Band 
IV.
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Der Komet.

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hölzerne Ehrenflinten, von der Linken gehalten —und kurz vor eine närrisch im Lachen und Grinzengehälftete Unterrichtstube.

Natürlich war dies Personen von Abstammungsoviel, als würden ihnen die Ahnen zu Dutzendengestohlen, und sie riefen daher ihre Gesandten ausder Hochschule zurück.

An sich hielt Worble diese Plage, so wie die län.gere, nämlich seine Frau—wenn sie mündlich blitzteoder schneiete — so männlich aus, daß er gleichdem Zaunkönige gerade im schlechtesten Wetter amstärksten sang und sprang. Nur griff die Armuthihn stark an seiner zärtesten und empfindlichstenSeite an, ich meine seinen Gaumen. Er tranknämlich nach seiner Gewohnheit nichts lieber alsdas Beste — zu welchem Trinken er besonders dasEssen rechnete, weil dieses nach reinen Physivlo-gien (*) nichts als ein langsameres, dickeres underst auf der Zunge frisch von den Speicheldrüsenaus Speise-Malz gebrauetes Getränke sei — aberblos aus Armurth hatte er nichts, nämlich keinenTrank und Aaß. In diesen Umständen that er. wasmöglich war und schaffte sich von den kostbarstenWeinen, die es gab. sowohl bei Versteigerungen,als von Weinhänblern, die ächtesten Verzeichnisseoder Sortenzettel an und genoß dann in Körbenund Fudern manches köstliche Gewächse von Wei-tem, indem er die Zettel langsam durchlas, und alsLaie, wie bei einer katholischen Kelchberaubung,gerade daS Geistigste zu sich nahm, das ebenallein im Vorstellen sitzt. Im Essen war dasselbezu machen; er konnte sich gütlich thun durch Koch-bücher, welche er durchging, indem er beständigdachte: es bedeutet (ereds vt mnndueasti). Einsolches beschauliches (kontemplatives) Gaumlebensetzte ihn öfter in Stand, wie ein spanischer König,sich 100 Gerichte an Einem Mittage auftragen zulassen ja sich, wie Heliogabalus, Gastmähler zugeben, Millionen an Werth; denn Kochbücherachten kein Geld. Aber wie herrlich, und nochbesser als aus einer Hofküche, hätte der armeTeufel erst speisen können, wäre schon damals derLImnnne des svurmnnds zu haben gewesen! —Hätt' er darin nicht blos die Eier allein auf fünfhundert und drei und vierzig französische Kvchar-ten zubereitet erhalten: d I'ailsrnancks — n InIroans kemivs — d In eoinnatzre — nu körevoulllet — L In dösuite — »u vasilic — ?Ja, hätt' er nicht zum Ehrenmitglied der„gastronomischen Akademie" (d. h. des gelehr-ten Bauch- oder Magen-Vereins), welche 6rl-uaold 6s In Nsxnldr« hinter seinem Llmnnnonachgeschossen, aufsteigen können, um blos in einemBriefwechsel ohne allen Tellerwechsel feinste Ge-richte zu kosten, von welchen ich nur wenigstens denNamen zu wissen wünschte?

Verfasser dieses bekennt gerne, daß er in Parisbei diesem wahren Nutritor (Ernährer) einer Aka-demie, für deren Sekretär er sich nur ausgibt,zuerst speisen und seine Hand —früher als irgendeine weibliche, weicheste voll härtester Steine —

s*1 Die Ansicht Worble's ist ganz richtig; dennweder die Zunge kann das feste schmecken, noch derMagen es benutzen, ohne daß es in das Nasse aufgelösetworden.

ergreifen würde , und wär' es nur um zu ihm zusagen: „Schon lange, lieber M. Krimold ds Inkvgniäre, wollt' ich eine Hand drücken, die, ob-wohl eine linke C) (Sie sollten die rechte noch ha-ben), Essern trefflich vorschneidet, so wie vor-schreibt; ich fasse gern den Mann an, der das Jahr-hundert, nämlich das Pariser, aus der Sinnlich-keit zu heben sucht, indem er es aus dem tiefste»Sinne, dem des Gefühls tdem fünfsechstel Sinn)sanft zum höher» des Schmeckens steigert; wiekurz ist dann der Weg vom Munde zur Nase, undzu den Ohren und Augen, diesen geflügelten Die-nern der Geistigkeit! — ES ist nicht Ihre Schuld,,wenn nicht ans Ihrer Hand ein großes Volk her-vorgeht, welches dem Wallfisch gleicht, an welchemdie Zunge der köstlichste Theil ist, deren wegendaher die kriegerischen Schwertfische den ganzenWallfisch entleiben."

Da die Zunge Ausfuhr der Worte und Einfuhrder Bissen betreibt, nach der Bibel aber nur Aus-fuhr verunreinigt, und da der LImaonc des 6oun-mnnds gerade diese verbietet und unter demSchmecken Schweigen anbefiehlt: so möchte wohlmit der Zeit der gastronomische Sekretär kexnidreder Urheber oder Bildner eines reinern, höher»Menschenstammes werden, welcher schlechtereGüter als Tafelgüter verschmäht, und stets denklassischen Boden der — Schüsseln aufsucht undbeerbt.

Aber die Lesewelt reise endlich von Paris wiedernach Rom zurück, zum Kränzelherrn Worble.

Der hat nun nichts — ausgenommen Geschmackund Hunger — und lebt, aus Mangel an einemgastronomischen Sekretär, halb von den gutenStücken seiner Kücke, in welche er ganze Schweine,deren Schinken, pvmmersche Gänse, HamburgerRindfleisch — lauter treffliche, vom Maler Reno-vanz nach dem Leben gemalte Küchenstücke aufge-hangen, um sie, wie Madonnenbilder, anzuräu-chern und anzubeten, und mit platonischer Liebezu genießen. Ein Dutzend weißer Pfefferkörnerdie er täglich verschluckte, sollten seinen Straußen-magen, zu dessen Füllung ihm Metalle gebrachen,nicht nur noch mehr stärken zur Eßlust—weil dochHunger eine Art von Vorkvst ist — sondern dieKörner sollten auch als neue Farbenkörner durchden Appetit Renvvanzens Küchenstücke besondersheben, weil freilich dessen Braten nicht so gutgemalt waren, als Rafaels irdene Teller, dieman noch in Dresden verwahrt und ansieht. Sonahm denn Worble sogar körperliche Nahrung schonso geistig in Bildern zu sich, wie wir die geistigeAmbrosia (Freiheit, Vaterlandliebe, hohe Tugen-den) entweder in den herrlichen Federzeichnungender Alten (desseins d In plume), oder in großenAltarblättern, oder in guten Kupferstichen undSteindrücken wirklich besitzen und genießen.

-Wird nun wohl ein lgutherziger Leser den

Hunger des armen, in einer so schlechten Hautsteckenden lustigen Worble erwägen, ohne rechtherzlich zu wünschen, daß sein Freund Marggrafwo möglich den Stein der Weisen, oder sonst einEdelgestein erfinde, damit er doch dem guten alten

>.*) Am bellen sag ichs wohl in einer Note deutlich,daß er die rechte verloren.