-Be-l trachtungen anstellten, unaufhörlich erwägend, daß! sie jede Stunde sterben könnten. So denkt derChrist und der Philosoph ohne stolze Sicherheitdes Sünders! —So der Geistliche, der durchseine Leichenpredigt unaufhörlich an den Toderinnert und erinnernd, nicht keck vor ein anste-ckendes Bett voll Typhus tritt, sondern lieber inseinem eignen zu Hause bleibt.

Fünftes Kapitel,

worin dieKriegflainmen lodern undEroberungen um sich greifen.

Nach anderthalb Stunden passierte der heim-liche Spivss Maria's durch die schneiderische Ar-mee zurück, und hinterbrachte unterwegs denTruppen, wie er oben auf der Ruine ganz deut-lich gesehen, daß die Käuzen sich der Großlansaui-schen Hauptstadt ohne Schwertschlag blos durchTrommelschlag bemächtigt hätten. Wer in derWelt weiß, was Jammer ist, dem brauch' ich dengroßlausauer gar nicht zu schildern. Von denvier Kardinal-Laster» des KriegS: nämlich Töd-ten, Schwelgen, P l ü n d e r n und Fliehen,hatte der Feind durch den Vortrab die drei erste»voraus, und ließ höchstens das vierte noch übrig.Da der Mensch überhaupt, als Gegenspiel desBären, der im Kampfe sich menschlich auf zweiFüße steüt,darin gern thierisch auf vier niederfällt,und da an den menschlichen Soldaten wie an blei.ernen sich durch langenGebranch leicht die Nötheabfärbt (die Schamröths), so daß ihnen desto weni-ger Blut in die Wangen steigt, je mehres sie ausfremden ausgelassen: so konnten (sah jeder Mei-ster voraus), vollends die Tiberianer in derj Hauptstadt nichts anders sein, als des Teufels ls-bendig. So konnten — mußten angeseßue Ma-rigner befahren — die besten Schuldscheine durch

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Instrumente, und die I-nus Leo'» durch 1's Lernntilgen, und ihre Schulden absitzen durch bloss Ein-quartierung. Indeß ist doch, meiner Meinung»ach der Gebrauch, jemand zu bezahlen, in-dem man ihn vor den Kopf schlägt, von dem Ge-brauche auf der Insel Sumatra nicht verickieden,wo man ehemals keine andere Münzsvrte hatteals feindliche Schädel (*) : und natürlich greiftman am liebsten zum nächsten. Was das Plün-dern anlangt, so sei man doch gerecht, und mehrChrist als Heide; denn ist Krieg ein Ausdreschender Völker, so ist es nicht billig, wenn man demSoldaten, der tritt und drischt, wie die Griechendem dreschenden Thiere mit einem besondern !Zaume (»»Griechischen soll er geschrie- !

ben werden, den» ich versteh' keines) das Maulverbindet; denn Gott hatte den Juden befohlen, ^so lange die Thiere von der Ernte fressen zu lassen,als sie daran draschen, daher gerade diese Dreschersich durch saure Arbeit mästeten.

Jetzo wurde Generalmarsch geschlagen, undMarschschritt kommandiert; unter dem unaufhör-lichen zwar nicht Kanonen- aber Trommeldonnerging man auf die eigne Residenzstadt los, um sieloS zu machen und zu befreien. Es war kein ein-ziger Held im ganzen Zuge, der nicht gewünschthätte, gleich einem Taschenspieler Kunstfeuer zuspeien, um so damit dem verächtlichen Feinderecht ins Gesicht zu speien und zu feuern; undjeder schwur, ihn zu verfolgen, wenn er liefe. Oüberhaupt würde selten der Muth fehlen, wennman mehr wüßte, wie viel dem Feinde davon ab-gehe ! Wenn in Loango das Heer einem Hasenaufstößt, so wird es auf der Srelle heroisch, weiles den Hasen (ein recht nützlicher und wünschens-werther Aberglaube) für einen Geist ansieht, derihm die Feigheit des Feindes ansagen soll, und inder That sollten nur die feigsten Regimenter a!Seben so viele Wagehälse über die Feinde herfallen,sobald sich diese als Hasen zeigten, der Ehren-punkt griff' ein, und kein Soldat will gern vor ei-nem Vorläufer laufen.

Gleichwohl wurde der kriegerische Muth späterverstimmt von zwei Unfällen. Nämlich ein Ritt-meister. welcher (und ich habe nie widersprechenhören) für den Achilles und Heros von Grvßlau-sau galt, setzte vor so rechten und so linken Augenkühn über einen Graben, und an sich glücklich ge-nug ; aber durch den Flug fuhr dem Gaule derSchwanz ab, der zu schwach an den Schwanzrie-men befestigt war — (v welche TäusKer sind dieRoßtäuscher sammt und sonders!-und zwar mehreSchwanzlängen vom Thiere hinweg, und das Roßschnalzte mir blos einen kurzen Schweif-Abhubempor, einen elenden Pfeifenstummel; jedoch kei-nem tapfern Mann that dieser ominöse Verlust,gleichsam einer Fahne, eines Baffaschweifes son-derlich wohl.

Für den zweiten Unfall steh' ich weniger, da erSpuren scherzhafter Uebertreibung trägt. Es sollnämlich ein Bettelmann an der Militärsiraßegesessen haben, mit Wunden bedeckt, anstatt mitPflastern und zwar im Gesicht. Ein angehenderBadergeselle hatte dem Manne, nm ihm ei» Almo-

(*) Dorvillc's Rciscbeschrel'vmigcn, B. s. S. Zag.