Band 
IV.
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Politische Fastenpredigten.

sei, zu geben, gratis den Bart abgenommen , umsich ungescholten an einem Menschen im Scheerenzu üben, welcher schon etwas vertragen konnte;und in der That blutete der Mann wie ein erober-tes Land. Bettelvögte zwar wollen weiter sehen,und wagen die Vermuthung daß der Kerl nur sofließend da gesessen, um auf seinen Blutströmen,wie auf Kanälen sich Güter zuzuführen; aber imGanzen steckt' er doch dadurch das tapfere Heermit einer Blutscheu an; und dasselbe Menscheu-blut, das Löwen zum Angriffe der Feinde berauscht,machte die Marianer zu einem Angriffe der Feindezu nüchtern. Fürst Maria ließ nicht nur sofortenglisches Pflaster (tke gonuir, court-Mistm-) fürdie Kinnwunden zerschneiden, damit wenigstens dieNachhut kein Blut sähe; sondern er vertheilte aucheine ganze Feldapotheke von diese», Pflaster andie wichtigsten Personen des General - und des! Regimentstabes. Dem Generalfeldzeugmeister,

^ dem bedeutendsten bei der Artillerie, gab er ami meisten vom oouot - plnistvo ; einem braven! Manne von ausdauerndem Muthe, da er ihn ims ganzen langen Frieden gezeigt; nur in Kriegzeiten,j die aber desto kürzer dauerten, sank er ihm etwas;

! daher Leute die seine Muthvakanz im kriegerischenZwischenraume kannten, denken mußten, mit ste-llen militärischen Ordenbändern und Ritterkettenbehäng' er sich an Brust und Herz gerade aus derUrsache, warum die französischen Kavalleristen einKettchen über den Pferdekopf hängen, nämlich ander schwächsten Stelle der Verwundung.

- Das Heer erschien endlich von Weitem vor sei-nen eigenen Thoren, aber ohne die Freude, mitwelcher es ihnen sich sonst genähert: der Feind warThürsteher der Stadtthore. Die Liberianer stan-den hinter einer Batterie von lauter aus demGroßlansauer Zeughause geholten vernageltenKanonen, zwischen jeder Kanone stand eine Feuer,spritze aus der Stadt, welche der tolle Premier-lieutenant aufgeführt, und auf ihr stand ein Ober-ster und hinter ihr sieben Kanonierbediente. Einharter Anblick wie zum Fürchten geschaffen ! Undin der That wird alles desto härter, wenn manbedenkt, daß ein armer unschuldiger Soldat imKriege ganz wie ein vernrtheilter in Friedenzeiten,welchen man durch die Kompagniengaffe vonSpießruthen recht langsam führt, damit er nichtlaufe, und sich Hiebe erspare, behandelt wird;indem man den treuen Menschen, der ja nicht z usondern vor dem Feinde laufen will, ordentlich anBewegung hindert, damit er desto mehr Schwert-schläge empfange. Sehr hart für einen unschuldi-gen Soldaten, der lieber liefe !

Als endlich die Marianer ziemlich nahe an dieKanonen, worüber Lunten brannten, gekommenwaren: machten die Tiberianer eine der bestenEvoluzionen; nun fieng das Feuern aus mehr alszwanzig offenen Feuerspritzen an, um das Feuerdes Muthes zu löschen. Ein solcher unversehenerKugelregen (aus Millionen Wafferkügelchen beste-hend ) — wüthete entsetzlich unter dem Handwerk.

— Das Gewehrwasser fuhr grade ins Gesicht undAuge, wie Cäsar die Gesichter der Ritter desPompejus anfallen ließ. — Sehe» blieb so wenigmöglich als Sand-Abfeuern, weil die Wasserstrah- ^len alle Pulverpfannen vernagelten — sogar die !

Reiterei wurde zurückgeworfen weil die Pferdevon Augen - und Naseueinspritzungen scheu wur-den, und die Reiter ohnehin vorher; —auf dieempfindlichsten Stellen, Magen und Nabel, spiel-ten unaufhörlich zwanzig offene Wasserschlünde,ei» wahres weniger Blut - als Wafferbad. —Wie auch erst die Nachwelt entscheide, ob dieseunerwartete Umwandlung eines Landkriegs in ei-nen Seekrieg, einer Feuertaufe in eine Wasser- ,taufe, Kriegrecht für sich habe: darf man doch be-klagen, Laß so viele Brave durch ein solches Wasser-schießen, eine wahre Löschanstalt des Lebenslichts,in einen Zustand gebracht worden, wo sie mehrSchweiß als Blut vergossen. Was hätten nichtdie Marianer thun können, ohne die neue Krieg-waffe, nicht viel verschieden von dem Kriegbrandervor Koppenhagen, dessen Erfinder sie mehr ver-diente (*) als die Marianer.

Einige ergaben sich schon, um sich abzutrocknen;vielen wäre der Galgenstrick des Gehenkten liebgewesen, als Trvckenseil; jeder wünschte sich einenaltdeutschen Schild, als einen Regenschirm gegenden wagrechten Platzregen.

Jetzo aber gab der Rittmeister ohne Rvßschweifdem Fürsten einen kecken Rath. wofür er einPascha von drei Roßschweifen zu werden verdienthätte, den nämlich, dem Feinde verächtlich denRücken zu kehren, und im Trabe davon zu ren-nen, und geradezu in dessen, nur eine halbeMeile ferne Hauptstadt, Kauze» einzubrechen,wenn ste offen wäre; --wir wollen doch beimTeufel sehen— fügt' er übermüthig hinzu — ob eruns mit seinem Geschütze nachschießen oder nach-kommen kann, zumal da ihm unterwegs die Was-sermuuizion ausgeht."

Maria Puer war ein Man»,— Verwegenheiten sflattierten ihn ; auf der Stelle genehmigte er denOperazivnplan, und das Fortlaufen wurde kom-mandiert und zwar im Doppelschritte, womit manin einer Minute yc> Schritte macht , und nicht 75wie im Marschschritte.

Diese Krieglist that ihre Wirkung; die Tibe-rianer schössen unbedachtsam so lange mit hartenWassern nach, bis sie sich verschossen hatten, undder Feind sich verlaufen. Jetzo war an ihnen dasLaufen, aber die Großlausauer Sonnen im Was-sermann-, griechische Statuen in nassen Gewändern,waren schon zu weit voraus, und sie marschiertenum so schneller, da sie aus medizinischen Gründensich aus dem kalten Bade ein Schwitzbad bereitenwollten. Auch schwitzte das ganze Heer; nur aberbedeutete dieser Schweiß nicht wie nach Cicerodas Schwitzen der Victor!» in tlum» die Nieder-lage, sondern den Namen der Göttin, die Beile-gung.

Denn die Kauze» in der Residenz.welche ihreLands-leute so hart hinter den rennenden Großlausau-ern erblickten, konnten in der Eile nichts andersmachen als den Schluß, daß die Schneider in dieStadt eingetrieben würden wie Vieh, und thatendemnach das Thor auf. Aber kaum waren dieseKameele durch das Nadelöhr der Stadt: so schlu-gen sie die Thür hinter sich zu, — und draußenstanden die Nachsetzer verdutzt,j !

(*)Er ersoff.(Neuerli'ch wurde das Gegentheil versichert). !