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Bänken mit hoher Lehne räckeln sich stattliche Lakaien,Ueberbringer von Briefen, Visitenkarten, Blumensträußenund Blumentöpfen, welche sämmtlich persönlich übergebensein wollen. Den Ehrenplatz im ledernen Armsessel be-hauptet Vater Winter, das wandernde Album aus Bremenim Schooß, das die gefeierte Künstlerin an passenderS—teile mit einem kurzen Denks—pruche auss—tattensoll. Ein paar andere Lohndiener haben sich ihm ange-schlossen, um Jagd auf Billete zur letzten Vorstellung zumachen. Der Uhrmacher, der Sonnabend aufzieht, derKlavierstimmer, der Sonnabend stimmt, der Theater-schneider mit einem neuen Helm zum Anprobiren, derKapelldiener, stehende Figuren in diesen Räumen, harrenam Eingang. In den finstersten Winkel verkriechen sichjammervolle Gestalten: Damen mit baumwollenen Hand-schuhen und karrirten Shawls, auf der linken Seite ge-tragen; Herren, welche die Röcke bis an den Hals hinauskrampfhaft zuknöpfen, während ihre Fußzehen aus demStiesel neugierig in die Welt blicken. Die schmierigenReisepässe, die sie in erfrorenen Fingern halten, sagen,was sie sind: „Künstler" ohne Engagement, welche aufCollecte gehen. Zuweilen werden Gespräch und Gelächterder buntgemischten Gesellschaft zu laut; dann öffnet sichdie innere Thür, ein majestätischer Männerkops mit Ohr-ringen schaut heraus, ein gebieterischer Finger legt sichan den Mund, — und „die Stille wird stiller."
Im viva, die Göttin, schlummert noch. Ehe imAllerheiligsten, dem Schlafzimmer, das erste Glockenzeichengetönt hat, muß ehrfurchtsvolles Schweigen im Tempelherrschen, dafür sorgt der Oberpriester, Signor Beppo,
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