Band 
IV.
JPEG-Download
 

526

Der Komet.

Aber aus der Kohle, welche er zum Grundsteinseines Ehrentempels, wie eines ephestschen derDiana, zn legen erklärte, war wenig Licbt zu ziehen,weil ste im damaligen Alter der Scheidekunst nurLurch ihre Kraft, faules Wasser, faules Fleisch,faule Luft zu reinigen, im Rufe stand. Wvrblekonnte sich nichts Vernünftiges dabei denken, als! eine Sinubildlichkeit, nach welcher die Kohle demApotheker Luft, Fleisch und Wasser seiner modern-den Lebensverhältuisse wieder ausreinigte, und un-ter Kohle wäre die Hoffnung gemeint; aber bis-her hatte stch sein alchemisches Schatzgeld immerwie das des Teufels blos verkohlt. Wvrble fragteendlich: „So sags einmal in des Henkers Na-men, eh' Du gehst, was Du machst statt Gold?"

— Nur selten wird es witzigen Köpfen im gesell-schaftlichen Leben so gut, daß sich alle Uniständeum ste her zum Abbrenne» eines lange schußferti-ge» Fvrtisstmo- Schlagwvrtes herrlich so zusammenstellen, wie etwa» ini kalais i-oxul die Sounen-stralen durch ei» Brennglas eine Kanone immeruni 12 Ubr abfeuern. Aber Marggrafen sollte dasGlück beschieden sein, daß er gerade mit Hut undStock unter der Gartenhausthüre stand undgute Nacht sagte, und stch dann mit demüberschwängern Kernwort umwenden konnte:„Was ich mache, fragst? — Diamanten,Worble." Darauf schloß er Mund und Thüreund ging mit angesuchter Würde und mit demKopfkissen im Kopfe nach Hause.

— Hätt' er gesagt, er mache Kaiser — oder kai-serliche Banknoten — oder Heldengedichte — oderReisen um die Welt — oder psixetuu mobilin(Selbbewegmaschinen) : man hätte stch im Klubnicht stärker gewundert, als über seine Diaman-ten ; denn damals war die später von Biot, Pepysund Davy entdeckte vornehme Verwandtschaft derKohle mit dem Diamant noch ein Geheim,ijß.„Diamanten?" wiederholten alle, aber jeder andersbetonend. — „Psychologischen Grundsätzen zufolge— fing Süptitz an — kann ich mir seine neue fipsZdee (dafür muß ich ste wahrlich nehmen) wohlerklären; wie man in der Liebe nach dem Fehl-schlagen des kleiner» Versuchs mit Glück zu einemkühnern greift, so hat ih» der alltägliche Gedankedes Goldes schon an den Hähern der Diamantengewohnt. . . . Aber sehr heiß ist der Punsch! Es istsonderbar genug, aber in meinem Leben hab' ichnoch keinen Punsch getrunken, der nicht entwederzu heiß war oder zu kalt, anstatt gerade recht. Soregiert alle flüssige Sachen ei» böser Geist. Wennein guter Kopf einen brauchbaren Tascheuwärme-nieffer für Suppe, Kaffee, Punsch erfände: dieMenschen würden ihm bei aller Lächerlichkeit amEnde danken, und brauchten selten zu blasen."

Der Hvfstallmaler — unter jene Leute gehörig,denen man ihrem Gefühle »ach ordentlich die Ehreabschneidet, wenn man stch selber eine große an-thut, ja die stch über einen schon in der Erde lie-gende», oder in Nordamerika stehenden Schultheisärgern können, der stch allein für einen Kopf an-gesehen und die Rest-Welt blos für den Rumpfdazu — war am meiste» gegen Marggraf aufge-bracht, zumal da er ihm Las Abprügeln des Stö-ßers abgeschlagen. Der Apotheker — erklärte erfrei — fall' ihm mit seinen Anmaßungen zuletzt

doch zur Last — Gern seh' er ihm seine Kunsiken-nerei, wovon jeder andere Künstler eine Maler-kolik bekäme, aus Billigkeit nach, weil ihn nuneinmal sei» Vater zu einem Allwisser verzogen, deralles vorstellen wolle —, nur aber jein verfluchteseingebildetes Krösus - und Mogul-Wesen sei nichtauszuhalten; und einem aufrichtigen Freunde, derih» gern gebessert jähe, könnt' es ordentlich er.wünscht kommen, wenn ihn der Schächter Hoseaswirklich am Jahrmarkts festsetzen ließe und er so alsKrösus statt seines Stößers im Kerker sitzenmüßte, ohne daß er beim Sitze» einen Porträtma-ler zum Abzeichnen bekäme.

Der lFreimänerer trank erst aus und schenktesich ein und sagte ganz vergnügt: er hoffe zu Gottund zu seinem Troste, der Apotheker gehe aufsFabrizieren falscher Diamanten aus; denn die-ser schöne optische Betrug mit Steinen bleibe in'jedem Falle wenigstens solider als die Goldbren-nerei; vom Apotheker, als einem Scheidekünstler,lass'' es stch schon erwarten, daß er die sogenann-ten üiitinnns rlu "ksinpls oder von Llenoon,die weiter nichts sind als bloss Kristalle, oder sonstdurchsichtige Steine zum Glänzen vom Feuer ent-färbt, den wahre» Diamanten viel trügendernachmachen werde, als ein dummer Handarbeiter,Gedächte der Thor freilich, was der Himmel ab-wende, keine falschen zu machen, sondern bloswahre: so wär' es dem Himmel geklagt — damittanz' und stampf' er stch immer tiefer in seine,igrünen Sumpf hinein.-

Er trank deshalb stärker, für sich und ihn zu-gleich ; der Stallmaler aber eigennützig nur fürEine Person, und der Zuchthausprediger hielt esfür Pflicht, nicht mehr Gläser zu sich zu nehmen,als wen» der Geber mittränke, und dividiertedaher unaufhörlich leise den Punschnapf mitvier.

Zweites Kapitels

oder das Nöthigste über den Klubs-Klub, oder dieGesellschaften - Gesellschaft.

Man hat die gute Bemerkung gemacht, daßdichtende Geschichtschreiber an drei Orten anfan-gen können, entweder am Ende lwie Homer),oder in der Mitte (wie viele Deutsche nach Horaz),oder am Anfange (wie die Franzosen und Moses).Ich habe mich bei meinem Anfange im vorigenKapitel mehr den Deutschen zugeschlagen, dochin den Vorkapiteln etwas dem Moses hingeneigt,und habe daher viel früher fortgefahren als ange-fangen. Ich hielt neben dabei den große» Unter-schied zwischen dem Menschen im Leben und zwi.scheu dem Menschen in dichterischer Geschichte fest.Der Mensch im Leben, auch der unbedeutendste,macht nie mehr Aufsehen in der Welt als zwei.mal, nämlich wann er in ste, und wann er ausihr tritt, kurz, ste steht nur zum Fenster hinaus