Band 
IV.
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Der Komet.

Er steckte folgendes Licht in dieser Geldsachean.

Lange nämlich hatte er auf seinem Dachbodeneinen Viertel-Zentner alter Rezepte von seinemGroßvater, der sie nach Apothekersttte gleichsamals peinliche Akten für künftige Richter der Aerzteaufbewahrte: als ihm ei» Gewürzkrämer unbese-hens für ein Pfund dieser Heilblätter vom BaumedeS Lebens, falls er sie zum zweitenmale zu Geldmachen wollte, wie deren Schreiber zum ersten-male gethan — zwei Batzen bot. Erstaunlichanfangs! Mit solcher Gewürzkrämerei wär'unter Napoleon der halbe Buchhandel zu heben!— Aber es war anders, später wurde glaubwür-dig herausgebracht, daß der Gewürzhöker nichtsals der Unterhändler mehrer Dvrfbarbiere undWundärzte gewesen, welche zu einen, Gesamnit-kaufe dieser fünf und zwanzig Pfund Lebensstcher-heitkarten zusammen geschossen hatten, um dieRezepte von Neuem zu verschreiben, und so immers etwas Kunstgerechtes, wen» auch nicht Zweckge-l mäßes, zu rezeptieren. Aber ob nicht die redliche»l Quacksalber mit ihrem (Makulatur-) Pfunde sos gewuchert, daß manche Rezepte, welche dem offizi-> nellen Arzte unter den Händen aus Dummheit zu^ Urias- und Frachtbriefen an Charon, oder zu^ päpstlichen Scheukbriefen der neue» zweiten Weltj geworden, sich setz» zu Scheukbriefen und Quar-tierbillets der hiesigen Welt durch eine günstigeLosziehung aus ganzen Pfunden von Heilmit-teln umgesetzt: — dies zu untersuchen, gehörtwohl in ein anderes Kapitel, als in ein ersteswiewohl ich nicht verhehle, daß ich hierin meinerMeinung bin.

>, Nur gut — sagte der Freimäuerer — daßman die Nilquelle des heutigen Punsches weiß;Dein anderes Geheimniß von der Goldküste, amersten Jahrmarkttage entdeckbar, ist mir seit Jah-ren halb und halb bekannt. Singe nur Deinaltes Lied von Goldmachen und Goldsäure undinntevls, eruitu vor den Herren bis auf den letz-ten Vers wieder ab, während ich draußen amPunsch arbeite. Ich will aber. Bester, einen glü-henden Plättstahl in die konis stoßen — das In-gredienz kostet nichts und man hat einen gutenStahlpunsch. — Jetzo aber fang' an hinter mei-nem Rücken Dein Lied zu singen! — Hab' ich mirnur erst mit einigen Güssen Punsch den Kopfwarm gemacht, so will ich Dir Deinen schon wa-schen, dafür, daß Du das Gels, das Du nicht hast,ins Judenviertel hineinwirfst und zum Fenster undRauchfang hinaus und Metalle roth färben willst,anstatt türkisches Garn.»

Ich konnte nicht 'sagen, daß Nikolaus auch nurdas kleinste Zeichen von Empfindlichkeit äußerte;vielmehr lächelte er ihm nach und sagte zum Ma-ler : »Er schießt gewaltig neben hinaus, unserguter Freimäuerer — ich will jedoch gern auf ihnwarten mit dem Geheimniß; — es dürfte aberleicht von etwas Gewinnreichsrm die Rede sein,als von blosem Machen des Goldes — auch an-dere Sachen sind auf der Erde zu machen» —und dabei sah er ganz entzückt in die Abendsonnehinaus.

Die Leser deS erste» Kapitels dieses Kunstwer-kes müssen wissen, baß Worble seinen Freund nie

öfter zwickte und ihm mit seinen Krebsscheerendie Hand drückte — die Geberden waren blvskleinere Krobsfüße — als wenn dieser die Nach-richt brachte — was er in jedem Vierteljahr drei-mal that — jetzo sei er endlich von dem großenWerke nur noch ein oder anderthalb Tage (einpaar Stunden mehr oder weniger find nichts)entfernt und er erwarte nächstens getrost vonGott das Gold. Denn von der seligen Advent-zeit des Goldes an (wußte eben Worble) datierteder Apotheker, wie jeder Alchemiker, ein from-mes Kirchenjahr seines Herzens; er hielt näm-lich sei» aufprasselndes Raketeuzornfeuer auf denBoden nieder und angefeuchtet, um den Geberdes große» Werks mit nichts zu entstammen. Indiesem Zustande deS gebundenen Feuers hetzte ihnWorble am liebsten, um seinem Anstchhalten zuzu-sehen und die äußere Milde mit dem innerlich er-stickten Fluchen zusammen zu halten.

Da der Hofstallmaler Renovanz den Apotheker,der ihn angeredet, in einer so freundlichen Launefand: so drückte er eine längst angelegte, schuß-fertige Bitte ab, die auf den zeitigen Stößer in derMarggras'schen Apotheke ging, welchen Nikolaussehr liebte. Er fing also an—konnte aber insein schön geformtes, etwas abgeblühtes Gesichtmit griechischer Nase und in seine Grau - Augennicht so viel Liebe hineiulächeln, als wohl zu !Bitten gehört, weil er letzte lieber abschlug, als .vortrug — : »Herr Marggraf, Ifing er an, habe iseine Studien in der niederländischen Schule ^mehrmal zu unterstützen versprochen wenn dasGold fertig wäre; aber er könne schon jetzo derKunst, ohne einen Heller Kosten, einen bedeuten-den Dienst erweisen. Prügeleien, sagt er, sindäußerst selten bei Malern und nicht genug vonihnen gesucht; und doch seh' ich nicht ab, warumdie niederländische Schule sich hierin will von deritaliänischen beschämen lassen, welche die herrlich-ste» Kindermorde. Schlachtstücke und jüngstenGerichte aufhängt und dabei an Stellungen undVerkürzungen unsäglich erbeutet. Sie wissenlängst, wie ich mich auf Prügel- oder Schlag-stücke lege, vielleicht mehr als 'manche Schlacht-stücke in Kenners Augen werth; aber leider istblos der Pinsel mein Prügel, und überall fehltmir eine Akademie. Sie besitzen nun, Herr Apo-theker, an ihrem Stößer Stoß (so heißt, glaub'ich, der Mensch) ein Musterbild, das mit seinerkurzplumpen, eckigen, sich abhetzenden Wackelge-stalt und seinem trefflichen Ausdrucke eines leb-haft-dummen Feuers den beste» Ostade nichtentstellen würde. Gott! wie wäre ein solcherkunststvffhaltiger Mensch nicht zu verwenden fürdie Kunst, wenn Sie wollten! Hat doch der GrafOrlvf für den Maler Hackert ein ganzes Schiff indie Luft sprengen lassen zum Abzeichnen. Waswäre gegen so etwas die Gefälligkeit, wenn SieIhren Stoß blos ausprügeln ließen in meinerGegenwart, damit ick, so gut es ginge, ihn alsAkademie benutzte und flüchtig zeichnete? — Umdes Himmels willen nehme» Sie die Sache nichtvon der unmoralischen Seite! —- Wahrlich ichmein' es nur so, daß der Stößer sich selber herumschlüge mit jemand. Sie haben zum BeispielIhren baumlangen, langsamen, eiskalte», faul-