Band 
IV.
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Der Komet

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von wo an er, sobald er nur durch die fünf Hun-ger-Rechenspezies, oder Fasten-Akte der fünfSchulämter, mit eben so vielen Gersienbroden sichdurchgefristet hatte, in jedem Falle die größte Aus-sicht vor «ich bekam, ein Landpfarrer zu werden,und zu Geld zu kommen und zu einer Frau dazu.

Aber er wurde zu früh seines Amtes entsetzt.Von den tausend Ursachen setz' ich nurzwei hieher,wovon die eine den Orgelschläger, die andere denQuintus betrifft.

Die erste war sei» stehender komischer Charak-ter der italiänischen Kvmödi-, welcher in den ernste-sten Kreisen des Lebens Schnurren und Schna-ken, und zwar nicht nur Wort-, sondern Thal»schnurren umherfahre» ließ; und der besonders— dies fällt eben in der folgenden Thatsache soauf — statt eines Einzelnen lieber eine ganze ^

vatooiuin der Singstimmen angesehen wünschte,in welches man den geistlichen Schafstall leite oderläute.

Doch vergesse ein ernjier Richter nicht, zu des Man-nes Entschuldigung zu erwägen, daßWorble zu an-dern Zeiten, wenn die Gesangstücke gerade tiefesTon - Gefälle halten, (wie z. B. das : Eine festeBurg ist unser rc.) dem vorige» Fehler völligentgegen zu arbeiten suchte und den Choral umdrei, vier Töne tiefer als gewöhnlich anschlug;nur zog er freilich dadurch (ein neuer Unfall) dieKirchengänger in einen tiefen dunkel» Baß hin-unter, daß blos einige feste Bier- und Strohbasst-sten unten halten und ausbrununen konnten.Hingegen der ganzen weiblichen Pfarrgemeinesetzte er dadurch Dämpfer sSonckini) auf, und dieBeichttöchter ließen den Beichtsöhnen zum ersten-

Menschensamnilung ins lächerlichste Licht stellte. !Wenn er nämlich in der Nachmiltagkirche einen !Kirchengesang zu spielen vorbekam, der theilweisebis in die Oktave mit gestrichenen Roten hinauf- ^ging: so fing er ihn iz. B. den Choral »Straf ^mich nicht in deinem Zorn») sogleich in einer ,Tonart an, die etwa um zwei bis drei Töne höher ^lag. Anfangs hielt es die Gemeine auf den mitt-lern Tonleitersprossen »och gut aus. Es hörte «ichwohl fremd an, aber doch noch erträglich. — Dar-auf aber, wenn die Kreuz - Erhöhungen mit demmusikalischen Doppelkreuze erschienen und der sin-gende Kirchsprengel sich oben auf den oberstenStaffeln der Tonleiter versammeln und arbeitenmußte: so brach der Jammer der Kirche los undihr wurde sehr zugesetzt. — Einige Bassisten und 'Tenoristen rettete» sich noch nvthdürftig, daßsie in !der Eile sich zu elenden Altisten verschnitten, aber 'andere kreischten geradezu hinaus oder stürzten sichaus Verzweiflung in die erste beste liefere Oktavehinab und oben hingen im Freien ängstliche Fistel-stimmen über der Tiefe. — Am meisten aber zubeweinen waren die singenden Weiberstühle,welche, ungleich den Männerstühlen, sich nichtgeben wollten, sondern sich lieber vom Leitseiledes Chvrals so hoch aufziehen ließen, aus dem ein- ,mal gestrichenen k in das zweimal gestrichene a, !aus diesem in das dreimal gestrichene e, daß ganze 'Bänke voll Kirchgängerinnen, wenn ste sich nichtganz in ein Nichts verpfiffen, sich dermaßen heiserüberschrieen, daß es klang, als ob ste einanderschimpfen wollten und vor Wuth es nicht weiter !vermöchten. Die ganze Kirche war eine streitende ,mit Stimmen, nur begriff das arme abgehetzteSingbabe! gar nicht, wie alle mitten im Friedenunter der Hand gegen einander so wild gemachtworden. Es soll ein bekannter Ton - Virtuose,vielleicht zu verwöhnt von den neuern köstlichenKlangwerkzeugen, deren himmlische Namen(wie Uranion, Avvllonivn, Aeolodikon) so sehr anWohlklang die Orgel übertreffen — auf andert-halb Tage Ohrenbrausen davon getragen haben,blos weil er vor der trompetenden Kirchgemeinevorbei gegangen war, während ihres Kräh-Tutti.Ernst und heiler indeß regierte der Freimäuererauf seinem Orgelstuhl das ganze klingende Spiel;welcher überhaupt, wie er sagte, die Figuralmustkder Nachmiitagkirche nicht für zu ernsthaft genom-men, sondern mehr für ein übendes llousei-

male das letzte Wort. s

Die kirchliche Obrigkeit sah den Tönen, die oh-nehin nicht zu verhaften und abzuhören waren,anfangs durch dieFinger, bis sich der zweite Grundzur Absetzung anbot.

Der Kränzelherr Wvrble hielt sich nämlich alsunterster Schullehrer einen untersetzten kurze»Bedienten, welcher allen weiblichen Arbeiten, be-sonders der wichtigsten für ihn, der Kocherei —deshalb hieß der Mensch nur sein Kock — hin- !länglich gewachien war. Das Beispiel, sagte er,womit er in seinem wichtige» Schulamte vorzu-leuchten habe, lasse nicht wohl zu, daß er eineweibliche Bedienung halte; denn so fest er auchim sittlichen Sattel zu sitze» glaube (er berief sichauf seine Eingezogen«,eit), so hab' er doch Fleischund Blut (in den (»o Puls- und den »o Blut-ader») und üü Nervenpaare, und außer demKörper noch eine ganze Seele voll Erbsünden;ja wäre selber die Magd eine heilige Madonnaund er ein heiliger Engel Gabriel, er ständedennoch für nichts; denn mit manchen Größen >der Unschuld sei es wie Mit den Buchstabenin der Algebra, die sich blos durch Neben-einanderstellen mit einander vermehren (multi-plizieren).

Der Koch versah übrigens seinen magern Dienstsehr gut und mehr aus Liebe als für Geld, hieltsich am liebsten zu Hause, und lief gegen Abend,wo sonst die Menschen, wie im Sommer die Fluß-wasser, am wärmsten find, keiner Seele nach.Gewöhnlich kommen Köche und Metzger (einanderohnehin im Morden verwandt) bald zu Fleisch, sowenig ste viel Fleisch genießen, denn der nährendeDampf daselbst mästet ste. So wurde auch derKoch des Quintus täglich wohlbeleibter, jedochschwerlich vom Nährdamvfe des Fleisches-, da die-ses selber selten in die Küche kam.

Am Wiegenfeste Wvrble's aber, wo der Kochmehre Fleischstücke als gewöhnlich aus Feuer zusetzen und ungewöhnlich zu arbeiten hatte, fingder junge Mann zu. — kreisen an, und kam wirk-lich nieder und machte unsern Kränzelherr» zumglücklichen Vater eines wohlgebildeten Mädchens,so daß dieser auf einmal zwei Geburttage oderzwei Wiegenfeste, wozu nur Eine Wiege nöthigwar, feierlich begehen konnte. — Bald nach derEntbindung vollzog der Freimäuerer die ehelicheVerbindung mit dem Koche öffentlich am Altare l

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2 e an Paul' s Werke. iV.