Band 
IV.
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Der Komet,

wenn man bei Geld ist, an keinem Vormittageverdrüßlichere Gesichter geschnitten werden, alswenn auf ihnen Nachmittags ein Freudenfest auf-glänzen soll. Noch herber aber sind diese Vorhol-ten des Himmels — von welchen der Stadtadelbesser als ein Dante ein Lied singen könnte —wenn gar nicht einmal die Gelder zu haben sind,sondern man die Gläubiger und Juden früher bit-ten lassen muß, als die Gäste und Christen. Esist einem solchen betrübten Tage, wo Abendsdie Gäste in Galakleidern und Freuden erscheinen,nachdem den ganzen Tag vorher die Wirthe viel-leicht die ihrigen versetzt, und sonst alle Art Ge-burtschmerzen deS Festes ausgestanden, vielleichtein froher Anstrich nur durch den Einfall zu geben,daß eben so (wenigstens sonst) in Wien (*) Abendsder ganze Hof in Gala erscheinen mußte, wennam Tage der Kaiser oder die Kaiserin abzuführeneingenommen, oder zu erbrechen oder sonst zumedizinieren, weil der Hofdadurch seine Freudeüber die gute Wirkung äußern sollte.

Was sind aber alle kaiserlichen Brechmittel undMittelsalze gegen des Apothekers Wehen und diehysterischen Anfälle durch seine Scheitern? Zweitraten nämlich (aber viel zu spät am Tage) vorihn, versehen mit ihren Speisezetteln, und eröffne,ten ihm: Geräuchertes. Gesalzenes, Gesäuerteshätten sie („ach Vermögen zusammen gescharrt:jetzo fehl' es nur noch an frischen Sachen, dieman zu essen und zu trinken brauche; daer nun heute Geld zu bekommen und herzuge-ben versprochen, so sei es hohe Zeit, alles Nöthigeauf dem Markte einzukaufen, und hier seien dieZettel des Nöthigsten; — — auf welchen auch al-les treulich stand, was für den 8oui>m> - tii,-Abend lebendig zu erhandeln, abzurupfen und ab.zuschuppen, zu schinden und zu schaben, zu sengenund zu brennen war. ...... Himmel! aus wie

vielen Marterstunden der Thiere glühen und lö-then die Menschen eine einzige Festminute derZunge zusammen!. ...

Jetzo trat Libette, die dritte Schwester, ein,und Nikolaus sagte: "Allertheuerste, siehts wirk-lich mit dem Abendessen so gut aus, wie deine gu-ten Schwestern mir versichern wollen?" — „Ichweiß nicht, sagte Libette, was sie versichert ha.den." — Aber Nikolaus ließ sich auf nichts ein,als auf seinen Jammer, oder auf den Leidenkelch,oder die Zornschale, die er heute unverfälschtund von Wasser ungeschwächt ausleeren wollte.Der Mann war diesen Vormittag von vier Uhran gehetzt und geheizt von, faulen Heinz — vomDrachendoktor—vom Schwesternpaar und vom eig-! nen Ich; fund doch durfte er als frommer Alche-mist. zumal neben dem noch im Brütofen liegen-den zweiten Diamanten, nicht auffahren , aufpras-seln, oder außer sich kommen vor Ingrimm, son-dern er mußte gefaßt auftreten; und dies that ersogleich. Er trank einen ganzen Schoppen Luft ausund reichte den Schwestern den leeren Seidenbeu-tel mit Perlen verziert, und sagte; „Könnt ihrvielleicht den Perlenbeutel versetzen und auf dasFaustpfand ein paar Groschen auftreiben : so rich-

tet nur das Gastmal aus; Geld selber aber führ' !ich heute nicht bei mir." !

Zwei Schwestern — denn Libette schieg — setz- >ten aus Bosheit dazu, sie hätten sich auf seineheutige Einnahme aus dem Ofen ganz verlassen(wiewohl in Wahrheit keine nur je daran ge-glaubt), weil er sie noch gestern darauf vertröstet.„Du milder, schwesterlicher Dreizack," erwiederteer, ich habe diesen Morgen den medizinische»Doktorhut aufgesetzt und ich möchte gern denheutigen Ehrentag einigermaßen vergnügt verbrin-gen ohne Nahrungsvrgen für eine Eß-, wennnicht Freßgesellschaft von zwölf Mann, ohne dieKinder. Und dies heule um so lieber; dennmorgen werd' ich ohnehin in Wechselgeschäften ^ins Stadtgefängniß abgeführt und sitze dort fest. iWär' es denn nicht zu mache», ihr Lieben, daßman die ganze Mannschaft abbestellte und einlüdeetwa auf bessere Zeiten? — Ach, sinnt nach !"

Hier fuhren die drei Spitzen des Dreizackesauf und beeidigten zusammen, dies sei Unmöglich-keit und überhaupt keine Manier, arme Familien-schlucker deshalb weit,hergelaufen — und wo wä-ren die vornehmen jetzo auf dem Markte aufzu-finden — und der Hnndedoktvr und die dreiKränzelherren, und alles von Stand und die ei-gene Familienehre fänden sich beleidigt und eswäre ohnehin unmöglich.-

»-Wenn dies so ist, wie ich selber glaube" —sagte Marggraf am allergelassensten — „so erschei-ne» demnach Abends sämmtliche zwölf geladeneApostel und dabei die übrigen sammt Kindernund der einzige Vetter Hofpauker ißt allein fürzwölf, und der Kutscher ist der Zentaur mit zweiMägen für Speis und Trank, und mein Freund,der Hundedvktor, will seinen Wein. Wein aber,glaub' ich, ihr lieben drei Höllenrichterinnen, ha-ben wir wohl nicht im Hause — und heute wollt'ich erst ächten Ausbruch zapfen lassen.was aber nichtgegangen — und daran würd' es sogar gebrechen,so wie auch an Mandeln, wenn Ihr Euch auch nurmit dreißig oder vierzig Katzendrecken und Non-nenfürzchen (*) zeigen wolltet. Blos Katzen undNonnen ohne Wein und ohne Mandeln wollt'ich leichter auftreiben. Sonst übrigens leg' ichund Ihr, meine gute Dreifelderwirthschaft,mit demEssen Ehre genug ein. Die Gäste müssen mit ih-ren Tischen ein artiges Hufeisen vorstellen. Dieblutverwandten Mägen, die um» Hufeisen Hersi-tzen, legen wir gewissermaßen in Essig, in Salzund Rauch, wir legen nämlich in sie blos Gesäuer-tes, Gepökeltes, Geräuchertes — Vieh habenwir zwar nicht frisch, doch hat der Stößer untenim Keller Krebse mit Käse gemästet, ja der guteMensch kann noch im Stadtweiher nach Frosch-keulen zu einer kotngs krebsen. — Zu Prü-gelkuchen (**) und Serviettenklösen haben wir

(') Zwei Backwerke; die ersten sind Rosinen n»dMandeln an einen Faden gereiht, in Schmalz geba-cken, gezuckert und siiß übergössen — die zweite»sind Apfetschnitte in einen Brei von Mehl, Milch,Käse. und Eier und Franzweiu getaucht, in Buttergebacken und mit Zucker bestreut. Fraucnzimmerleri-kon. B. i.

l Der Baum- und Prügclkuchcn wird an einem bc-

(') Masers deutsches Hofrecht, B. a. S, aaa.