Der Komet.
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Der Graf zeigte Verstand, daß er sogleich mit demHute unter dem Arme aus dem Gasthofe heraustrat, schon a,ss das ewige Begrüßen vorbereitet.Da aus den obligaten Hutbewegungen, womit einGefolge in das Dank - »olo eines gegrüßten Gro-ßen einfallt, so viel auf diesen zurückzuschließe» ist:so weiß ich keinen schönern Beweis von des Für-sten Popularität und Entfernung von allem Stolz,als die äußerst verbindliche Weiss, womit seinenachahmende Suite jeden mitgrüßte, besondersRichter und Stoß, und der Hofprediger griff un-ermüdet an seine» Hut, wiewohl mit einigem Ver-druß, daß ihn die Gewissenhaftigkeit mitten unterso vielen Merkwürdigkeiten immer an eignen undfremden Filz zu denken nöthigte. Blos vom Rei-seuiarschall merk' ich an, daß er, um sich undscinen Hut zu decken, unaufhörlich sich umsah.
Das Abend - und Festgetümmel war hübsch undgroß. Die kleinsten Jungen schrieen vivut derKleine! und meinten den Erbprinzen; und dieabgelöste Schloßwache sagte unterwegs ganz laut :„Unser alter Herr konnte, bei Gott! kaum mehrstehen, es kam aber blos vom vielen Zechen desMittags, und da hat er auch Recht, man bekommtnicht alle Tage einen gesunden Erbprinzen." —Da sich auf der Welt wohl niemand mit wenigerGalanterie gegen das weibliche Geschlecht beträgtals dieses selber : so hörte der Graf überall Freu-denausrufe von Weibern, welche Gott für dieGnade dankten, daß er das Land mit keiner Prin-zessin heimgesucht. Der Fürst labte sich, ohneden geringsten Neid gegen den Erbprinzen unddessen Eltern, so innig an der allgemeinen Lust, alssei er selber gemeint. Der Kunsthändler, der imMorgennebel auf dem Kopfe sein wagrechtes Bretals einen Olymp voll Götter aus Gips, herum-getragen , ging wieder mit dem Göltersttzedurch die Gassen, und Nikolaus freuete sich, daß erim Nebel keinen einzigen Gott und Kopf verlorenoder abgesetzt.
Da des Grafen ganzer Spaziergang durch dieStadt eigentlich zur Absicht hatte, vor dem fürstli-che» Schlosse, das seinem Gasthvfs gegenüberstand, bei der Rückkehr recht oft und nahe genug— doch nicht zu nahe, oder etwa» gar in derSchuß- oder Grußweite — vorbei zu gehen: soging er einige,nale vorbei; und bei dem dritten-male sah er eine der anmuthigsten und blühend-sten Prinzessinnen, welche je im ältesten hundert-jährigen Romane aufgetreten, an dem hohe»Schloßstnster stehen, und ihr kurzes vergoldetesSehröhrchen (es war gewiß ein seltner Nams-den) nach eine,« Reiter richten, welchen Hacen-korpen wenig wahrgenommen. Der Reiter hattesich eben in kurzen Galopp, nach den aufgerichte-te» Füßen des Pferdes zu urtheilen, gesetzt, undwollte aus dem Springbrunnen, worin er inBronze stand, in das Schloß einsprengen, oderdoch davor paradieren. Der Mann war, wie leichtzu denken, nichts als eine glänzende Bildsäule zuPferde, welche so marzialisch und ähnlich, alsGußform und Gußofen zugelassen, den seligen Na-> ter des regierenden Herrn, wenn nicht letzten sel-ber abbildete.
Nikolaus wurde auf der Stelle so wunderlichvon der Schönheit der Prinzessin bewegt, als säh'
er etwas längst Bekanntes, das er jedoch nicht so-gleich erkenne. Er fragte daher den Reisemarschall,der auf der Reise alles wissen mußte; es waraber blos eine fremde Prinzessin, inzwischen nichtdie, die er im Hofwage,anstatt der Hebammevorausgesetzt, sondern eine schon längst angelangte,zur Pflege der hohen Wöchnerin vielleicht. Jetzoschloß das durch den Namsden guckende Gesichtauf einmal das ,'inke Auge auf, das bisher nichtvon dem Zeigefinger, sondern blos von dem Au-genliede zugedrückt worden, und zwar ohne diegeringste Verrückung der schönen Züge; — wobeiich nebenher versichern will, daß diesen einäugigenAugenliedzug wohl wenige Leser, ohne den sichtbar-sten Nachtheil ihrer Schönheit, ohne einen zänkischenRunzelkranz am Schlicßauge, und überhaupt ohnedaS verdrießlichste Aussehen vpzi der Welt, nach-bi ingen würden. — Himmel! welch reizendes Ge-sicht ! — Ich meine nicht der wenigen Leser, son-dern der Prinzessin ihres.
Als sie aber vollends ihr Auge aufdeckte: so hobauf einmal aus des Grafen nächtlicher Jugendzeitsich das Bild der einen von den vier FreundinnenAmanda's herauf, welche damals der Venus amähnlichsten geschienen. Er mußte für sein Augen-paar noch das fremde schöne haben, zum Wieder-erkennen. Eine aus der Halbjugend in die Voll-jugend hinübergeblühete ist gleichsam ein blumen-volles Frühlingthal, vom Sonnenschein aufgedeckt,das man vorher in der Nacht, blos bei Mond-licht, mit schlafenden Blume» gesehen. — Er ge-riet!) außer sich vor Liebe gegen die — Wachsbüstezu Hanse; die vollblühende Prinzessin war eineZauberrose an Amanda's Brust. Stets mußte er— dazu war er gemacht — in Refferen ober Wie-derscheinen entbrennen und lieben.
Endlich wurde die fremde Prinzessin die auf derGaffe hinaufblickendeu Herren gewahr; und mußtesich natürlicher Weise umkehren. Das Erste, wasder Graf »ach ihrem Umkehren vorkehrte, war,daß >r es auch that, und den Reiter anschauete,welchen sie angesehen. Sein Herz war nun in Be-wegung gebracht und wogte fort — der alteSteinfürst schien ihm immer mehr seinen künfti-gen Vater, und die erste Umschließung von dessenArmen vorzumachen, und je länger er an ihmherum sah, desto mehr war ihm am Ende, alskönn' er eiligst vom Pferde springen, um in derersten väterlichen Entzückung des Findens seinen,feurigen Sohn, der dessen Knie umfassen wollen,geradezu aus Herz zu fallen. Er hätte — wen»es sein Stand gelitten — in den Springbrunnensteige» und bis zur Bildsäule waten möge», umnur sich zu kühlen und die Hand auf ihren Fuß zulegen.
So schwamm er vor der Abendsonne in einemunbeschreiblichen, aber milde» Freuen, ohne aka-demischen Seelenlehrern recht angeben zu können,was er Nahmhaftes dazu vorbekommen; unterLeu spielenden Sonnenstäubchen und Abendmückenoaftete er in dem warmen Gvldstanbregen, wie dieSchwebfliege an einer leeren Stelle in der Luftfest, sah aber bald nach den, Schloßfenster, baldnach dem Reiter. Wen» er es aber schon jetzo sotreibt: so wird es mir, wen» ich den Fund derwirklichen Amanda und des wirkliche» Vaters sel-