Band 
IV.
JPEG-Download
 

582

Der Komet.

stadt schon nicht geht. In letzter ist er nur einWochentag, weil er da seine Wochen hält; nndnirgend als i» einen» Landstädtchen ein Sonntag,das seine» ganzen Namen mit Sonntagbuchstabenschreibt.

Was braucht es der Worte? Genug, zu EhrendeS Herrn und der Geistkirche betrank sich unserganzes Rom; darauf aber that dasselbe, wiederzu Ehren Roms und des neuen Kirchenbaues, derHerr selber, anfänglich mit Maß, später ohnedas Maß. Wer kennt dergleichen besser, als ich,H. Kandidat, wenn ich mit jemand trinke? Zu-letzt konnt' es niiser Hohengeijer Landesvater denl Leichensteine» in Münster, welche aus Platzman-gel aufrecht stehen, nicht mehr so gleich thun,als unseren hiesigen, die liegen, und endlichdroht' er selber unter einen zu gerathen, wennihn nicht der Hebel einer Klystierspritze wiederhob.

i Es wurden Eilboten an den Schloßapotheker! abgefertigt; aber der war selber in dem Zustande,

! wo man mehr eine Spritze brauchen, als gebrau-! chcn kann, und vermochte nicht zu erscheinen.

I Es trug dieses sein Unglück, die Hinterthüre zu! El-re und Geld umsonst offen gesehen zu haben,viel dazu bei, daß der Mann vor Gram länger aufdem Lager geblieben, als nach bloßem Trinken ge-schehen wäre.

Zeh» wurde zum zweiten Apotheker gesandt,was damalen Seine Durchlaucht waren. Nunhätte man von einem Manne, wie der Fürst,welcher, nie jbei Hofe gewesen, so plötzlich dahingezogen wird, mit einer Spritze, als dem Halblei-ter zu einem gekrönten Haupte, oder als demNothruder zum Staats-Steue, rüder, befürchtensollen, er werde den Kopf verlieren, theils vorZagen, theils vor Jubeln, einen regierendenHerrn gerade von derjenigen Seite zu sehen,womit er sich auf dem Throne erhält — gleichsamdas Untere der Karte» und der Kartenkönige; —auch waren zwei Töchter des alten Apothekers, beidem er erzogen wurde, über den gvldnen Bodendes Handwerks bei des Landesherrn bekannterFreigebigkeit schon voraus außer sich; — und aufden Schlvßaxotheker, über welchen unser Fürstwegschritt, werd' er, hätte man denken sollen, vor-aus herunter sehen.....

-Durchlaucht dachten höher. »Meine Unterzie»strümpfe und Seidenstrümpfe--, sagten Sie kalt zuden Leuten.

Darauf zog der Fürst die feinen Usberziehstrüm-pfe über die leinwandnen Unterziehstrümpfe mitsolcher ruhigen Geschicklichkeit an, daß er — wasso schwer, wie jeder weiß, der sich vor einem Tanzezur Fuß-Toilette niederkrempt — die Strümpf-Paare ohne Zerdrehen, Verdrehen und Fälteln soglatt wie ein Knochenhäutchen anbekam und an»hatte, kurz mit einer seinem sonstigen Hasten sounähnlichen Ruhe, als ob es für ihn gar keineKronsitztheile sammt deren Spritzen in der Weltgäbe, seine eignen ausgenommen; — ein schö-ner seltner Kaltsinn gegen eine Hofauszeichnung,welche freilich jetzo, da er selber Fürst ist, uns nurals eine geringe erscheinen muß, wo nicht gar lä-cherlich.

Nun verfügten Durchlaucht sich mit Spritze und

Blaie sammt Kräutern an den Hof, und durch-schritten die Säle voll scharfsichtigen Hofgesindetsso unbefangen, als gehörten sie selber darunter. —Und dies that im Vorgefühl fürstlichen Blutes einFürst, welcher in der ganzen Apotheke, auf BefehldeS wahrscheinlich vom Fürstvater selber befehlig-ten Pflegvaters Marggraf nie als gnädigsterHerr oder Durchlaucht angeredet wurde, sowie Augustus auf eignen Befehl (freilich ausander» Gründen) nie, sogar nicht von seinen En-keln , Herr oder vominus durfte geheißen wer-den.

DaS Uebrige versteht sich nun von selber, näm-lich die gleichgültige Art, womit er an dem ihnscheinbar regierenden LandeS-Herrn das Menschen-Erdgelchvß, für einen Nikolaus kein Noble-Parterre, oder die tragende Erdkugel des den poli-tischen Thronhimmel tragenden Atlas, behandelteund ansah, nämlich blos von der Seite der Kunst,ohne knechtischen Pvbelrespekt. — War es nicht,als ob er mehr klystiert würde, als selber llystiere,oder als ob er—wenn Friedrich der Einzige nebenden Kommandostab eine Quanzische Flöte legenhieß — umgekehrt neben der Spritze einen Zepterliegen hätte, der freilich auch oft öffnet und ab-führt? —

So stand denn unbewußt — an sich eigentlicherhaben, wie Don Quixote neben Cartenio —ein Fürst dem ander» als Verbündeter aupiliarbei. — Das andere geht mich nichts an, und somitGott befohlen und gute Nacht. !-

Aber hier barst Worble in ei» Lachen auseinan-der, das er so lange zusammengehalten, und ranntedavon.

Als einen Nebenumstand bemerk' ich noch, daßdie Hauptgeschichte blos erlogen war. Bis znmBetrinken des einen Fürsten, und bis z» dem Hof-und Klystierrufen des andern inklusive, war dieSache wahr; aber Nikolaus nahm, trotz allerVorstellungen seiner Schwestern, den so einträgli-chen Ruf nicht an: -einem bürgerlichen Pazienlen,sagt' er, beizustehen sei er bereit, aber einem Der-stopften von Geblüt nun und nimmermehr, so langer sich selber fühle-- — ein Wort, das von vielensehr falsch verstanden wurde.

Uebrigens wünscht' ich, daß Sachwaltern undRezensenten — ein desto engerer Bund, wenn sie,wie der tragierende Müllner, beides sind — andiesem scherzhaften Muster Worble's sich ein wich-tigeres ernstes nähmen, wie man parallel mit demWege der Wahrheit bleiben, und doch in derFerne auf lauter Lugabwegen fortziehen könne.ES gibt so treffliche chemische Verschmelzungen vonWahrheit und Lüge, wo die Lüge wegen der stär-keren Wahlverwandtschaft mit der Wahrheit, l ri-te nt und gebunden bleibt.

Nur traue man dem guten Kandidaten Richternickt zu, daß er alles, als ein völliges dummesLamm von Worble, gläubig aufgeladen; er warvielmehr ein altes Schaf mit einigem Gehörn undGehirn, das in des immer scherzhaften Worble'sDarstellung der Wahrheit die komischen Schelme-reien ganz gut auswitterte, und eben deshalb zusich sagte: »der feine Vogel will wohl, scheint es,durch seine Nachahmung meiner Teufels - Pa-piere-Manier mich bestechen und fangen; er