Band 
IV.
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Der Komet

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Umständen, ein Salvator Rosa, ein Anton Ra-fael Mengs, samnit einem Rafael von Urbinv,ein Paolo Veronese und Fra Bartolomeo di S.Marco, sammt einem Tizian — Kolorit, Karna-zion, Projekzivn, perspektivische Vorgründe, Grup-pierung, Jdealislnus, und erhabenes Pittoreskes,und tiefer Faltenwurf und höhere Seele in allem,dies sei es, was diese wahren Seelenmaler in ihrenPorträten so »»gemein auszeichne, daß IhreDurchlaucht, die hohe Mutter des heutigen Erb-prinzen, stch als ihre Mäzenin ausgesprochen;und eben dieser heutige hohe Tag ihrer Nieder-kunft befeuere ihn, für die Schützlinge der erhabe-nen Wöchnerin die Gnade der vorigen Malerauszuwirken, daß 2hro Gnaden ihnen ebenfallssäße». — Dürf' er nach seinen, eignen Gestchteschließen, das mehre von ihnen zur Saldierungihres Abendtisches gemalt, und in welchem sie diekleinsten Züge so herrlich idealisterend hinanfge-lchraubt, daß man ihn kaum wieder erkenne, wennman es nicht wisse: so wiss' er stch nichts Schöne-res und Identischeres, als ein Porträt von, H.Grafen, wenn dasselbe von solchen Jdealisiermei-stern hinaufgetrieben würde."

Der Graf antwortete äußerst verbindlich :"Meine sehr geschätzten Herren, Ihren, Wunsche,mich abzumalen, biet' ich allerdings mit besondererFreude die Hand; und von Meistern, die stch soberühmte alte Name» zugeeignet, darf ich wohlHohes und Höchstes erwarten. Mein Grundsatzwar aber von seher, keine Kunstschule auölchließ-lich hintan zu setzen, oder aufzumuntern, sondernjede zu begünstigen. Daher sichere ich jede», vonIhnen für jedes Porträt so viel zu, als früherden Künstlern der niederländischen Schule, nämlichzehn Louis. Die Sitzstunden werden künftig nä-her bestimmt."

Man steht aus der Rede, Laß jetzv Nikolaus, ohnebesondere äußere Belehrung, stch selber aus seinemanfänglichen Irrthum, als seien die Potter unddie Denner inLukas-Stadt lebendig zu haben, miteignen Händen, durch seine Kenntnisse und Kunst-geschichte, heraus gearbeitet. Da der Wirth aufseinen Fehlgriff gar nicht gemerkt hatte: so konnt'er ihn unter der Hand zurück nehme». So wer-den hundert Irrthümer, so wie Einfälle, imgesellschaftlichen Platzregen nicht verstanden; mansteht erst hinterher, wenn man unnütz dieeinen zu verbessern und die andern zu erläu-tern denkt, daß niemand uns zuhörte, als wirselber.

Ich versprach oben, nicht wieder mit Feuer zumalen; auch soll Wort gehalten und nichts vonFreudeiisvrüngen der italiänischen Schule dieTreppenstufen hinunter vorgebracht werden. DerGastwirth sammelte sämmtliche Entzückungen imBrennvunkte seiner eignen, und bot der italiäni-schen Schule seine mederländische Tabagie aiss denAbend in seinem Gasthof a»; denn er liebte dieKunst und die Künstler und den Grafen undstch wahrhaft; und versprach stch von der Ver-vielfältigung des gräflichen Gesichts eine „ochgrößere der Stunden, die der reiche Nikolausvor den Malern, und in seinem Gasthofe versitzenmüsse.

Hinter allen diesen Malern erschien bei Niko-

laus ziemlich spät der eigne Hofmaler Renvvanz;denn sein Kunsttrieb, für welchen kein Fürst undkein Grafei» Zügel oder eineHemmkette war, hatteihn in der Malerstarr umhergejagl, zu Kunstge-iivsseii, zum Gallerie-Inspektor, und in die Gallerieselber. Nikolaus konnte nicht genug eilen, demMaler mit den Nachrichten alles dessen, was eran einem Vormittag für die Kunst gethan, diegrößte Freude zu machen, und es ihm zu sagen,wie er der ganzen Malerschule auf einmal zu sitzenversprochen- — Mehre und tiefere Stirnrunzelnhatte Renvvanz dem Grafen nie auf seiner jugend-lichen Stirn gezeigt: er verwundere sich darüberetwas, sagte er frei heraus — die Kerle seien Be-stien, und kein einziger stelle ihn zufrieden, dieSchelme aber aus der italiänischen Schule amschlechtesten — dabei aber sei alles voll Neid gegenstärkere Künstler — und er selber habe heute beiden: Gallerie-Inspektor, den er für einen wahrenKunstesel oder Palmesel erkläre, auf den, ein Hei-land der Kunst mit Mühe in das Jerusalem derGallerie einreite, am Ende mehr zum Gekreuzigt-werden, als zum Königwerden, mit genauer Nothdrei von seinen Kunstwerken in die nächste Aus-stellung zu schieben vermocht, weil man vielleichteinen ausländischen Mitkämpfer nickt gern aufder Palästra ihrer schwächlichen welschen Schuleauftreten sehe.

"Der Inspektor hat Sie aber doch — fragteder Fürstapvtheker, nicht ohne einiges beleidigteund zornige Gefühl seines Stolzes — sogleich auf-genommen, als er hörte, Sie wären mein Hofma-ler?" — --Er hörte es nicht; ein Künstler zeigtblos seine Kunstwerke, und damit will er stehenund fallen," sagte der Hohengeiser Stallmaler,und erzählte mit Ingrimm, wie die LuxstädterFärber aus der italiänischen Schule sich immervon den allen Meistern, nach deren Kopiern siekopierten, sich die Namen pathenmäßig beilegten,wie etwan in Wien die Bedienten der Fürstenund Grafen sich wie diese selber nennen, so daßoft z» B. mehre Metterniche und Kaunitze in Ei-nem Bierhause zusammen karten und ihre Herrendort erwarten. Am meisten erbvßte sich derStallmaler über die zwei Luxstätler Rafaele, denaus Dresden und den aus Urbinv, welche sich, mitsolchen Glanznamen vor der Stirn, auch hinsetzen,und im römischen Hofe auch porträtieren wollten.„Mein Bruder," —setzte er hinzu, und Geschicht-forscher dieses Kometen erinnern sich noch auS demzweiten Bande dieser Geschichte des niitfalirenden,zarte», schönen, phantastischen Jünglings unterdem Namen Rafaelverdient, wegen seinerhöchst malerischen Visionen bei Mondschein wohleher seinen Rafaelischen Namen ; und wenn ersich nicht auf Praxis und Porträtieren einläßt:so thu' ichs Loch, nenne mich aber ganz kurzweg Renvvanz. — O die abscheuliche» Prahl-maler!"

Nikolaus that aus Mitleiden mit diesem ärger-lichen Selbgefühl ablenkende Fragen über dieniederländischen Maler, und über die Unterstützungdes Fürsten; aber da Renovanzens neidisch- harteDarstellung den Ruhm dieser berühmten Kunst-stadt schmäler» würde, so schildere ich lieber selberDie Meister der belgischen Schule — wie sich die