Band 
IV.
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Der Komet.

537

Demi mein erster Blick vvm Throne herunter wirdmich einem fürstlichen Brautbette geworfen. Frei-lich Ein Fürstenglück wird mir dabei abgehen,nämlich, daß ich, wie andere Kronprinzen, schonin meiner zarten Kindheit mit einer äußerst blut-jungen Prinzeß wäre verlobt gewesen. Indessen.Stößer, bleiben himmlische Prinzessinnen, die manerst in ihren zwölften, dreizehnten Jahren anzube-ten bekam, auch noch reizend, ja reizender, und lie-ben gern Geliebte. Solche können jetzo neunzehnJahre alt sei» und auf Reisen .... Stößer, bild'Er sich nur nicht aus Einfalt ein, daß Er michversteht" ... »Ich dachte, was mich hisse.» ant-wortete Stoß. — --Steck' er, fuhr Nikolaus fort,lieber alle Kissen auf einmal unter, ich will ganzaufrecht liegen. .... Ich muß etwas haben schil-dern wollen, Stoß ! — Ja, das Beilager gekrönterHäupter. Wir wollen nur etwas davon nehmen,da wirs in der heutigen Nacht doch nicht durch-bringen. Wahrlich, der Himmel sind zu viele un-ter einem Thronhimmel und.Betthimmel, wennman nur vvm überreichen Bilde au, daS der hohe,nie gesehene Bräutigam, mit zahllosen Diamantengestirnt, an die eben so hohe Braut ablaufen läßt,bis zum Vvr-Beilager desselben durch einen Ge-sandten zählt!"

,.Jch möchte ordentlich meinen eigenen Gesand-! ten und Bevollmächtigten selber vorstellen, und als; solcher (so foderks Ltinncltc hoher Häupter), mit^ Einen, Ar», und Einem Fuße im Harnisch, ganz, öffentlich bestiegen im Brautbette neben dem^ Schwerte, das mich von der andern ll>u>88unco,

^ von der hohen Braut, gehörig abtrennt, die neben! der Schneide desselben unbesorgt ruht. Wenn ichnun gleich darauf aus einem blasen Selber-klcni-p»t.o„ti!>iiu8 „sich auf einmal in den wahrenLntl-epi-vnvui- vom hohen Haupte selber umsetzteund als ractotuin oder ll?ac-8imilo aufträte,denk' Er sich die Sache und sei Ergänz still."

»Bin ich nicht still, und versteh' ich ein Wortvvm ganzen Handel?" fragte Stoß.

„Nachher kommen, das versteht Er gleich, kleineunschuldige Feste, welche hohe Häupter seit Jahr-hunderten einige Tage noch Beilagen, zu begehenpflegen, und worunter ich mich besonders auf diesogenannten Bauernhochzeiten und Wirthschaftenfreue.»

»Der hohe Bräutigam stellt einen rohe» Bauervor, und die so liebliche Prinzeß seine bäuerischeBraut, und jeder Hvfmqnn macht den nöthigenSandmann dazu. Da wird denn von hölzernenTellern gespeist und aus Schleifkannen getrunken,freilich lauter maskierte Delikatessen sinds. Hattenicht der dänische Hof sogar ein besonderes Dorfbei Kopenhagen liegen, Amack genannt, wo die kö-nigjiche» Herrschaften jedesmal NordholländischeBauern wurden und nach den elendesten polnischen> Böcken oder Dudelsäcken tanzten (*)?"

„Ilölass! nach dem Dudelsäcke kann jeder Menschl und jeder Bock springen, der auch keine Herrschafts ist. Was weiß Er von Fürsten, die sich herunter' lassen wollen? Ich treibe aber (— hier drehte der

(*) - Einleitung zur Oremoniel - (Wissenschaft dergroßen Herren ,c. von Julia Bernhard von Rohr, 1729,Seite 82S.

Apotheker die Beine vom Kanapee herab -) hoch-fürstliche Lustbarkeiten IN meinem Geist noch vielweiter, und statt der Bauern können Honorazioresgespielt werden, und desto mehr ergötzen. Wie,wenn das hohe Brautpaar z. B. statt der Bauern-wirthschaft eine Avothekerwirthschaft wählte?Neueres kenn' ich i» dem verbrauchten Fachenichts. Stell' Er sich vor, ich stellte als Fürst einenApotheker vor, die Fürstin meine Frau, und Er(denn Er bleibt bei mir) einen Stößer! — Gott!Stoß, wenn wir alle dergleichen würden!!» riefder Apotheker, und stellte entzückt sich auf dieFüße.

„koüilain l versetzte Stoß, jetzo sind wirs schonfreilich nur so im Ernste, aber wenn wirs ein-mal gar zum Spaße wären, O Vsntrc suint

gr>8!"

Da Marggraf einmal zu Fuße war, ging er zuBette und übergab sich luftigeren Träumen. Beidesahen den ersten Diamant schon darum am künfti-gen ersten Jahrmarkttage so gut als in ihren Hän-de», weil sie sich über den Verbrauch desselben so^ deutlich und freudig verständigt hatten. Ein gutes! Paar Geister! Jeder wechselnd der Gläubigerund! der Gläubige des andern. Der Apotheker steht^ als überreife Aehre da, auf welcher der Stößer alsein Samenkorn schon ausschlägt und keimt, ohneandere Wurzelerde zu haben, als eben die Aehreselber; oder, in einer mehr außereuropäischen Me-tapher, Marggraf senkte als Lianenbaum denStößer als einen Ast von sich in den Boden nie-der, damit dieser wieder daraus aufwüchse zu ihn,heran und wieder herab und hinauf. Jeder wardie Halbkugel des fremdem Himmels, und so

- klebte sich aus beiden ein ganzer zusammen.-

! Destvjbegieriger ist man auf die nächsten Kapitel,wo sich so viel für das ganze Buch, ja für das^ ganze Lesepublikum entscheiden muß.

Nachschrift.

Es wird vielleicht geschickter hier, als später,wo man vor lauter wichtigsten Ereignissen kaumzu sich und z» Wort kommt, von mir aufgeklart,warum der Stößer so sehr französisch flucht und! schwört. Da er nämlich ganz und gar kein Fran-! zöstsch verstand, und doch immer deutsche Leute! um sich sehen mußte, welche, ohne ein Wort mehr! davon zu verstehen, täglich Briefabschriften -! Besuch - und Abschiedblätter (Pool- laii-e v,8itc.et pouc preüüre congb cn pcrsonnv) —Viilet8clo Koncert — Hausthürüberschrifte» (:>u nobleMi llo Lillui'il) — und dergleichen in bester fra»°, zösischsr Sprache schrieben: so wollt' er ihnen auchnicht wie ein Narp nachbleiben, sonder» sich an-! greifen und die Schreiber überflügeln durch vielesfranzösische Sprechen. Er schnappte und picktedaher jeden französischen Fluch, Schwur UndSchimpf, welcher Deutschfranzosen von Staude,oder gemeinen Franzosen im Deutschsprechen ent-fuhr, sorgfältig auf, sammt der besten Aus-sprache, die er nur hörte, und hielt die Wöfftervorräthig für den täglichen Gebrauch. Die Wahlgerade der Schimpf - und Fluchwörter war gut;denn da nach einigen Philosophen, z. B. Herder,die ganze Sprache mit Ausrufen anfing und dieseüberhaupt am häufigsten einzuflechten sind — daher