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Der Komet
hre Luftfahrer durch Lustbälle — Fische an Angel-schnüren — der eingesargte Muhamed durch Ma-gnete — inzwischen fuhr unter allen diesen Wesenkeines der Geschichte so unbändig über das Erho-ben auf, als der Wegiuspektor, da er wieder stand;die brennendsten Schimpfslüche flogen, jeder miteinem Pflastersteine geladen, in das offne Fensterdes Aufschlägers; nach wenigen Minuten war indaS Häuschen für LaS aufreißende Zugpflaster derSchleifenheimerischen Hand daS halbe aufgerißneSteinpflaster eines Wegs geschleudert, welchervielleicht nach Namen-Aehnlichkeit von, appische»,trajanischen, ffaminiichen Weg, der nikolaustfche,oder nikolaitische hätte können genannt werden,wenn er ganz geblieben wäre, oder auch nachLaut von König-oder Kaiserstraße, die Marg-graf- Straße.
Da ihn endlich Würfe und Worte etwas ange-griffen hatten — zehnmal mehr als den Gegner— und er alles im Häuschen todtenstill hörte:so überfuhr ihn plötzlich der Schlaggedanke, derAufschläger liege oben halb erwvrfen unter demGestein und schweige daher. Der Boreaswinddes ZvrnS sprang in den lauen Zexhyr der Weh-muth um — und der Saulus der Steinigungging als Paulus nach Hause; — ich will es abernicht drucken lassen, was er oben unter dem Dach-boden empfand; eS sei jedem genug, daß er ver-zweifelte, und unter einem zufällig einfallendenLeichengeläuto schon das künftige LeS erworfnenAufschlägers vernahm, in welches noch sei» eignesArmensünderglöckchen hinein schlug, — bis erendlich so glücklich war, seinen Vater unter derApothekeuthüre herausxoltern zu hören : „Wohl!Ich höre. Ich will ihn ja auSwixen, baß er Oelgibt — und damit holla , H.Schleifenheimer ! "
Dies war doch einiger Trost.-So glücklich
war schon des Helden Knabeuzeit. Denn tiefekleinen Dornen der Phantasie — wie die eben ge-zeichneten — werden ganz von dem vollen Nosen-gebüsch derselben bedeckt. Da die Vergangenheitund die Zukunft, die beiden reichen Indien derPhantasie, um ganze Quadratmeilen größer sindals der Punkt der Gegenwart, diese Erdzungezwischen beiden: so kann man mit den Silberflot-teu. der Phantasie schon die Ausgaben der Gegen-wart bestreiceu. Daher macht sie immer in derZugend glücklich und nur im Alter unglücklich, woihr die neue Welt der Zukunft schon genommenist, und nur die alte der Vergangenheit noch mitihrer Nebelküste nachschimmert.
Hat sich nun einmal die Phantasie zum größtenGlück eines Menschen der ersten Form der An-schauung a priori — welche, wie jede Leserin ausihrem Kant wisse» kann, die Zeitin ihren, Drei-klang von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftist — bemächtigt und sie in ihrem Brennspiegelund Vergrößerspiegel ausgearbeitet und zugeschlif-fen, so hat sie natürlicher Weise die zweite kanti-sche Form der Anschauung » pi-iori als ihrenzweiten Pfeilerspiegel in ihrer Gewalt, nämlichden Raum, der in nichts Anderes einzutheilen ist,als in daS Nächste und in das Fernste, oder inMittelpunkt und Umkreis. Aber was ist das Bis-che» Mittelpunkt deS Besitzes gegen die unzähli-gen Quadratmeilen der Ferne, die stets viel größer
als die Nähe ist, und allein durch die Phantasieerobert und genossen wird? —
Man kann sich nun denken , wie weit und breitNikolaus Himmel war, da ihm alles gehörte, waser nicht hatte. Dem Sprichwort entgegen, warihn, eine Taube auf dem Dache viel lieber als einPfennig in der Tasche; dort hatte er also einen ganze»Taubenflug, gegen eine dünne Pfennigbüchse hier.So zog ihn die Kirchthurmfahne — zumal von derAbendsonne rothgeglüht — unbeschreiblich an, blosweil er sie nie anzufühlen hoffen konnte; dennwäre sie ihm vor die Füße gefallen, so hätt' er sieliege» lassen und mehr sehnsüchtig nach der Thurm-stange geblickt. Wenn er als Kind in ein Wach-telhaus guckte, und innen den lange» Rittersaalund die Dreh-Erker ansah, und Las weiche Tuch,daS nicht, wie bei uns, die Stubendiele ist, son-dern die Stubendecke belegte; und wenn er sichvorstellte, wie er, falls er drinnen herumliefe, soschön in die Erker springen und ganz ins Freieund in die Apotheke sehen könnte, und die vergol-deten Thürmchen dazu über seinem Kopfe hätte;so hätt' er sich gern in einen Wachtelkönig ver-wandelt, um in einem solchen Bauer, der geraderecht zweckmäßig aufgehangen war, das häuslicheGlück der Einschränkung mit der freisten Aussiehtin die Apotheke und in die Welt zu verknü-pfen.
Wenn nun Nikolaus auf einer so seltenen Mn-senberghöhe seiner Phantasie, wie wir sehen, stand— die beiden Gehirnhügel, welche diese, nach Gall,wie zwei Parnaßspitzen, innen besitzt, müssensich folglich außen sehr erhoben haben — daß er,sobald er sich oben umsah, bei einigem Nebel, wieein Mann auf den, Aetna, ganz neue Länder undStädte in den Lüften hangend antraf, die nie-mand gehörten als seinem Auge, wenn er, sag' ich,auf solcher Höhe daS Fremde so vergrößert erblick-te : so konnt' ihn, auch das andere Glück nicht ab-gehen, daß er, wie der Reisende auf dem Brockenseine Gestalt im Nebel als Riesenbild erschauet, sichselber »„gemein vergrößert wahrnahm. Ja erübertraf hierin manche neuern Dichter. Obgleichdiese das Wundervermögen der Einbildkrasr, wel-che, wie Midas, alles, was sie berührt, in Goldverwandelt, natürlich an, allernächsien Gegen-stände zuerst versuchen und sich selber vergolden. >von, Kopf bis zum Fuß: so findet ein solcher am !Ende sich doch nur als den größten Dichter, als >einen Musengvldsohn aus dem goldenen Zeitalter, iaber als nichts Weiteres, nicht als den größten ^Meß -, Heil -, Ton - oder sonstigen Künstler.Nikolaus hingegen sah sein Bild in, oben gedach-ten Brockendunste, als wie durch ei» Polvedronoder VieleckglaS, zu einer Galleris großer Männervervielfältigt. Denn es kam nur auf die Bücher,die er laS, und die Sachen , die er eben treibenmußte, an: so war er einen Tag lang ein zweiterFriederich der zweite — darauf ein Kotzeluch aufdem Klavier — dann ein wahrer Franzose wegender französischen «vainiunir«: — häufig, wenn erwollte, ein halber Linnüe, da er täglich in die Apo-theke lieferte, und den botanischen Provisor unddie einsammelnde Kräuterfrau hörte, und einzweiter Marggraf der Chemiker, weil er theils ein' entfernter Verwandter desselben war. theils der