lassen ist — und von seiner Insel selber einen klei-nen Atlas aufzublättern? Konnt' ihm von vornenetwas lieber und angenehmer sein? Dies war dasZiehen des einen Pols. Aber von der ander» Seitezog der andere hinten am Berglsder eben so starkzur Einsamkeit voll Aetherschlöffer. Konnt' ernicht auf dem Bergleder einfahren in den stillen! Schacht und darin das Glänzen der unterir-I dischen Schätze anschauen? Konnt' er nämlich! nicht sich auf sein Lokttrbett legen, »nd seinen! unabsehlichen Himmel sich recht austräumen (er! lag so ungehindert da), und mit Phantasie-Füßenvon einem Weinberggipfel und Tabvr zum andernals Gemse springen, und sicherlaben an den unend-lichen Aussichten unter ihm umher r
Ueberlegte er freilich einige Minuten diesesAusträumen genauer und dachte sich vorläufighinein; so sah er schon unten in der Stube vor-^ auS, er werde droben sich wieder herab unter dieZuhörer sehnen, damit sie ihm an seinem schweren^ Freudenhimmel durch Aushören seiner Schilde-> rungen tragen hälfen. Nur entzündete dann —
! dies sah er wieder aus diesem Voraussehe» vor-aus — ein solches Schildern wieder auf der an--l dern Seite den Trieb nach dem Tramnbette so! sehr, daß der Apotheker vor Zweifel nirgend! zu bleiben wußte, wenn es nicht etwa da war,
! wo er bisher aus Höflichkeit gewesen. Alsoblieb er, wo er war
An Entzückungen sich freuen, heißt an den um-hergerückten Brennpunkten eines Brennsvisgelssick erwärmen. Der Mensch kann keine Freudeganz bekommen; sowie der Maler kein Mei-sterstück in der Dresdner Gallerie ganz kopierendarf, sondern der letzten stets ein Glied zu-rücklassen muß, z. B. (wie ein politischerSchriftsteller) vom Midas die Ohren.
Das Gastmahl wird endlich aufgetragen. Eswar nach allen Nachrichten , die ich darüber ein-ziehen können, eines der besten, die je in der Ge-schichte geglänzt und gedampft; und der Paukerund der Kutscher und alle Kinder wurden satt.
Marggraf konnte gar nicht fassen, wie Libcttebei so wenigem Geld und Kredit der Apotheke sounerwartete Mundvorräthe beischaffen können,sondern übersah ganz und gar, daß sie mehre Ver-lorne Sohus-Braten erst eine Stunde nach derDiamant-Entdeckung zubereitet gekauft, weil sie! den bunten Basen zeigen wollte, man sei vonjeher nicht arm gewesen.
Noch nie im Leben hatte sich Wvrble so frohgegessen — wie getrunken — als hier bei demApotheker, der sonst so wenig ein Haus machenkonnte, als eine Schnecke, die nur ihres macht.Er wußte, der faule Heinze erstatte und verbürgealles. Auch zweitens war er unter allen am! frohsten über den Frohen. Die innige Freudej am großen Glücke eines Freundes spricht höheres Liebe aus, als dieselbe Theilnahme an reffeni Unglück.
^ Es thut mir nur leid, daß der Zuchthauspredi-1 ger — der nicht nur der größte Philosoph in^ Rom war, sondern auch der einzige—so wie Reno-! vanz sowohl der größte, als einzige Maler allda —sich nicht betrank. Aber dazu brachte ihn nichtdas beste Weinglas in der Welt. Seine Angst
war zu groß, er werde alsdann zu aufgeweckt und !kapp' ab, zapf' an, senstr' aus, kurz, nehm' es >mit irgend einem Mann, ders nachträgt, oder !gar einem Millionär, wie der heutige Aporheker, ^auf. Niemand fürchtete seinen Witz so sehr, als !er selber, da er wußte, daß in ganz Rom !niemand so viele witzige Einfälle wie er — gelesen.Seine Angst halt' ich aber mehr für Hypochon-drie. Ich habe mehre treffliche Männer gekannt,welche das ganze Jahr mitten unter den witzig-sten, beißendsten Werken und Menschen zubrachten,so auch hohe diplomatische Männer, welche dieganze französische Literatur auswendig konnten,ohne daß im Geringsten ihr deutscher Styl kürzeroder ihre eignen Einfälle gesalzen wurden, odersonst nach Witz schmeckten; so vermag auch derSeefisch, z. B. der Häring, obwohl im salzigenSzean geboren u»dgenährt,das Salz so gut znzer-setzen.daß sein Fleisch süßlich bleibt und er erst todtaußer dem Wasser wieder in Salz gelegt werdenniuß, um schmackhaft zu werden—was gewisserma-ßen bildlich auch »nt gedachten Männern in Sati-ren geschehen kann. Er hatte sich zu seiner Amt-würde den Kops nach oben weit nach dem Himmelzurückgeschnallt und wollte erhaben genug und ehr-würdig aussehen, eine so lästige Kopfhaltung wiedie, womit man im Vatikan Rafaels Logen odersonst Deckenstücke genießen muß.
Der Stallmaler trank, so viel er wollte, weiler sich nur leer, nicht voll trinke» konnte oder be-geistert; seine größte Tischfreude war der entzückteGeberden reißende Stoß, der immer noch in diePhysiognomie hinein gerieth, worin er ihn so gernmalen wollte.
Unter dem Essen erwartete man das Wichtigste,nämlich eine ausführliche Schöpfunggeschichte desDiamanten, und einige einfältigere Blutfreundedes Apothekers, die sowohl in, als außer sich arm !waren, gestanden gern. Laß sie die Sache nur Lai- >um recht erzählt zu hören wünschten, damit sie sich §selber solche Steine machen könnten.
Eigenllich sind wir alle, ich und die Leser, im !Grunde dieselben Blutfreunde und möchten herz-lich gern die Wege einer solchen edlen Nersteine- ;rung zu unserm eignen Besten erfahre» und er-lauschen, besonders ich.
Fleiß und Mühe der Nachfragen hab' ich dahermehr, als ich sagen will, darauf verwandt, umMarggrafs kleinstes Wörkchen aus seiner Tischredeüber die präerisiierenden Keime, Samenlhierchen,Muttertrvmpeten, Geburtstühle und Geburtzangedes glänzendsten Sohns des Jahrhunderts — sonenn' ich mit Recht den Diamanten — für michaufzutreiben und andern redlich darzureichen.Aber noch wollte mir kein einziges Sternchen ge-lingen; und ob der Leser glücklicher eines zusam-menbringt, erwart' ich sehr gespannt nach derHerausgabe dieses komischen Werks.
Marggraf hob' denn an: »Wie !er schon vonKindes Beinen an alle Wissenschaften geliebt undziemlich getrieben, sogar Regier- und Hofwissen-schaft. Herr Worble sitze da und könne bezeugen,daß er in Leipzig fast alle Professoren gehört, vomburschikosen oder burleske» lir. Burscher an, bishinauf zum philosophischen Arzte Platner.» jUnd um Gottes willen, rief er aus, warum soll ,