Band 
IV.
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Der Komet.

denn der Mensch nicht alles werden können, wenner Zeit und Mittel hat, oder doch es wollen? —Natürlich «der behielten die meinen Verhältnissenzunächst liegenden Wissenschaften immer einen ge-wisse» Vorrang; und darunter gehörte, HerrKollege (er meinte den Hundedoktor), zuerst dieHeilkunde. Daher nahm ich in Erfurt zuerst denDoktorhut an."

"Ich war dabei, fiel Worble ein, als er ihn auf-setzte, und heute hat er ihn endlich auf mein langesBitren aus dem Hutfutteral herausgeholt."

Ein anderer, als Marggraf, hatte vor demeigentlichen Großwürdeträger oder HutträgerWorble kaum der Sache erwähnt: aber seitdemer sich selber aus einer dunkeln Kohle zu einemglänzenden Edelstein hinauf gebrannt, war ihmder Doktorhut nicht viel mehr als eine ScheibeEhrenfilz, ja nur Haasenhaar und Scköpsenhaar;— gleichwohl wollt' er nicht einmal hier Haarelassen.

"Jetzo aber, Herr Kollege» — sagte der runde,frohe Hundedoklvr, ein Wohllebe - Mensch, der injedes GlaS, z. B. in ein Einmachglas oder in einDeckelglas, tiefer und lieber guckte, als in einArzeneiglas oder Blutprvbeglas — »werden Sie,da Sie Diamanten haben, uns armen Stadtärztendoch nicht die Kundschaft verderben."

Hier hielt Worble, ehe Nikolaus nur antwor-tete, ihm eine Düle voll Gedächtnißkügelchen auf-s gemacht vor und bat ihn, einige davon zu ver-! schlucke», wie er selber häufig ganze Dutzend kurz> vor dem Examen zerkäuet, um gut darin zu be-! stehen; »großes Glück, fuhr er fort, zerlöchert dasGedächtniß so arg als großes Unglück; Pfeffer-münzscheibchen stärken nun dasselbe unglaublich,und Du behältst künftig leicht, wie wir alle umDich her uns schreiben, ich mich nämlich Worble,H. Zuchthausprediger sich Süplitz, H. Hofstallma-! ler sich Renovanz, Du Dich H. Marggraf, und so! jeder sich anderS."

l Nikolaus hatte kaum drei Gedächtnißkügelchen! verschluckt: so sagte er, eben erinnere er sich, daß^ er erst in Erfurt statt seiner habe den Freimauererexaminieren lassen, und daß er erst von ihm denDoktorhut angenommen. Kurz, er erzählte zuWorble's und des Hundedoktvrs Erstauen den gan-zen Hutwechsel mit der offenherzigen Wahrhaftig-keit, wie ste nur der Dank für einen solchen Glück-tag und das Bewußtsein eines Diamantthrvnesverfangen und erleichtern konnten. Süptitz aberstaunte. — Und nun gestand er freimüthig, daß erblos darum den Doktortitel angenommen, damiter ohne Hinderniß und Einwand alle seine Kurenmit der Goldtinklur machen konnte, die er früherzu erfinden vorhalte. „Aber ich gestehe gern, daßich die hohe Kunst, ächtes Gold scheidekünstlerischzu machen, gegen die viel Höhere des Diamant-machens aus guten Gründen — möcht' ich auch! darin vorgerückt sei», wie wenig andere — bald! fahren ließ. Ich konnte mir nicht verbergen, daß! Gold wirklich wenig einträgt, gehalten gegen ein! nur mäßiges Diamantmachen, und eine Oiaman-ten-Haselnuß hier wiegt Goldstangen dort auf.«chon als Deutscher ist jeder verpflichtet, lieberDiamanten als Gold zu machen; ja sogar als Eu- jropäer. Unser europäisches Gold ist so gut als das

amerikanische; aber wie elend stecken die abend- !ländlichen Diamanten in Schlesien, Ungar», Böh- imen gegen die südamerikanifchen ab! Europa, sagt' !ich zu mir, muß zeigen, was man machen kann! ^Weiter wollt' ich aber nichts."

"Wenn ich schon als Kino bei einem Thautrv-pfen an den Diamanten dachte und beide einanderin Glanz, in erstem, zweitem, drittem Wasser ähn<lich fand, nur daß der Tropfe rund ist und weich: >so konnte dies noch nichts Erhebliches geben. !Aber da ich in Newton las, welche auffallendeBrechkraft des Lichts im Diamanten erscheine : soschloß ich auf der Stelle mit ihm auf Wasser-stoff (sar dffckrogöne j, aber freilich auf un-endlich »erdichteteren. Raub' ihn, sagt'ich zu mir,den Metallen: so zerfallen sie in mürben Kalk;verleib' ihnen solchen wieder ein: siehe, sie glänzenund starren. Nun stieß ich auf einen andern aus-gezeichneten Körper—denn ich arbeitete täglich da-mit — welcher bei dem Verbrennen gerade so vielkohlensaures Gas als der Diamant gibt; und werist dieser andere Körper? Die Kohle. Desto mehrkommt es bann noch auf den Fund eines drittenKörpers an, welcher das Oxygen, das von derKohle bisher am stärksten angezogen wurde, nochstärker anzieht und es von dieser abtrennt: so hatman statt der Kohle seinen Diamanten in derHand. Ich kann daher nicht aussprechen, wiewichtig dieser dritte Körper im ganzen Prozesseist.-- —

Jetzo paßte das ganze Eßgelag sehnsüchtig aufden dritten Körper auf, und der kahlköpfigeGoldarbeiter bestand aus lauter Gehörknöchel-chen. —

"Diesen aber, fuhr Nikolaus fort, werd' ichauf keine Weise nennen, zumal da ich ihn nichteinmal recht anzugeben weiß. Schon der trockneWeg, aber noch mehr der nasse, auf welchemman zur Baute eines Diamanten gelangt, ist sogebogen, so zickzackig, daß ich nicht meinem bestenFreunde als Wegweiser dienen möchte. Nebenmeinem faulen Heinze steht der kleine babyloni-sche Thurm, der meine Feuer- und Wolkensäuleund mein Leuchtthurm ist, Ler wahre lorre <IsIMlopoto des Aetna; aber ob ich gleich bishernur Kupfergeld daran wenden konnte, so hat ermir doch schon Prinz Metall geliefert. Ichmerke selber, daß ich nicht deutlich werde (*); aberdies kann auch meine Absicht nicht sein. Die ver-wickelten Nebenwege bei der Sache sind so wenigzu zählen, daß man auf den Gedanken verfallenkönnte, ein höherer Genius, wovon wir gar kei-nen Begriff haben, fließe durchsichtig mit ein.Wer weiß inzwischen das Gegentheil so entschie-den ? — Wenn vollends tausend unbemerkte

(*) Er meint offenbar mit dem Thurm die »oltaifcheSäule, welche auch Dann in England, nur wenigerglücklich, zum Verwandeln der Kohlen in Diamantenangewandt. Zur Bestätigung führ' ich noch an, daß eroben oon Kupfergeld spricht; aber aus Kupfcrstückenbestehen ja in Ermangelung des Silbers und aus Zinkdie galvanischen Schichten; und das Prinzmctall wirdbekanntlich aus Kupfer und Zink (nebst wenigem Zinn)verfertigt; dabei übersetz' ich indeß nicht, 'daß er verstecktgenug die gewonnenen Diamanten für Metall zu seinemPrinzwerdcn erklärt.