durch seine ewigen Ausnahmen gerade keine mehrmacht, müßte noch nachgewiesen werden, warumdasselbe in vielen Tausenden Doppel - und Mehr-wörtern meiner drei ersten Klaffen, unausgesetzt-wegbleibt, unter welchen doch mehre Bestimmwör-ter als die paar Dutzend Ausnahmen eine logischeBefuguiß zur Auszeichnung und Borhebung, undalso zum S besitzen müßten. Hätte» wenigstensnicht Bestimmwörter, welche selber zusammen ge-setzt sind, und oft an Größe das Grundwortübertreffen, z. B. Regenbogen in Regenbogenfar-ben, nicht größeres Recht, durch das Genitiv-sihren großen Körper vor der Einschmelzung in ei-nen kleinen zu bewahren, als Las WörtchenSchiff in Schiffssoldat ? Man denke nur an meinbraves Wiener Kanzleiwort: Wortbandwurmstock-abtreibmittellehrbuchstempelkostenersatzberechnung;das ich am liebsten mit den römischen Mauernverglichen sehe, welche ohne allen Mörtel, blosaus über einander gelegten nackten Quader» be-stehen. — Ueberhaupt ist jedes Beispiel, womit dieGegner eine S-Kokarde, als eine Sinn-Aus-zeichnung deS Bestimmwortes zu rechtfertigen su-chen , mit einem Gegenbeispiel zu bekämpfen,z. B. in -Leibarzt» (sagt Herr Rink), in "Lamm-fleisch, "Meerwasser" ist dasBestimmwort mit demGrundwort mehr zu Einem Begriff verschmolzenals in Leibesnahrung, Lammsgeduld, Meeres-strand rc., daher das S des letzten kommt. Wassagt er aber dann zu Leibspeise, Lammskopf, See-strand ? —- "Brud er liebe/- sagt er noch, sei inbrüderliche Liebe aufzulösen, aber nicht „Brü-de rSsohn/- — so wenig, fahr' ich fort, alsFrvschhaut, Stuhlbein und die meisten sinnliche»Hauptwörter, deren Unauflösbarkeit in Beiwör-ter eben durch das bloss Aneinauderstellen inganzen Stücken soll vergütet werden.
Indeß statt der logischen Gründe können fürdie S-Anschiebung leicht grammatische sprechen,und es werden wohl Postskripte kommen, die sichmehr darauf einlassen.
Herr Professor Docen greift ferner meinen elf-ten Brief an Sie, Verehrte, an und behauptet, inFrau e »kleid, Sonne n schein , so Same n kor»und Schade n ersah und andern Wörtern, sei dasn kein Wohllaut-N, wie ich geschrieben, sonderndas R des alten Genitivs. Ich hingegen hatte imUten Briefs dasselbe gesagt, nur aber es umge-kehrt, eS sei nicht das alte Genitiv-R, sonderndas Wohllaut°N. So aber, wenn ich ja sage,und er nein, weiß ich nicht, wie mir und ihm zuhelfen ist, wenns nicht Gründe thun. Und Liesesind zum Glücke zu haben. Erstlich behaupt' ichmein Wohllaut-N steif fort, ob ich gleich der erstebedeutende Grammatiker bin, der nur davonredet. Adelung erklärt blos in seiner drittenOeklinazion der Eigenname» Max, Franz ic. daseingeschobene e» in Maxens. Franzens für einWohllaut-N. — Das --N--zweitens haben dieDeutschen so gern, wie das E ungern. In demNamen --Nennen" selber kann das R gar nichtaufhören, und in allen Infinitiven und Beugefäl-len will solches das letzte Wort sowohl als denletzten Buchstaben haben. Der stille scheue Deut-sche drückt daher mit diesem leisen und in demMunde versteckten Mitlaut sei» N ei n, und in
Zeitungen am liebsten seine» Namen mit zweiN. R. aus, wiewohl nicht ohne alle Sorge, ob ersich damit nicht zu deutlich heraus lasse.
Vielleicht schreibt sich — wenn es im Vorbei-gehen anzumerken ist — von dieser deutschen Vor-liebe für Verschweigen und Verberge» die ziemlichallgemeine Freude her, die sich jehv über dasöffentliche Versiegeln schon entsiegelter Briefeund eingesperrter Papiere äußert, weil man sieht,daß die heiligen Mysterien des Hauses, sogarpolizeimäßig gegen fremde Augen beschirmt undbewacht werden, und alles sub i-os», wenn auchmit einigen Polizei - Dornen, gesetzt wird.
Stellte übrigens Las gedachte N blos den altenGenitiv in den Doppelwörtern vor: so dürst' esals ein Beugezeichen niemals weggeschnitten wer-den, wie doch in Seelsorger, Schulbuch, Schulrath,Mühlrad längst geschehen. Beiläufig kehr' ichdiese Einrede auch gegen das S der Dvppelwör-ter, welches die Adelung'sche Schule vor Grund-wörtern, die mit S anfangen, z. B. in Geburt-stunde, dem Wohlklange zu opfern erlaubt; dennwäre es ein wahres Genitivzeichen, so dürfte keinWohlklang das Opfer federn.
Oder steht den» dieses N nicht zuweilen auch inBestimmwörtern, wo offenbar höchstens einNominativ gedenkbar ist, z. B. in Riesenmensch,Blumenpolype, Rosenmund, in Blumenewesn,LilienhalS, Frauenmensch, Höllenart?
— Ueberhaupt wer das zweite Postskript an Sie,Gnädige, gelesen, worin gezeigt wird, was allesdie armen Bestimmwörter von Präposizionen,von Dativ - und von Plural - und von Infinitiv-Enden sich müssen abschneiden lassen, bis sie fürein Grundwort genug . zugestutzt worden : dererstaunt über das Geschrei, womit man dasGenitiv - Schwänzchen oder Zöpfchen festhält undnicht hergeben will zum Englisieren und Zopfab-schneiden. Himmel! was müssen nicht in Samui-wörtern wie Dachwohnung, Grablegung, Kopf-rechnen , Hausschlachten, für ganz andere undimmer verschiedene Nebenbestimmunge» in Ge-danken ergänzt werden, sogar um selber einenlieimlichen Genitiv abzuwehren und nicht an eineWohnung des Dachs, sondern unter, (nichteinmal a u f) dem Dachs zu denken, »och an eineLegung eines Grabes, sondern i n ein Grab u. s> w.!—Indeß geh' ich hierin mit einer eignen Krieglistzu Werke und schlage die Feinde unglaublichleicht. Wollen sie für ihr S entweder als Beuge»fall oder auch als Verbindzeicken fechten : sobestellt sie Ihr Präbendarius blos auf das freieFeld seiner ersten Klasse mit den männlichenWörtern: Kahn, Zahn, Obst und Dacks, odermit den weiblichen : Nuß, Schvvß, Haut undBraut; und zum Ueberfluß »och auf die Ebene derzweiten Klaffe mit: Stein, Bein, Tisch undHecht, und fragt sie, wo das S der Klassen hinge-ratven. — Rücken sie mit einem besondern selb-ständigen Werth und Sinne feindlich vor, deran manchen Bestimmwörtern durch ein S dar-zustellen sei: so sagt der Präbendarius blos :Kalm, Zahn, Ast und Hecht, alsdann : Nuß,Schooß, Haut und Braut, und zuletzt Stein, Bein,Tisch und Hecht, und fragt, ob alle diese nie einesbesondern Sinnes fähig sind.— Wollen die Feinde