Der Komet.
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ich möchte meine Federn nicht hergeben; aberSie sollten als ein vernünftiger Dnrchlancht einEinsehen haben, und zu einem solchen Schelmmit seinen ganz «»christlichen Rechnungen sagen:Holla-' mein Freund!"
Eben trat Pabst herein, um, wie die Gastwir-the pflegen, seinen ersten GesauLtenbesuch bei demhohen Ankömmling abzustatten. Es ist dem gu-ten Pabst nachzurühmen, daß er von jeher höf-lich war, immer ein ehrerbietiger Wohllaut undBückling in Person, der sein Haupt gar nichtgenug entblößen konnte, und gern drei Mützenaufeinander aufgehabt hätte, um zugleich mehrals eine abzunehmen,
Die Fischer in Venedig (*) müssen zwar ihreFische mit unbedecktem Haupts verkaufe», damitder Sonnenstich sie zum Losschlagen für einenwohlfeiler» Preis ansporne; aber die, die sichselber stets entblößen und barhaupt darstellen,wollen Fische erst sangen und andere anders ent-blößen, als sich.
Der Gastwirth schlug sogleich auf der Schwelleden Kramladen seiner Neuigkeiten auf, die erfür Schmeicheleien hielt; in dieser Hoffnung er-zählte er, wie charmant mit dem Grafen vonHacencvppe» zugleich ein langersehnter Erbprinzdes Landes eingetreten, und wie der H. Grafdeshalb recht viele Feste mit seiner Gegenwart zubeehren bekomme» werde. "Dies ist noch unent-schieden versetzte Nikolaus. — — Hier wirdwohl jeder Leser, der nur einige Stücke und Mi-nuten von Marggrafs so freudiger Verwechslungder Prinzgevurt mit seinem Fürsteinzug im Kor febehalten, voraussehen, daß Nikolaus die vvigeAntwort mit der verdrießlichsten Stimme gegeben,die nur zu hören ist. —
Inzwischen that er gerade das Gegentheil; ergab sie mit der freundlichsten.
Aber es konnte nicht anders sein; einmal warer über den verwechselten Willkomm in seinerEntzückung, welche, wie jede Empfindung lindwie die Fieber, noch über die Veranlassung hin-auS fortdauerte. Auch schloß ergänz richtig so: ent.weder der Erbprinz langte ganz kurz n ach mir an,dann bezog sich ohnehin das Meiste auf mich; oderer kam kurz vor mir, dann war man am Hofe —er kenne dergleichen — ordentlich froh, baß dieGeburt eines Thronerben einen schönen Auswegeröffnete, die Feier eines Einzugs und jener Ge-burt in einander fallen zu lassen, ohne im Gering-sten weder sich selber, noch das Inkognito zu kom-promittieren. Später versicherte Nikolaus auf-richtig: ,-mei» Fall war ein ganz anderer, alsder lächerliche jenes deutschen Fürsten, welcherbei seiner Einfahrt in London die herrliche Ge-wölk-Erleuchtung jeder Nacht für eine blos sei-netwegen veranstaltete Zllnminazion zu halten be-liebte, weil er sich einbildete, die Erleuchtung falle,wie etwa die Feierlichkeit bei meinem Einzüge,zum erstenmale vor." —
Welcher erfreuliche Stadt- und Reisemorgenmit seinem Glanzblau des Himmels und mit demJubelgetvbe auf dem Marktplatz! Gegenüber sahden Grafen das weiße Schloß, worin sein neuge-
(*) Jägers Zeüungterikon.
Körner fürstlicher Vetter lag und schrie, mit denblitzenden Fensteraugen an, und Wagen hinterWagen rollten ins Schloßthor hinein um zumVetter (er überschrie alle Hofleute) Glück zu wün-schen. Wer nur auf dem Markte stand, sah inbis Schloßfenster, und wandte sich »m, undschauete an die Gasthvffenster hinaus zu ihm. DemGrafen war eigentlich zu Muthe, als führen alledie glückwünschenden Festwagen bei ihm vor, undhuldigten ihm bestens.
Nun sah er sich doch endlich in der berühmtenKunststadt, wo es, statt eines Renovanz, tausendRsnvvanzs gab, und wo er zeigen konnte, wieei» Fürst Künste beschützt. In der That durftesich Lukas-Stadt nach dem evangelischen Patronder Maler nennen. — Luxstadt ist daher eine sehreinfältige Verkürzung, wenn die Rede davon ist,wie alles da färbte, pinselte, zeichnete uns saß,theils um zu malen, theils um gemalt zu werden,und sogar der Fürst spitzte den Zepter znrZeichen-feder zu.
Aus den Niederlanden und aus Unter- undMittelitalien war längst so viel, ja weit mehrverschrieben und abgeholt, als zur niederländischenund italiänischen Schule und Gallerie eines klei-nen Fürsten gehört. Man scheuste keine Opfer,und bezahlte gern treue Kopien für ein Urbild,und ließ sich aus Holland und Weljchland gernLandschaften und Bauerhütten und Menschen undVieh auf Holz uns Leinwand kommen, sobalddie Bilder nichts kosteten, als alle ihre Urbilder inder Naturauf dem Boden. Daher es dem Ländchenoft sehr an Gels und Geldeswerth fehlte, weil man,wie bei dein sogenannten Schwenkschießen aneinigen Orten der Schütze allezeit das in Naturgewinnt, was er im Gemälde trifft, umgekehrtin jener verlor, was man in diesem bekam ; kurzdas Ländchen lag gleichsam als das dünne Farben-spektruin um die lebhaftesten Farbe» her. Daherkonnten Stadt und Fürst überzeugt sein, daßihre jährlichen, fast übervölkerten, Kunstausstel-lungen Werke lieferten, wie man etwa» in Ber-lin und in Weimar antraf. Der Stolz auf die-ses Neu-Berlin und Neu-Weimar war allge-mein ; denn er ging bis zum Kerl hinab, welcherzu dem Rahme» seiner Bilder blos die Galgen-pfosten wählte, und dann irgend ein Urbild ineMKiu hing, das einzige Gemälde, wobei derStaat etwas gewann. Freilich müssen unter sovielen Malerdutzeuden viele Dutzendmaler sein;und in der Th-it konnte der Schutz ° EvangelistLukas hier fast in feine Lage in Perlten wiedergerathen, wo er den Patron der Färber vor-stellt. Das Farbeugeben wurde ihren Händen soleicht, als bei Edelsteinen unsern Köpfen, die wirblos leicht zu bewegen brauchen, um jene anderszu färben. — Die Wahrheit zu sagen, die Künst-ler stolzierteü wohl, schmierten aber sehr, undmehre aus der niederländischen Schule verdientenweniger Kopisten als Kopiern zu sein. — Dochwars wieder auf der andern Seite ausgemacht,daß, wenn in Lukas-Stadt so viele Künstler ei-gentlich keine» Heller taugten, die meisten auchkeinen hakten, sondern sich halfen, wo sie konnten;deshalb litten freilich in dieser schönen Kunststadtviele an der Malerkolik des Hungers — und die