538 Der Komet.
schon der Staar durch Fluche» und Schittipfe» an»Dichtkunst in Sprachkunst, uns den, Vogelfängein die Menschenprvse übergehe» muß — iv setzteStoß sich dadurch in das Ansehe» eines Stößersvon Welt, der sich auszudrucken weiß. Nur konnt'er mitten in seinem Sprachreichthum nicht dasVergreifen in den Flüchen und Schwüre» vermei-den, sonder» pflegte oft ckiulilo auszurufen, woMan ckiou nöthig war, oder ü mevvvills, wooder au volvuv, wo pluit-il erwartet wurde,was weniger auf Rechnung seines Herzensals seiner gänzlichen Gallizismen zu schreiben ist.Aber über Leu Mißbrauch von Oockckam ist erdoppelt entschuldigt und zwar Lurchs seine doppelteUnknttLe englischer und französischer Sprachezugleich. Er hatte diesen schönen englischenFluch wohl hundertmal von einem Pariser-Atheisten der Revoluzion gehört, und konnte ihnalso wohl nicht anders als für einen französische»nehmen.
Fünftes Kapitel,
worin am ersten Jahrmarkttagc Neuestes vorgehtmit Diamanten — mit Drachendoktoren und ih-ren untersuchten Apotheken — und mit Doktor-diplomen.
Am ersten,Markttage des sogenannten Frühling-marktes früh Morgens mußte nach Marggrafsbester Rechnung der erste fertige Diamant imchemischen Ofen erscheinen und scheinen, und zwarsolche neue Wunder darin thun, als mir noch nieunter den Alten vorgekommen; Lies alles weißjeder voraus, der die vorige» Kapitel nur imVorbeigehen geborgt und gelesen. Auf den Abenddes Diamantfundes hatt' er seine halbe Basen-und Vetterschaft zu einem großen »oupei- li» ein-geladen, um sich allen als frischen Kapitalisten zuzeigen. Das Geld zur Bewirthuug wollt' er heuteseinen drei Schwestern sogleich nach dem Verkaufedes Edelsteins reichlich in die Hand werfen. Vergeb,lich hatte seine Schwester Libelle vorgeschlagen, et-wa« den vierten oder fünften Markttag zu seinemGlanz- und Gasttage sich auszustechen, weil siehoffte, bis dahin sei ihm die Goldkocherei ver-salzen und dann ohnehin jedeandcre Kochmaschinezurückgestellt. Aber eine Art von Uebermuth, derordentlich durch das stärkere Setzen auf Eine Kartevorn Schicksale das Gewinnen erzwingen will,ließ ihn, wie früher den Wechselschreiber, so jetzoden ersten Markttag behalten.
Hier muß ich der Leser wegen, die sonst auf demRvmer Jahrmärkte gewesen und nur zwei Meß-tage kennen wollen, bemerken, daß sie Recht ha-ben, daß aber derLandhauxtmann dem Geiste undKörper der Zeit nach Vermögen folgte, durch Ver-mehrung der Markttage und durch Verminderungder Festtage. Wenn jetzo auf der einen SeiteApostel - und Marientage in den Sonntagen mit
ab- und weggefeiert werden — man will siescheint es, den wahre» Sonntagen gleich schä-tzen —; und wenn der dritte Festtag in den er-sten und zweiten hineinzieht »nd sich darin unge-sehen mit begeht — ob es gleich »och viel weilerzu treibe» und »ach dem Muster des Allerseelen-tags eben so gut ei» einziger Allersonutagetag sürLas ganze Jahr anzusetzen wäre—: so hält man sichwieder schadlos, daß man auf der andern Seitedie profanen Meß-Börsentage desto mehr aus-dehnt, und sie mit einem und dem andern Nach -und VorschabbeS verstärkt^ und durch Meßwo- >chen uns die stillen oder Charwoche» vergütet, an ^welche» ohnehin nur der Handelgeist der Zeit ge- >kreuzigt nud verrathe» wird.
Am frühen Morgen ging Marggraf la ngsam !die Treppe hinab zum chemischen Ofen und beteteunterwegs unter dem Frühgeläute und sah sich jüberall nach kleinen Wahrsagereien seines Glücks ^oder Unglücks um. Vor dem Ofen saß seit Nach-mitternacht der Stößer und reichte ihm die Tiegel- ^zange zum Herausheben des großen Werks und >sah hoffend genug aus. Der Edelstein wurde aus >seiner Kchlenmulter in einen Kühlofe» gebracht,und Apotheker und Stößer wartete» die Abküh-lung zum Prüfen ab. Endlich wurde er der Klin-genprobe unterworfen. Der Stein ließ sich so gutan, daß er fast alle Fehler zeigte, die ein ächterDiamant nur haben kan» ; er war unförmlichwie die sogenannten Käsesteine unter den Diamau-ten — er hatte viele gelbe Knoten und mehr alseine Ritze — er hatte Körner oder koints, dieLas Schleifen hindern — er hatte jene grauenmatten Stelle», die der Juwelier an Diamanten6on8ck'uvin68 nennt. Allein das weniger Ange-nehme bei dem Funde war, daß er von den Tu-genden eines Diamants keine vorzeige» wollte; —die Feile schnitt in ihn— er mit seinen Kanten schnittin nichts — in Vitriole! konnte man ihn zwar ko-chen, aber zu feinem größten Schade» — er warweder vom ersten, noch zweiten, noch drittenWasser — und als ihn Marggraf leicht mit de»,Hammer schlagen wollte, zerfuhr er gar in so vieleStücke, wie früher Polen, und gleich diesem undungleich dem ächten Diamant, in unähnlicheTheile (*).
Der Apotheker ..eß vor Ohnmacht den Stunden-hammer seines Unglücks sich auf die Fußzehen fal-len, welche gleichfalls in Ohnmacht lagen undnichts verspürten. Der Stößer Stoß, welcherbisher den Ankerproben des Edelsteins schweigendund blos mit einem langen aufzuckenden Farben-klavier auf dem Gesichte zugesehen hatte, fuhr beidem köstlichen Hammerschlage mit seine», Agitakel(eine hölzerne Keule zum Waste,mische») heftigin die Höhe (weil er sich verwundern wollte) undgefährlich bei den Schläfe» seines Herr» vorbeiund sagte: „so ist also unsere ganze Herrlichkeitein Hundedreck aus ullnim sveeeum !«
"Defektuar" — hob Nikolaus gelassen an —»wenn Er mich jetzo mit seiner Keule ermorden
(') Die Stücke, welche vom Diamant unter demBreniispiegcl abspringen, behalten völlig Figur, Eckflä-chcn und Spitzen des Ganzen bei. Krünitz, Enzvklvv.
B> Y. Diamant.