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eben jenes majestätische Antlitz mit den goldenen Ohr-bommeln. Wenn Herr Raff, genannt Raffael, ein Ori-ginal ist, so ist Beppo ein Ideal, der Inbegriff aller mög-lichen und unmöglichen Vollkommenheiten der dienendenMenschheit, wie er sich nur noch in Italien realisirt.Wen der Himmel lieb hat, den züchtigt er mit einemsolchen Factotum. Die Prima-Donna brachte ihn ausNeapel mit. Er schrieb und unterschrieb sich: OtEWe(ist Lotto, Intonäento äella Lignora Uomovcli Lorapbina,xrimu ckonna assoluta clsl toatro real6. Nur seinerHerrin räumte er das Recht ein, ihn kurzweg Beppo zurufen; im Hause, im Theater, in der Stadt bestand erauf seinem Geschlechtsnamen, dessen Quelle er bis in dasgraueste Alterthum, die pelasgischen Colonien in Groß-griechenland, nachwies. Sein Aeußeres widersprach derAngabe keineswegs. In schwarzem Frack, kurzen Unaus-sprechlichen und seidenen Strümpfen, eine Weiße Kravattemit Brillantnadel um den Hals, glatt rasirt, das dunkleHaar zu Berge gestrichen, sah er unglaublich vornehmaus. Ueber der stolz geschwungenen Adlernase funkeltenein Paar Augen, die das blaßgelbe Gesicht noch Hellerheraushob. Er trug bei großen Gelegenheiten den Ordenvom goldenen Sporen im Knopfloch, der ihm, streng ge-nommen, das Recht gegeben haben würde, sich Oavallsroüsl Lotto zu betiteln; allein er verschmähte das. „Herrdel Sotto", oder „Herr Haushofmeister" genügte; „HerrKammerdiener" versetzte ihn in Wuth. Wer ihn „Beppo"nannte, empfing keine Antwort. Die Thätigkeit desIdeals ist eine bis zum Unendlichen vielseitige. VorTagesanbruch, ehe noch ein Fenster oder Auge im Hause