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Der Komet.
Lumpen, welche sonst der Gewändsrmaler nn sein§ Modell als Studien herum hängt, halle mancher^ selber an, wenn er aus den« Spiegel arbeitete —i nno das niederländische Still - Leben, ohne Men-, schen und Gerätheprunk, war den lukas-städti-^ schen Niederländern viel schwerer auf der Lein-l wand, als auf der eignen Stnbendiele darzu-stellen.
Zu diesem schwachen, aber treuen Bilde dervortrefflichen Kunststadt — und ich könnte diesesnoch mehr erheben, wäre sonst der Ort dazu —habe ich mir die schönsten Farben von dem Reise-marschall geben lassen, als er sie dem Fürstapothe-ksr vormalte. „Ich will, — sagte dieser voll grö-ßere» Eifers, als Worble erwartete, — den Kün-sten da schon aufhelfen; welche Malerschulen sindda?"— »Ich glaube wohl ein paar, die einanderentgegen malen," sagte Worble, der selber nichtsrechls davon verstand. — -/So wirds, versetzte derGraf, vielleicht eine niederländische und eine italiä-nische sein— Zu keiner bessern Stunde, alswährend dieses Gesprächs, konnte sich ein langer,au Rock und Gesicht abgeschabter Mensch anmel-den, und mit der Bitte vorstellen, den H. Grafenzu porträtieren. Er suchte sich noch besondersdurch die Nachricht zu empfehlen, daß man ihmblos bei Gelegenheit,;. B. bei dem Essen, unterdem Frisieren, unter dem Rasieren, unter demSchminken zu sitzen brauche, und setzte dazu, allevornehmen Gäste deS römischen Hofs seien bisher^Gottlob! noch mit seinem Pinsel zufrieden gewe-sen. Es war also, so wie es Gasthofbartscheercrgibt, der Gasthvsmaler, der das ganze Gesichtder Passagiere, aber im schöneren Sinne abnahm,als der Scheerer ein Stück davon. --Ich unter-stütze die Kunst, wo ich sie nur finde, sagte Niko-laus, Sie sollen fünf Louis dafür haben.--
Nach einer halben Stunde trat der Wirth ein,und trug vor: die größten niederländische» Malerder Stadt, und seine innigste» Freunde, die fastjeden Abend eine Pfeife bei ihm rauchten, dieHerren Denner. Zaft - Leeben, Paul Potter undVan Ostade und Dyk wüßten und wünschten fürsich und die Kunst kein größeres Glück, als dieses,den H. Grafen von Hacencoppen zu malen. —--Himmel! solche berühmte, in allen Gallerieenansäßiqe Künstler hegt Ihre glückliche Stadt aufeinmal, versetzte Nikolaus, Herr Pabst? —Icherstaune ganz. Wären solchen Heroen der Kunstzehn Louis für mein Bild anständig genug, sosäß' ich gern; Künstler aufmuntern, war von jehermein Bestreben." — Hier stockte der Wirth einwenig mit dem Dankerguß, und ließ ihn nur trö-pfeln, weil ihm zehn Goldstücke, für fünf Malerzugleich, doch etwas winzig gegen fünf Goldstücksfür den einzigen Gasthosporträtierer 'vorkamen —bis Nikolaus deutlicher hinzu fügte: „ich wünscheaber noch mehren Künstlern, worunter IhreKunststadt ja so manche arme hat, zu sitzen, undjedem, besonders dem dürftigen, meine Aufmun-terung von 10 Louis zukommen zu lassen." Daerrieth der Wirth seine ganze Fehlrechnninz mitFreuden, denn auf den Gedanken, daß der Grafin der Eile und Unwissenheit alle die genannten,aber längst verweseten Künstler, wie Den-ner,Pvkter n. s. w. für noch leibhafte, in Luxstadt an-
gesiedelte, angesehen, käme der Henker und keinPabst. Indeß mäßigte dieser doch die freudigenAusrufzeichen und Handanfhebungen über einensolchen Kunstmäzen, die sonst ohne das Mißver-stehen anSgebrochen wären.
Aber solche Preiöaussetzunge» laufen und fliegenumher, zumal in Lukas - Städten. Nach Einer !Stunde erschien der Gastwirth wieder, aber mit ^noch tiefer» und langsamern Bücklingen, und fingan: --Es ist freilich kein Wunder, Jhro hochgräf-lichen Gnaden — Kenner der heiligen und nütz-liche» Malerkunst gibt es wenige — Gönner der- !selb kenne ich noch weniger, seit ich meinen !Gasthvf behaupte — aber gar einen Kenner und iGönner zugleick, wie Jhro Gnaden, betheuere ich !mit Wollust, noch nie in meinem Gasthofe, seit idem Ochsenschild bis zum römischen Hof, aller-unterihänigst bewirthet z» haben, nach meinen ge-ringen, nur gar zu schwachen Kräften. — Dies istaber nun schon in der ganzen Residenz weltbekannt,und unser berühmter Ochs, unser berühmter Laus,unser berühmter Esel, desgleichen die gewiß nichtweniger berühmten Meister Schnecke, Bettler,Fresser, Säufer, und alter Mann, alle diese ächtenKünstler (sie treffen jede Blatternarbe, jedes Na-senhaar) wisse» und träumen nun von keiner grö-ßer« Ehre — denn Geld ist ihnen Nebenzweck undHauptbedarf —als einen Gönner und Kenner derKunst, wie Euer Gnaden, treffend abzureißen —sie stehen sämmtlich draußen im Vorsaale, dieMeister!--
"Ich sitze Ihnen allen mit Vergnügen, sagteNikolaus. Das Uebrige hab' ich schon HerrnPabst erklärt. Ich werde Sie wie Ihre Vorgängerbcbandeln, so wie Ihnen gleich Ihre Nachfolger,auf meiner ganzen Kunstreise.-- — ,-So viel weißich, Jhro Gnaden, als bloßer Kunstfreund, fielder Wirth ein, daß unter unseren belgischen Mei-stern hier in diesem Saale einer steht, der nberühmteil Baltahasar Denner etwas übertrifft.Dieser soll ein altes Gesicht so fein gemalt haben,daß man aller Feine erst durch ein Mikroskoprecht erkennen konnte; aber unser Luxstädter Den-ner trieb es schon weiter; er malte einem altenKopfe sogleich ein Dergrößerg'as in die Hand,durch das man jedes Schweißlvch des Kopfes ver-größert sehen konnte.--
Es würde nur langweilig und verdrießlich fal-len, wenn ich das neue gesteigerte Bücken des alsein Knecht aller Knechte tankenden Pabstes wie-der mit Lebhaftigkeit darstellen wollte, zumal daichs voraus weiß, daß er »och einmal kommt, undnoch stärker staunt.
Denn, in der That, kam er nach zwei Stundenvon neuem wieder, an der Spitze eines ganze»Maler-Konklave, das er im Vvrsaal hinter sichnachzog, und fing, zurückweichend, fast mit einigemBeben an: --Er wage übermenschlich bei Seinerbochgräflichen Gnaden, könne sich aber nicht hel-fen — hätte er freilich früher nur irgend einenFürsten und Großen gekannt, und unter seinem ^Dache zu bedienen gehabt, welcher alles von höch- jste» Gönnern und Kennern der Künstler so sehr,wie H. Graf von Hacencoppen, überboten: sowären große welsche Meister von solche» Name»,als er hier ankündigen dürfe, längst in andern