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Der Komet.
thierischen Rezeptuar (*), daS gerade GegenbildIhres Stößers. Diesen wollt' ich durch drei odervier Gläser Kouragewaffer, die ich gern aufwen-dete, leicht mit dem Stößer —dem mußt' ich wohlauch eines geben — in ein Wortgefecht verwi-ckeln, daß er gegen Sie recht tapfer loszöge — daer Sie ohnehin nicht achtet — und der Stößerwieder seiner Seils noch unbändiger für Sieföchte, bis es dabin käme durch einige schelmischeAufmunterungen von meiner Seite, daß beidesich wirklich einander in die Haare geriethen.Dann käme ohne Zweifel der kurzbeinige De-fektuar unter den langarmigeu Nezeptuar zu
liegen-nun das Zappeln, Gabeln, Sichel»
der Glieder und die tausend Gesichter aus demtollen Gesicht-Bei Gott! Herr Apothe-
ker!" —
Da nun der Stößer Stoß mit aller Innigkeit,Treue und Gläubigkeit einer eingeschränktenSeele am Apotheker hing und bekleibte, und die-sen für den größten Geist ansah, der ihm je in denKopf gekommen, oder auf die Welt; so daß Niko-laus keinen Menschen auf der Erde hatte, der ihmso aufrichtig glaubte, wenn er sich lobte, als Stoß:so war ihm bei der Erboßung über den Antrag,eine so gute Seele zu mißbrauchen, welchen er aneinem solchen heiligen alcheniischen Tage mit dergrößten Gelassenheit aufnehmen mußte, nicht bes-ser zu Muthe, als einem Gesandten, welcher aneinem großen tzofe die erste Audienz und zugleichdas schrecklichste Bauchgrimmen hat, und doch da-bei ganz aufrecht bleiben muß — zur Ehre seinesHofeS —, so gern er sich, wie immer, tief bückenmöchte, ja zusammenkrümmen für solche» Fall. —»Kein Wort weiter, köstlichster Künstler" versetzteder Apotheker,heftig auf und abschreitend und mitverzogenen Geberden, da er nur der sanftestenWorte mächtig geblieben — »Warten Sie nurnoch bis zum Jahrmarkts!-—Hab' ich Ihnen nichtschon längst sehr bedeutende Summen für IhreKunst und folglich auch zu Modellen versprochen ?— Und heute versvrech' ich Ihnen bei Gott nochzweimal größere, mein herrlicher Ostade!" —
„Nun, ein Bischen Rafael bin ich wohl auchgern mit." versetzte der Stallmaler und wollteim völligen Unverstehen des Marggrafischen An»sichhaltens die Prügel des Stößers durchsetzen, bisder Zuchthausprediger Süptitz ihn fragte, ob er-denn gar kein Sück von Psychologen sei undnicht im Geringsten aus allem wahrnehme, wiesehr Herr Marggraf sich selber beherrsche.
Da trat endlich Worble mit feurigen Augenhinter der Punsch-Zisterne ein, für welche er sel-ber alles abgerieben, ausgepreßt, zugesetzt undeingekocht hatte, um, wie er versicherte, alle Zeitbis zum Amen zu versäumen, in welcher der Apo-theker gewiß seine lange, alte Rede wieder gehal-ten über seine nächste Annäherung zum sogenann-ten großen W er ke — dem schlagenden Gold-
! (*) Dckcktuar heißt in den Apotheken der Gehülfe, der
! im Laboratorium arbeitet und die fehlenden Arrikel an-^ schafft und zubereitet; der Rczcptuar besorgt auf demj Rczcpticrtischc die Rezepte. Tromsdorf verlangt, daß beide! mmer ihre Aemter wechseln.
herze aller Goldader» — und über alles, was erdarauf thun werde, und was so lange schon bekanntgeworden. Ja er habe, setzte er hinzu, um längerauszubleiben, fünf oder sechs Gläser Punsch vor-aus getrunken, und er bitte recht flehentlich, mansoll' ihn einschenken und ausreden lassen, weil ergern reden möchte und zwar viel. Die Haupt-sache war nämlich, daß der geldlose und daher krank-lose Peter nun etwas im Kopfe hatte, womiter sein h. Januars-Blut flüssig machen konnte;er war von früher Zeit daran gewöhnt,seinem Pe-gasus, wie man auch prosaischen Pferden thut. jet-was Geistiges zu trinken zu geben, damit er besserflöge, und er behauptete, er wisse die Stunde, woer trockner sein werde als irgend ein Kompendium-,oder einKaufmanns-Brief vdereineSchriftaus derWiener Kanzlei, nämlich die sei es, wo er verdurste.Er fing an: »Ich lasse mich mit kochendem Punsch ab-brühenden» ich etwas Anderes vorbringen will alsdie Rede, die Herr Marggraf über das große Werk,zu welchen, er nur noch anderthalbe Tagreise hinhabe, und über alles, was er dann mit zehn Gold-fingern (jetzo hat er nur zwei) und mit zehnGoldzehe» vorhabe, unter meinem Punschkoche» anSie alle gehalten." — Aber der Klub schüttelteNein. Dies kam dem Freimäuerer zwar ungele-gen; denn er hatte sich draußen unter demPunschmachen und Kredenzen eine der längstenReden in dessen Namen ganz fertig ausgearbeitetund nur die Punkte und Kommata im Kopf aus-gelassen; aber er fuhr fort: »Meinetwegen Injedem Falle hat er unstreitig so gesagt: Da dieGrunderde des Goldes aus Phlogiston und einergewissen Säuere bestehe: so brauche man weiternichts zu erfinden — denn das Phlogiston sei zumTheil schon da,—als die gewisse Säuere, um danndas konstantinische Pulver zu machen, womit Se-bäld Schwärzer bei dem höchst sel. sächsischenKurfürsten Augustus unno i58» wirklich i 02 UTheile unedle Metalle in das pureste Gold ver-kehret habe."
Hier fiel der Apotheker ein: „Und ist die That-sache an sich nicht ja eine der bekanntesten?Denn gerade im sechzehnten Jahrhunderte standneben der Kirchenverbefferung zugleich die Metall-verbesserung am sächsischen Hofe im Flor; ja,setzte nicht dieser Sebald Schwärzerauch unterAugusts Nachfolger, unter Christian l. die Ar-beit so lange fort, bis er den Kaiser Rudvlph H.mit seiner Person beglückte? Und führt man denn,statt aller andern Folgen seiner Arbeit, nicht amliebste» blos die Klagen an, welche die gemeinenArbeiter darüber erhoben, daß der Kurfürstsie in lauter ganzem Gold oder in Gülden be-zahlte, indessen die Reichen den Profit hätten, dieScheidemünzen zu schlucken?" (*)
»Sagt'ichs denn nicht?,versetzte Worble.—Jetzo hat er gar zum drittenmale seine Rede ge-halten, denn seine erste hielt ich eben zum zweiten-male. Inzwischen fahr' ich still fort in DeinerRede, in welcher Du gesagt haben wirst (wennDu anders auf die Metapher verfielst), daß nundieGoldsäuere keine sauere Wiese mehr
(*) Wigtebs Untersuchung vcr Alchemie. S. 250 -