164
„Wie falsch mich der Welt- und menschenkundige Diplomatin diesem Augenblicke doch beurtheilt! Er meint, ich frageum das, was mir der Vater zubringt, während ich nurdie Mitgift der Tochter für Roland kennen möchte, umzu wissen, ob sie mein Opfer aufwiegt?" — „Wie reichKrafft ist," sagte Wallenberg darauf, „mag er selbst kaumsagen können. Unermeßlich, sagt die Börse. Indeß, werschätzt dergleichen unberechnete Größen richtig ab? Undwelchen Schwankungen, welchen Gefahren bleibt ein solcherBesitz in meist künstlichen Werthen immer ausgesetzt!"
- „Wenn ich Sie recht verstehe, mein freundlicher Rath-geber, so warnt mich die Stimme des Verstandes auchvor dieser Verbindung, die doch augenscheinlich eine wahreVernunftheirath heißen kann." — „Vielleicht; vielleichtauch nicht." — „Wie? Finden Sie denn hier nicht die-jenigen Gegensätze in vollster Schärfe vor, welche IhreTheorie der ungleichartigen Größen zu einer gelungenenEhe verlangt? Atelier und Bühne vertragen sich nicht,sagen Sie. Sie sind zu nahe verwandt, um sich heirathenzu dürfen. Einverstanden. Welchen Grad der Seelen-verwandtschaft entdecken Sie aber zwischen Theater undBörse? Meine Silberstimme, wie Meher Hirsch sie nennt,und das Gold der Firma Hans Heinrich Krafft gäben,dächt' ich, vereinigt einen guten Klang." — „Sie habenmich falsch verstanden," rief Wallenberg eifrig aus. „DasHerz soll nicht ganz schweigen bei dem wichtigsten Ent-schlüsse des Lebens, die Vernunft nicht allein reden. Nurein Compromiß zwischen beiden liefert das richtige Resultat.Ihre Vermählung mit Papa Krafft wäre, wie sag' ichdenn nur, zu verständig. Sie würde ihre künstlerische