Buch 
Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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lichm Adoptivtochter Stephanie. Als dessen Adjutant zogHeinrich Bauer mit in den Krieg. Er theilte das Zelt mitdem Fürstensohnc und wurde durch seine unverwüstlich heitereLaune, seine lustigen Einfälle/ tollkühne Bravour und keckenReiterstückchen schnell der Liebling seines Zeltkameraden unddes ganzen Lagers. Nie benutzte er einen Steigbügel/ um auf'sPserd zu kommen, oder es zu verlassen. Mit einem Sprungeschwang er sich von der Seite, über den Schwanz oder Kopsdes Pferdes in den Sattel. Selbst im blutigsten Schlachten-getümmel war seine vollblühende Jugend so lebensfröhlich undlebenssicher.

Daheim aber bangte und weinte ein junges Weib um seingeliebtes Leben. Sie bewohnte in Heidelberg, gegenüber dergroßen Kirche, ein altcrthümliches riesiges Haus. Es warfrüher ein Kloster gewesen, hatte an der Außenseite eine Nischemit einem Marienbilde und im Innern lange düstere Kreuz-gänge. In diesen Gängen irrte die geängstete Frau manchebange Nachtstunde auf und ab und rief verzweifelnd: »Heinrich!Heinrich! bist Du todt, so gib mir ein Zeichen!« KeineAntwort.

Während der Belagerung von Danzig durch den Mar-schall Lefebvre, im März 1807, hatte sie einen ungewöhnlichlebhaften Traum: Sie sieht in brausender Schlacht ihren Hein-rich auf leuchtendem Schimmel dahersauseu sie erkennt seinliebes Lächeln sein zärtliches Auge... Da hört sie einendumpfen Knall einen jähen Schmerzensschrei. . . Nebenseinem blutenden Schimmel liegt ihr Gatte an der Erdeblutüberströmt mit brechendem Blick um den bleichenMund ein letztes schmerzliches Zucken . . . Eine Kanonenkugelhat ihm das rechte Bein fortgerissen ... In Thränen gebadeterwacht sie. Sogleich schreibt sie einen angstvollen Brief in dasLager von Danzig und beschwört Heinrich, ihr durch einenCourier Nachricht voll sich zu geben. Ausführlich schildert sieihm ihren furchtbaren Traum . . .