Band 
IV.
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Der Komet.

^ in Rom eine gute Quantität luftdichte Bettzeugevon Stärkst*) zu verkaufen stand, welche der Hof-banquier ohne langes jüdisches Handeln erhan-delte, und die so ganz für Süplitz rasteten, da sienicht frisch überzogen, sondern frisch aufgefülltwurden, anstatt niit Federn blos mit Luftkügelche»aus dem immer frischen Dunstkreise.

! Der Reisemarschall aber, um endlich auf dielenl z„ kommen, kümmerte sich sorglos um gar nichts,i weder um seine Betten in Gasthöfen (lieber um! fremde) noch um den Schein seiner Unschuld, jaSchuld. So gab er gern dem Liebenauer Wirths-haus den Vorzug vor dem Hofquartiere. Er hättedarin, so wie im ganzen Dorfe, sogar seine ehelicheTreue auf eine der schwersten Proben setze» lassen,wenn jemand es hätte thun wollen. Er Lurftefich hierin gewiß mehr zu den Leuten von Standals zu denen vvm Mittelstände zählen, denn seinHerz war in der Ehe nicht, wie etwa chinesischesPapier, blos von Einer Seite zu beschreiben, son-dern auf der Rückseite war noch Platz für mancheweibliche Hand; oder in einem mehr anliegendenGleichniß, er hatte nicht, wie etwa der Norwegerei» einzigesmal Brod für sein ganzes Leben bäckt,sich ein Hausbrod von Hausfrau auf immer ausdem Ofen geholt, sondern er nahm Sauerteig, unoh izte von Zeit zu Zeit für einige frisch gebackeueLaibe, wie etwa die Türken, als norwegische Ge-genfüßler nicht säuern und deshalb täglich frischbacken.

Spät Abends klopfte Worble— dem wahrschein-lich im andern Sinne sein Brod im Dorfe ge-backen war — stark an des Kandidaten Fenster an,damit er heraussähe; er wollte nicht hinein insZimmerchen, sondern sagte, er könne auch außenvor dem Fenster seine Freude ausschütten oderseine Wonnenachtgedanken, welche wahrscheinlichin einem bittern Nachgeschmäcke von Nikolausund dem Abende bestanden. Er hatte sich gegenden so sputen Aufbau des Stadtviertels aus denbesten Gründen — denn sie bezogen sich alle auf seineignes Ausruhen — ganz vergeblich und wider seinErwarten gestemmt, da der Prinz zum erstenmalals Prinz sich zeigte, und keine andern Vernunft-gründe annahm, als die er schon hatte.

Er fing an von Nikolaus zu sprechen, bestenWerth er vom Kandidaten, sagt' er, mit Freudenso schön anemvfunden sehe. --Er hat nun einmal,fuhr er fort, fürstliches Blut in seinen Adern, wel-che davon natürlich immer etwas schnell und fie-berhaft pulsieren. Langsam — Sie seheus amheutigen Bauwesen—kann er nichts leiden; wie alleFürsten will er in seinen Freude» nur Schwung-und Spornräber haben. Eben deshalb müssenSie ihm auch sei» bischen Aufbrausen nachsehen;Fürsten fahren sämmtlich auf, aber nur er unterihnen am schönsten. Ich kenne hohePersvnen, diewahre Vesuve sind, und zwar solche, wie einer im

(*) Magaiin alter neuen Erfindungen. Nro. 64.Sie werden mit einem Blasebälge gefüllt, nnd ein Ven-til halt die Luft fest; man kann sie sich harter oder, weicher aufblasen. In Frankreich hat man (nach Kniggc)I längst lederne Unterbetten mit hermetisch verwahrten! Räthen, aus welchen morgens dicLufr wieder ausgelassen! wird.

Wvr'itzer Garten speiet, der außen Fenster hat undinnen ein ganz artiges Schmollstübchenundeben so sind Durchlaucht; abgebrannt ist das Zünd-kraut, noch ehe Sie schießen.--^ Dem Kandidaten gefiel zugleich die Freimüthig-keit eines solchen Fürstendieners und der Charakterj eines solchen Fürsten außerordentlich, und erkonnte sein Doxpellob beider nicht oft genug wie-^ Verholen und verdoppeln. Der Reisemarschallfuhr, ohne darauf zu achten, fort: » man ersiehtdaraus wenigstens, messe« hohen Stammes er ist;aber ich will Ihnen einen Zug erzählen, welchernoch mehr beweiset, wie er zu einer Zeit, wo erohne alle Geldmittel und ohne alle Nachrichtenvon seinem Herrn Vater war, dem er entgegenreiset, sich als wahren Fürsten fühlte: — eswar als er ein Klystier setzte. Es klingt komischgenug, benimmt aber der Würde bei der Sachenichts. —

Wie ich Ihnen schon am Morgen gesagt, dasInkognito, worin sich gegen Durchlaucht IhrFürstvater festhielt, war so streng als hart; undnoch weiß niemand dessen Name», ausgenommennur vielleicht Seine Durchlaucht, und diese selberwissen ihn wohl nur seit der Zeit, daß sie Dia-manten von ihm heimlich bekommen, denn daßSie die Steine selber brennen und fertigen, wirdwenig vvm Hofe geglaubt. Nun kamen Durch-.aucht und ich, Ihr damaliger Gouvernör, vonLeipzig aus schlechten Umständen zurück in »ochschlechtere; mein damaliger Hunger, H. Kandidat,sei Ihnen ei» Vorbild des Durchlauchtigen, dernoch weit größer gewesen sein mußte, denn Siehätten sonst den meinigen gestillt. Sie wisse» eSvielleicht noch nicht, H. Kandidat, wie ein Mensch,der auf Ekre hält, seinen leeren Magen vor derWelt so künstlich in allerlei verkleidet, wie einKunstgärtner in einem P nk den geheimen Abtritt— das Gleichniß ist so gar weit nicht hergeholt —artig in eine Nische oder einen Holzstoß versteckt,oder in ein Tempelchen. In eine Apotheke, so-nach in das Nächste, verkleideten Durchlauchtihren leeren Magen — von den »odles inasque»des meinigen ein andekmal — und Sie triebendarin völlig dasselbe, was H. Henoch Elias Marg-graf gethan, wovon noch die Axothekergesellennachzeugen.

In diese elende Zeit nun — ich bin noch immernicht bei meiner Anekdote — fiel es hinein, daßsich der noch heute regierende Marggraf von Ho-hengeis nach! Rom begab und erhob, um LieseLandstadt, die er in seinem Leben nie gesehen —außer einmal in der Nacht beim Durchfahren —mit seiner Gegenwart zu bestralen, hauptsächlichaber, um zu einer abgebrannten Heiligen-Geist-Kirche den Grundstein eigenhändig zu legen. Siewissen, wie die gekrönten Häupter lieber die-sen ersten leichtern Stein legen, als die schwerenQuader.

Den Jubel und Glanz und Klang und Rauschunseres neuen Roms beschreib' ich Ihnen nicht;im alten welschen finden Sie ähnlichen häufig;aus eigner Weltkenntniß wissen Sie ohnehin, daßein Fürst sich nirgend länger, als in einem Land-städtchen, gleichsam in dem Paradebett, ausstreckt,oder in einer Paradewiege, was in einer Haupt-