Band 
IV.
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Der Komet

deß dem liebenden Herzen einer Fürstin gut zu-schlagen, wenn sie, nn, dasselbe auf der Stelle z»befriedigen, ohne von ihren Kamiiierherren zuborgen — denn ihre Hofdamen habe» auch keinenHeller- etwa eins 'inlintic-ao voll Goldstaub.oder eine» Rosenkranz von Samenperlen bei sichführte, damit sie einem zerlumpten Bettler mitdurchlöcherten Taschen, der um eine Gabe winselt,eine kleine Prise oder kleine Perle gebenkönnte.

Jetzo wurde zur Tafel des Frühstücks gegangen,oder vielmehr zu den Tafeln; die platte Erde,ein Paar Schenkel, ein breiter Stein, ein Kutsch-kästen, ei» Teller, ein Handteller, alles warTafel, nicht blos der Hangtisch LeS Zollhauslers.Denn an diesen und auf den Stuhl daneben setztesich der Fürst vor den ersten Schinken und erstenWein, der je auf diese Tafel gekommen, und ludfreundlich den Kandidaten ein, sich ebenfalls anden Tisch zu stellen, ohne alle Umstände; denner sei eben froh, sagte der Fürstapotheker, baß erunterwegs von allen lästigen Kette» seines Stan-des ganz entbunden sei. Die andern Gelehrtenaber, Worolo und Süptitz, und der Stallmalermußte» am Pfeife, tische, nämlich auf der Ofen-bank, sitzen, mit ihre» blosen Handtellern in derHand. Ick schreibe diese Auszeichnung des Kan-didaten hauptsächlich der »»geheuchelten warmenEinfalt zu, in welcher er an, marggrafischen Zür-stenhut alle» Filz für ächtes böhmisches Haasen-haar und für gut gebeizt und gewalkt ansah, sodaß er unter allen künftigen Lanöeskindern desApothekers eigentlich das erste Kind war, das ihmmit Ueberzeugung huldigte; denn die am Pfeifer-tisch seßhaften Gelehrten hatten (wenigstens bisvor Kurzem) den Fürsten selber als eines gekannt,und waren hierin überhaupt unzuverlässig undnicht ohne Umtriebe. Daher hatte ihm daS außer-! ordentlich gefallen, was Richter vor einigen Mi-nuten, sympathetisch die Süßigkeit deS Woblthnnsin fremdem Herzen nachschmeckend, ganz berauschtausgerufen: »o, eS gibt für einen Fürsten keinesiehrreichere-gvnnckt: tonn als die durch die Hütte»der Armuth Ein Großherr weiß nicht einmalwo eine» Kleinherrn, z. B. die Landrichter, der-Schuh drückt, wenn er nicht selber der Schuh ist,geschweige einen Unterthanen, wo es der Land-richter thut. Um den Mangel recht zu lindern, mußanal, ihn ordentlich selber nachempfinden." — WasMarggraf gern bejahrte, der genug davon in derApotheke voremvfunden, wo oft nichts zu beißenwar als Fieberrinde, oder zu kochen als Klystier-kräuter.

Der ZollhäuSler war nach dem Kandidaten diezweite Mächt, welche unbedingt den Apothekerals Fürsten anerkannte, aber freilich unter derGewährleistung des Doppelsouverain leichter deneinfachen Souverain als legitim annehmen konnte.Seine Svldateufreude über die Fürstenehre seinesHangtijche'S und über den Abhub der herrschaft-liche» Ueverbleibsel, und sein Jammer über diegänzliche Unwissenheit seiner Frau in dieser Sache,übergössen den Fürsten mit solcher Lust, daß ersogleich dem RezeptuariuS, dem Inhaber derDreckapotheke, nach der Zoll-Statt zu reiten be-fahl, um der Zollei,inehmerin die frohe Nachricht,

ja daS Goldstück selber, zu überbringen. Letztesjedoch war dem Einnehmer nicht abzubringen, under suchte sein Mißtraue» gegen sein.- Frau undden Boten in die verliebteste Anhänglichkeit anden Doppelsouverain zu verlarven. Nichts be-stach den wohlmeinenden Nikolaus mehr als dasDastehen eines unsäglichen in sich vergnügtenWesens; und die blose Abschickung des CilbvtenSführte schon in seinen Kopf die Einnehmern, her-ein, wie sie die Hände zusammenschlug und dieAugen überschwemmte, vor bloser klarer Freude;und die lebhafte Frau konnt'er in seine» Gehnm-kamnier» mitführe» bis ins Nachtquartier, woihm der Schnellrsiter nachkommen mußte, undalles frisch und breit vormale»; denn eigentlichblos dieser Vormalerei wegen halt' er ihn abrei-ten lassen.

"Wir bekommen höchst wahrscheinlich, HerrEinnehmer, — sagte Nikolaus in seinem Frohsinn— heute einen herrliche» Tag, und überhaupteine» schönen Frühling znr Reise; versieh' ichmich anders aufs Wetter etwas.»

Der ZollhäuSler unlerschiieb schreiend die Weis-sagung, und unterstützte sie mit den unleidlichenSchmerze» seiner alten Schußwunde in, Knorren,und der Wetterkandidat Richter versicherte, dasselbehab'er schon am Morgen gesagt, uns Herr Neise-marschall erinnere sichS »och. Etwas Unerwarteterhob sich hier der Hof- oder ZnchlhausprecigerFrohauf Süptitz a» seinem Pfeiferlische, (Pfeifer-bänkäien eigentlich) »nd widersprach allen,, ohne,jene geistigen kai-kuins von Schmeichelgerüchen,womit man sich sonst dem ander» an Höfen an-nähert ober entzieht, indem er mit wahrem Un-willen über daS deutsche Wetter anfing: »von,deutsche» Mai wolle er ohnehin nicht reden; die-ser Wonnemonat habe ant Recht bei den Katho-liken den JeremiaS an der Spitze, dessen Fest sieda an den, ersten begehen ; aber auch nur eine» eini-germaßen auShaltbareu Frühling hab' er nie er-blicken können, weder am Himmel noch auf den,Erdboden — sei eS oben etwas hell, so sei es un-ten kalt oder windig, gewöhnlich aber sei Naß undKoth die Regel. — Erschienen einige Blüten, dievon weitem an einen Lenz erinnern möchten, soerfrören sie entweder, oder unter Regengüssenblühe der weißrothe Garten voll Koth ab — undin den Nächten faste ohnehin einiger Reif oderWonne,nonatfrost Ein trefflicher inländischerLenz sei etwas, daS man noch erwarte, und einpirini ckosickei-ium Deutschlands. »Ach was!(stieg er begeistert höher) o! nur einen einzigenklassischen Preistag hienieden, der, zn gewöhnlichen24 - Stunden gerechnet, weder Morgens, nochAbsndS zu kühl, „och Mittags zn schwül, odervhue störendes Gewölkeoder Gcwehe wäre! Aberwo ist er, frag' ich schon so lang als ich lebe undreflektiere. Ueber den Grund dieser und ähnli-cher Mühseligkeiten hab' ich allerdings mein eige-nes neues System.»

Hierauf versetzte der Kandidat mit einigem vo»Wein angesprühten vergrößerte» Feuer, aber je-doch ohne nur von Weitem gegen die Würde ei-nes HofpredigerS zu verstoßen: »Vielleicht gibteS auf der andern Seite gar keinen ganz elendenTag, sondern höchstens einen, der nach einem zo