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Franz Dingelstedt's Sämmtliche Werke : Erste Gesammt-Ausgabe in 12 Bänden
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Besinnung gebracht. Ich fange an einzusehen, daß Sieim Rechte sind, lieber Freund, mit Ihren Bedenken gegeneine doppelte Künstlerehe."Welch' rasche Umkehr,"entgegnete mißvergnügt Wallenberg.Wir Künstlersind, ich sagte es Ihnen, Kinder in unseren Entschlüssen,die das praktische Leben berühren. Das Wort eines er-fahrenen, zuverlässigen Mannes bläst sie über den Hau-fen."Sie gehen weiter, als meine Ansicht und Ab-sicht gewesen, Roland."Seien Sie nicht, aus Freund-schaft für mich, schwach gegen meine Schwächen."Wenn ich Ihnen aber sage, daß Sie mich mißverstandenhaben!"Heißt das, Sie stimmen nunmehr für meineWerbung um Seraphinen, nachdem Sie dieselbe vor einerhalben Stunde, aus dieser nämlichen Stelle, gefährlich,gewagt, unmöglich genannt haben?"Weder für, nochWider, mein theurer, stürmischer, wankelmüthiger Freund!Ich zeige Ihnen nur, daß jedes Ding zwei Seiten hat.Ist Ihre Liebe für die große Künstlerin eine echte, probe-haltige, so muß sie, wie jede Leidenschaft, aus sich selbst,nicht nach den Rücksichten der Gesellschaft beurtheilt undbehandelt werden. Gönnen Sie sich, ihr, mir, uns AllenZeit zur wechselseitigen Prüsung. Guter Rath kommtüber Nacht. Warten wir ihn ab. Es bleibt zunächstbei unserer Vereinbarung: ich begebe mich morgen in dasLager der Amazone, als Ihr Abgesandter. Alles Weiterefindet sich je nach dem Ergebnisse meiner Mission. Undjetzt zu Tische!"

Arm in Arm verließen die Freunde das Atelier.Graf Wallenberg stellte das Menü seines ländlichenMahles im Hinausgehen zusammen. Lucullus speiste bei