Band 
IV.
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Nagethier am Hungertuche etwas zu essenschenken könne? Was der gute Apotheker nurj aus der Apotheke geben konnte, das gab er ihm,' — besonders wenn er in seinem älchemischen Vor-i Paradiese stand, wo der Fluß der Gvldsäuere inI den Goldpisvn und Paktslus zu fallen und ihn insParadies zu flößen versprach —; natürlich bestand! es nicht in Lebens-, sondern nur in Verdaumittel»

^ (Stoinnedaliu) und wenigem Aquavit. Und beides liebten einander überhaupt immer stärker, seitdem! der Thron, worauf stch Nikolaus ZU fetzen gedachte,! wie durch einen Erdfall mit allen Thronstufen ein-gesunken war bis auf ein schmales Spitzchen; Wor-! ble liebte ihn wärmer, weil er ihn so wenig be-' glücket und so bleich geworden sah; und Nikolausi hatte jenen noch zehnmal lieber, weil er ihn nichtbe-! glückenkonnte-wie erdvch an Henvchs Sterbebette^ so gewiß versprochen. Aber warum hatte er denScherzvogel so gar sehr lieb? Darum: Worblewar lein Schulfreund. Beide hatten mit einan-der von demselben Schulbakel Prügel, auf dersel-ben Schulbank Anfanggründe, von demselben Lehr-stuhle gelehrte Mittel- und Hintergründe, von dem-selben lsvotov Nagllitlkus das akademische Bür-gerrecht erhalten.

ES ist etwas Unverwüstliches in dieser Jugend -und Schulen-Freundschaft, zumal wenn keine! spätere Ortferne einen kalten Zwischenraum indas jugendliche Lauffeuer der verbundenen Em-pfindungen bringt. Oder könnt ihr denn verges-sen, wie man liebt, wenn man einander noch imMorgenröthe des Lebens, und vom Morgenlichte! der Wissenschaft beschienen steht — wo man nicht^ ängstlich Werth gegen Werth, nicht Aehnlichkei-ten gegen Unäbnlichkeiten, nicht deS Standes,! kaum des Talentes abwiegt, und wo man von! derselben Sonne des Wissens auf-eine gemein-^ schaftliche Bah» gezogen. Lernen ins Lieben ver-, wandelt, und in der Waffenbrüderschaft sich aufdem Feldzuge für die Wahrheit berauscht? Denni wenn sogar später in der Lebens-Kühle uns je-' der Mensch zum Unvergeßlichen wird, dem wiruns in irgendeiner ersten Erscheinung des Le-i bens verbunden — und sei es in einer erstenHeirath im Spätalter, sei es in unserm erstenl Feldzuge mit den Zeitgenossen — : wie vielmehr^ wird Herz dem Herzen einwachsen, wenn die Jde-ale der Kunst und der Wissenschaft und der Zu-. gend befruchten Der Jüngling ist dem Jünglingeähnlicher, als der Mann dem Manne, wie diej Knospe der Knospe ähnl-icher, als die Blüten ein-i ander. — Und so denke denn jeder bei diesemi Spiegelbild einer weit rückwärts gezogenen Zeitl an seine schon liegenden oder noch aufrecht stehen-den Jugendgenvssen!

! Daher hielt ras Band der Freundschaft zwi-! scheu Worble und Marggraf eben seines alten! Gespinnstes wegen recht fest und färbte stch nicht1 ab. Jeder war so recht für den andern gemachtlind ste schmeckten sich einander gut. War auf dereinen Seite Worble dadurch Marggrafs Mann,daß er gleichsam mit einem offenen Waarenlagerund Fruchtspeicher der besten Sachkenntnisse be-hangen einher ging, aus welchem jeder, der, wieder Apotheker, ei» Gelehrter sein, nicht scheinenwollte, nehmen und sich die Gehirnkammern fül-

len konnte: so war auf der andern Seite Marg-graf für Worble dadurch sehr schätzenswerth, daßer leicht in jenes Licht zu setzen war, das derFreimäuerer gern auf die Menschen warf, undwelches man in, gemeinen Leben das lächerlichenennt. Wie manche Svrgenstunde versüßte ihmMarggraf durch die komischen Seiten, die er ihmfast ohne Wissen zeigte, und die nachher den Frei-mäuerer, der sie zum Belachen verarbeitete, im-mer so fröhlich machten.

-Sollte man nicht denken, ich hätte den

Zufall selber ersonnen, daß gerade jetzo ein Poli-zeibedienter auf der Gasse klingelt, der dasWiederbringen eines weggekommenen Diamant-ringes gegen ansehnliche Erkenntlichkeit verlangt,gleichsam als woll' er im Schauspielhause diesesBuchs klingeln, damit der abgetretene Dia-mantheld wieder auf die Bühne komme? Dennim vierten Kapitel: »oder man hat viel, wennman begraben wird wie ein Fürst,» bring' ichwirklich den Apotheker wieder, obwohl ohne einanderes Grazial zu verlangen, als mein Bewußt-sein einer aufrichtigen Rückkehr von den bisheri-gen Ausschweifungen im dritten Kapitel.

Viertes Kapitel,

oder man hat viel, wenn man begraben wird wieein Fürst, desgleichen so getrauet wie einer.

Der Apotheker war, wie wir längst gelesen, aus !dem Klub nach Hause gelaufen. Er kam mit der jvon Worble geschmiedeten, berauschenden Krone !im Kopfe an, und schauete vor allen Dingen nach jdem chemischen Brutofen seiner Diamanten. SeinStößer Stoß ruhte vor dem faulen Heinze (*>,mit dem gegen das offene Ofenthürchen gebücktenKopfe zu schlafen scheinend. Als ihn Marggrafleise wecken wollte: fuhr er nicht auf oder um, son-dern guckte fort und rief: »Morblvu! das geht ja,wie es Gott nur haben will, morgen früh istentweder ein oder der andere charmante Dia-mant fix und fertig, oder ich will, so wahr ichlebe, gelogen haben.wie ein verfluchter Wind-sack. »

,, Lieber Defektuarius! » — versetzte der Apo-theker, und sah immer froher ins Blühen seiner

Kohle» hinein-'-ganz wohl! Und von dem

kleinsten Diamante glaub'ichs selber fest. Hab'ich Ihn denn nicht bisher» für einen der gescheit-testen Diener irgend eines Herrn gehalten?»

»Lieber wollt' ich auch ganz viehdumm sein,

H. Prinzipal, als kein ordentlicher gescheuterDiener, der die Sachen und Ofen seines H. Prin-zipals so gut besorgt und heizt, als er nur nachseiner wenigen Einfalt versteht, " sagte Stoß.

Die langen Freudenblicke, die der Apotheker inden Ofen als in eine Diamantengrnbe warf, waren

(*) Bekanntlich ein chemischer Ofen, dessen Form das,immerwährende Nachschüren entbehrlich macht.