Band 
IV.
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Der Komet.

Sonne gleichen, welche ihre Flecken immer wiederzeigt dnrch die monatliche Drehung um sich. Wol-len wir nur einen Augenblick ihrem trüben Aus-zuge zusehen, um dabei an andere ihres Gleichenzu denken, die nicht wieder den Rückzug machen.Stumm und langsam packte sie in eine großeSchachtel —denn erst später dehnte ihr beweglichesVermögen sich zu einem Köfferchen aus, und end-lich gar bis zum Kleiderkasten — ihren Festtag-glanz »on weißen Hauben und bunten Schürzenein, welche sie sonst an schönen Sommertagen mitganz anderen Gefühlen ausgepackt; indeß die hei-tere Nachfolgerin ihre weibliche mit Blumen be-malte Kleider- oder Gewehrkiste auf die Stelleder Schachtel lagern ließ. — Aus dem kurzenDienste schied Regina mit aller Theilnahme amherrschaftlichen Glück, die einen langen begleitet;und sie konnt' es am Abzugmorgen kaum aushal-ten. daß sie die Kochtöpfe mußte am Feuer sehen,ohne zu wissen, ob das Fleisch saftig genug heraus-gezogen werde. Ueberall standen frohe Gesichter,die sie entbehren konnten, von dem Subdiakonusan, bis zu den angenommenen Kindern von Ver-wandten seiner Braut, die sich gewöhnlich überalles Neue, besonders über einen neuen Haus-Menschen, als über einen neuen Welttheil ihrerWölkchen erfreuen. So schieb die Trübe vonFrohen, und alles sah wohl der Nachfolgerin zu,aber niemand der Abgehenden nach. «r.

Da er aber als Syndiakonus die Braut heira-thete: so kam Regina wieder, und auch das Scheuern,aber doppelt; denn jene wußte das Wasser, alsdas Urelement der weiblichen Schöpfung undWelt so gut zu schätzen, als, Pindar und Thales.Seitdem ging bei dem Jubilarius die selige Jubi-laria vierzig Jahre aus und ein, ein langer Wü-steuweg ins gelobte Land. Allerdings flog ihrmanche ungebratene Wachtel in den Mund, undgerade am Sonntage fiel (anders als beiden Kin-der» Israels) Manna der Lust vom Himmel.Sie konnte da meistens schon »ach der Nachmit-tagkirche die Stuckaturarbeit des Sonntags ansich anfange», und brauchte den weißen Anwurferst spät vor dem Abendküchendienst wieder abzu-lösen, nachdem sie Loch auch, wie Andere, Abendsempfunden, daß es ein heiliger Tag sei. Sostellte sie a» Sommerabenden unter der Haus-thürtreppe ihren Hausschmuck, wie eine Fürsten-braut, stundenlang zur Schau aus, indem sie nochdazu selber im Schmucke steckte, und alles Vorbei-gehen ansah. Ich wünschte nur, in diesen nndeinigen ander» Punkten hätte der strenge Jnbila-rius weniger geeifert und es mehr bedacht, daßfür daS arme Volk der rothgedruckte Sonntag dieSchminke des unscheinbaren Wochenlebens ist,und Laß ein sechStägig-dunkler Leib von Wandel-erde sich auch in eine sonntägige Sonne durchbloße Kleider verklären kann, wie ja ein Predigersich selber ganz anders und geistiger im Priester-rock empfindet, als im Schlafrock. Ja die Seligetrug oft, aus Mangel an Fingerarbeit — da derstrenge Herzog, wie England und Schweiz, allessonntägliche Nähen und Stricken untersagte —schon am zweiten Feiertage Verlangen nach Faust-arbeit und Wochensumpf.

Wenn freilich die Selige zuweilen viel länger,

nämlich einen ganzen Tag lang, mit ihren archi- ,tektonischen Verzierungen, sechzehn Schnörkeln, !acht Stengeln, und drei Blätierreihen am Kapi- Ital, und mit dem korinthischen Säulenfuß, als !eine lange Säule (unser gebeugter Tanzberger istkürzer) da stehen konnte: so war es, wenn derJubelsuperintenoent etwas von seniem Kinder- !fegen an Töchtern oder Söhnen taufen ließ, welche isie alle so lange lieb hatte und am Herzen trug,als sie nicht gehe» konnten; und sie sagte oft »ut !erlaubtem Stolze : da steht keiner von des Herrn ,Herzogs jungen Pfarrherren auf der Kanzel, dem >ick nicht zu seiner Zeit hätte die Nase geschnäuzt. !

Bei einem solchen mäßigen Nachlaß von Freu- !den darf im Inventarium am wenigsten eine große, >ob sie gleich jeder haben kann, ausgelassen werden, idaß Regina ihren Gvttestischrock anzog nnd durchLas genommene heil. Abendmahl einen ganzen iund dabei verdreifachten, ja verklärten Sonntagdurchlebte. O so hat doch der Hungrigste einmal Idenselben — Tisch mit dem Reichsten gemein, und !kann sich an einem Brod und Wein begeistern,worauf noch keine Konsumzionsieuer gelegt wor-den. Setzte man vollends eine» Generalsuper-intendente» und seine Magd gegeneinander in dieWagschale: so gewann letzte ein großes Gewicht idurch seines, da der Brodherr sich vor ihr etwas ^bücken, und als ihr Abendmahlbrodherr sie bedie- !»en mußte. !

Freilich nach solchen Disnsifreuden einer Zu- jbei-Regina folge» die Dienstleiden, welche ichheute, da sie vorüber sind, am wenigsten verschwei-gen darf; nur aber denkt an diese so wenig cmHerr oder vollends eine Frau, ja sogar eineMagd, wie die verklärte, denn sie würde, heute !von Todten auferwsckt, Herr» und Frau bsifallen Iund erklären : mein Dienst war gut genug , und iich wüßte noch heute, den Gottesdienst ausgc- !nvmmen, keinen bessert!.

Da auf der Erde gerade von Jahrhundert zuJahrhundert die Freiheit immer mehr gesucht wird

— so wie die Keuschheit immer niedriger in.Preise sinkt — so spürt jeder seine durch Abstich,wenn er in Regina's Gesindekerker blickt, wo vier-zig Jahre hindurch Millionen Gänge nur an demZuck des fremden Fadens erfolgen, und eben sojede Sitzung sich an einen bindet. Es ist hart,den ganzen Tag im Kleinsten wie im größten kei-ne» andern Willen zu vollstrecken als den frein-den; und etwa höchstens in der Nacht durchTräume eine dunkle Freilassung zu gewinnen, fallssie nicht ganz wieder die Knechtschaft nachspiegeln.

— Diese Regina, oder Königin, kannte »achder schlechten Lukas-Städtische» Verkürzung ihresNamens nur Regel.

War in allen Zimmern der Superintendenturdie geputzteste lachendste Gesellschaft, so trieb sie imWochenrocke ihr ernstes Fegewcse» in der Küche,und die Gäste gingen vorbei, ohne nach ihr zusehen. — Wie viele tausend andere Butte» als beider Weinlese, trug sie in ihrem Leben vomSpringbrunnen die Treppe hinauf, beide Händewie betend gefaltet, und nicht so leicht zurückscbrei-tend als sie hinlief, die leere Butte schief wie einenHut hängend, und die Arme müßig in einandergeschlagen. !