Der Komet
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Advptivsohn seines chemischen Vaters. — Freilichwar er dies alles nicht auf einmal an einem Tage,sondern er nahm sich die nöthige Zeit und war soerst nach Gelegenheit immer einer der berühmte-sten Männer nach dem andern.
Und >'ch weiß nicht, was mehr zu seiner wahrenGlückseligkeit hätte beitragen können, als ebendieses seltne Vermögen, so viel zu sein. Es be-schränkt eine» Mann unglaublich, wenn er sichblos für einen großen Dichter halten muß —oder blos für einen großen Philosophen, oderWeltmann, oder sonst für etwas einzelnes Gro-ßes, indeß hundert andre Große um ihn stehen,die er alle nicht ist; und doch möcht' er so gernnicht Eine Glanzfarbe allein haben', sonder» denganzen Regenbogen mit allen sieben Farben aufeinmal vorstellen. Dagegen gibt es wohl keineandere Hülfe, als daß einer, der z. B. nur einausgezeichneter Dichter in irgend einem Fache ist,auch in den übrigen Dichtfächern groß zu sein sichvorstellt oder vornimmt, und so statt des Regenbo-! gens doch ein Thautropfe ist, der einen Regenbo-gen spiegelt. — Mir selber als epischem Geschicht-dichter — denn was ist die Geschichte anders alsein Epos in Prosa — kommt Nikolausens Viel.und Großmälinerei am meisten zu Passe; da,wenn in einem Heldengedicht, wie im homerischen,jede Wissenschaft und alles zu finden sein muß, esdann immer viel dazu hilft, wenn sie alle schonim Helden selber sitzen.
Zuweilen mußte wohl unser Nikolaus durchdieselbe Phantasie, die ihn zu allem machte, etwasausstehen, wenn sie ihm alles nahm; aber es warnicht von Dauer. Es sind mir mehre solche Fälle^ erinnerlich; — ich will aber nur des einen geden-! ke», wo er öffentlich die Kirchenbußs ausstand, inl der Kirche vor allen Zuhörern gescholten zu wer-! den, weil er von einer fischdummen Katechismus-schülerin das in Einem fort zagende und zuckendeGesicht der antwortlosen Unwissenheit aus Mit-leid durch zu lautes Vorauseinhelfen wegzubrin-gen getrachtet. --Wer berechtigte Euch zum Ein-blasen ?-- hatte der Katechet gesagt. In diesemund ähnlichem Falle pflegte Nikolaus sich vor sei-nem Freunde Peter Wvrble einen langen alte»Esel zu nennen, aus dem nichts werden könne, alshöchstens ein Stiefelputzer oder ein Subjekt ('),unser ersuchte Petern, ihn vor den Kopf zuschlagen oder sonst mit guter Manier von derWelt zu schaffen.
Jedoch wie kurz war ein solcher dunkler Zustandgegen die langen hellen Zwischenräume, wo er vorden Stadtschülern ganz frei sich lobte und nichtdaS kleinste Treffliche verschwieg, das er in sichantraf. Er eröffnete geradezu, er wisse hundertDinge aus seinen Bücher», die sie alle erst lernenmüßten, er habe einen ganz besondern Kops unddaher leuchte derselbe auch oft; und sie würdenschon sehen, was er einmal werde; — dennwenn man es nur recht mache, so werde man,denk' er, einer der berühmtesten Männer mit derZeit; freilich anfangs sei keiner gleich berühmt.—Und dies brachte er alles mit so wenigem Stolze
(*) So heißt in manchen Gegenden der Apothcker-I mngc.
und so unbefangen, und mit so froher Ueberzeu-gung vor, jeder werde darüber im höchsten Gradeerfreut und keiner zweifelhaft sein, daß ichs ihmwohl vergönnt hätte, wenn es so gekommen wäre.Aber für prahlendes Lügen wurde wärmste Offen-herzigkeit genommen, selber von Stadtschülern,denen er bei öffenilichen Prüfungen mehre Ge-dächtnißkügelchen aus der Apotheke geschenkt. Diewärmste Liebe heilt keine verwundete Eigenliebe,und die größte Freigebigkeit vergütet nicht diekleinste Lob-Entziehung. Leichter gönnen sogargute Menschen dem andern jedes Glück, sogar dasunverdiente, aber nie das unverdiente Lob.
Nur fehlte Nikolaus darin, daß er sich nichtauf die Weise lobte, wie sich jeder von uns. Derbescheidne Mann geht nicht weiter, als daß erroth wird und einige Vorzüge zwar wirklich einge-steht, es aber dem andern überträgt, das langeUndsoweiter oder t'.teotvin anzuhängen, inwelches die Unzahl der übrigen hineingeht. Leidersprach Niklas selber sein ganzes Llcetvi-u aus,und war außen nicht um ein Wort siolzer als in-nen: dergleichen erboßt. Haben freilich auf ver-ändern Seite bescheidne Männer das Ihrige ge-than, und von sich, wie wohl jeder von uns, vieleMängel und nur wenige matte Verdienste zuge-standen, in dem festen Darfürhalten, der Zuhörerwerde das Undsoweiter derselben schon statt unsreraussprechen: so ist der Krieg erklärt, sobald ersnicht thut. Kündigte nicht schon in ähnlichemFalle der König Karl Gustav von Schweden einenKrieg derKrone von Polen an, weil sie im schwedi-schen Titel ein P. p., oder p. p., (oder Undsvwei-ter, oder Ltevtei-n ) weggelassen und dadurch denSumsdorfer Frieden gebrochen (*) ? Und wurdedeswegen für die Schweden nicht der Name Lteele-ruti erfunden?—Es kann ihnaber jeder von uns ge-brauchen und sich einen Llceteratu» nennen; weg-gelassene „p. p." am Ende sind wie weggelassenek>. k. oben am Briefe, welche bedeuten kl-at-posi-tis pl-sepvnenklis, so wie jene pospositi«nanckis.—
Es ist nun Zeit, daß wir endlich zum drittenVorkapitel und zum Apotheker Marggraf gelan-gen, welcher dem kleinen Fürstsohn eine Art vonfürstlicher Erziehung geben will, um die Kostendafür wieder zu gewinnen. Ist aber nicht schonein guter Schritt zu einem Fürsten zurückgelegt,wenn Nikolaus selber alle die verschiedenen großenLeute ist,die er kennt, anstatt daß sonst Hofleute beieinem erwachsenen Fürsten oft Jahrs lang zu ar-beiten haben, bis sie ihm das Nämliche beibringenund er eS glaubt ?
Nachschrift.
Da in diesem Kapitel eines gewissen KnabenWorble gedacht wird , und da es gerade der-lelbe ist, der viele Jahre später das berühmte ma-gnetische Gastmahl gegeben, so will ich die Beschrei-bung davon sogleich hier einschichten; eS wirdaber auffallen.
Lichteiibcrgs Taschcnkalendcr. >781. S. 7Z.