Band 
IV.
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Der Komet,

»Dahin ist es den» vielleicht blos durch denMagnetismus, welche» leider noch mancke Staa-ten öffentlich erlauben, endlich gediehen, daßwir einen neuen Orden, einen Traumbund wirk-lich vor der Nase haben, der so gewiß existiert,als der Tugendbund, falls er nicht gar mit ihmzusammenfällt, wobei nur dies das aller Bekla-genswertheste ist, daß man den Bündlern wederdurch Ohr - und Augenzeugen, noch durch Augen-schein, noch durch pnobatio »emiMna, nochmasor et minoi- beizukomme» vermag, weil ihreGedanken (oder Verträume) nicht zu verhafte»und vor Gericht zu stellen find, sondern die Bünd-ler es stündlich ablaugn?» können, wenn sie auchdamit die gefährlichsten Träume angestiftet. Dasbeste wäre allerdings, solchen Menschen ohneWeiteres das Handwerk, nämlich den Kopf vordie Füße zu legen, was Sie gewiß als guter Ju-rist auch thäten, wenn uns nicht überall die Ge-setze bei allem Guten, was man thun will, imWege ständen. Ich erinnere micb noch sehr wohl,wie Ew. Wohlgeboren, als Sie noch in Leipzigpraktizierten und schon damals zwei Bände Pro-zesse drucken ließen, — grönländische, glaub' ich,denn vorbekommen habe ich solche nicht — ich er-innere mich, sag' ich, wie Sie mich sehr oft inscherzhafter Anspielung Galgenpater anstatt Saal-pater geheißen; aber in der That wär' ich in je-tzigen Umständen nichts lieber als dergleichen, umdie fünf magnetischen Vokale zum Galgen zu be-gleiten. —

Aber werden Sie es nach allem diesen wohlglauben, daß wir dennoch die fünf Inkulpatenhaben frei und ledig der Haft entlassen müssen,ganz ungestraft und unversehrt, ja der Ministermit Pässen, und ich (unter uns) mit einigen Rei-segeldern ?

Denn so lange die Jnkulpaten im Keftcr saßen,wars nicht auszuhalten im Bette; und ich mußte,um bei meiner Wenigkeit anzufangen, sobaldich mich niederlegte, erwarten. Laß ich gevier-theilt würde, oder gesackt, oder mit Zangen ge-zwickt, oder mindestens mit Ruthen gestrichen, sodaß das Bette ordentlich mein eigner Rabensteinwar. Aber auch nicht mehr wurden Seine Exzel-lenz der Hr. Minister geschont, sondern solchemit Halseisen und Rsichsacht versehen, ferner inLlllzie aufgehenkt dicht an denenselben selber, undauf deren Stern, wie bei einem Sternschießen,geschossen. Ja Seiner Durchlaucht wurde» in jederNacht aus der Gaukeltasche der Traumgeber neuejammernde, schreiende Unterthanen vorgestellt,welche noch dazu, was wohl das Betrübtest«, wirk-lich im Lande zu finden waren, sobald man sich

danach erkundigte. Inzwischen wurde» die Schul-digen erst nach Ableistung der Urphede fortgelas-sen, .daß sie sich an einem Staate, der ihnen soväterlich nachgesehen, nicht durch weitere Ver-träume vergreifen wollten.

Ew. Wohlgeboren könnten freilich bei Ihren soausgebreiteten Konnexionen mit Verlegern undDruckern mehr thun, als alle Gerichte, wennSelbige in einem Ihrer nächsten Werke die Au-gen der Welt auf die Traumbündler lenken woll-ten. Der ich :c. rc.

Saalpater.

Da nun das nächste Werk kein anderes ist, alsder zweite Band des Kometen: so hab' ich hierund zwar schon in der Vorrede dazu — ja nochfrüher im gegenwärtigen Morgenblatte — dieWelt gewarnt und somit meine ganze Pflicht ge-than.

Was übrigens Liesen zweiten Theil von Marg-grafs Lebensgeschichte selber anlangt, so hab' ichschon Anfangs dieser Vorrede angemerkt, daß icheigentlich keine Vorrede vorauszuschicken, sondernnur des Helden Geschichte nachzuliefern habe,welche denn in der That hier endlich auftritt. —Möcht' ich doch selber zu den Lraumbündlern ge-hören, aber nur in der Dichtkunst, diesem erstenund letzten Traumgebervrden, um meinen nack-träumenden Lesefreunde» nur Schönstes undBestes vorzuträume»

Baireuth, den 12. Mai 1620.

Jean Paul Fr. Richter.

Erstes Kapitel,

welches durch Judengassen, Rezepte und eine» offnenHimmel den Leser spannen will.

SämmtlicheKlubisten.Harmvnisten und Castni-sten waren schon versammelt, nämlich der Frei-mäuerer, der Zuchthausprediger und derHofstallma-ler: nur die Neffourcisten fehlten noch, nämlich derApotheker Nikolaus Marggraf. Endlich eine ganzeStunde zu spät langte der Jüngling an, und hattedrei Himmel zugleich auf seinem etwas eingefalle-nen, bleichen Gesichte. Da ihn sein Freund, derFreimäuerer Peter Worble, fragte, warum ergerade heute bei der Wiedereröffnung des Klub«der letzte sei, sonst doch immer oer erste und ei-ligste : so versetzte der Apotheker: »was ist vielz» fragen? — Nur vor allen Dingen, Peter,