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da auf seinem Pferde, während die Schlacht ihn umsanste, dieKugeln an seiner Seite Lücke auf Lücke rissen. Keine Fiberzuckte in seinem bronzenen Antlitz, selbst als ein Sprengstückihn am Fuße verwundet hatte. Und dann, als nach der Schlacht,während der großen glänzenden Revue über die Lebenden, alleTapferen vor den Kaiser gerufen wurden — als auch meinName, — Christiane, Dein und unserer Kinder Name lauterschallte und ich dem Welteneroberer ganz allein gegenüber-stand, Auge in Auge, als ich sein beglückendes Lächeln sah undden sonoren Ton seiner Stimme hörte: »iVIon dravs!.. .«als seine marmorbleiche Hand mir dabei das Offizierkreuz derEhrenlegion überreichte — diesen Stern mit den fünf doppeltenStrahlen, der des Kaisers Bild zeigt mit der Umschrift: Nu-
polaon Lmpsrorm et Uoi!-da, Christiane, war ich wie
bezaubert. Ich hätte niederknien und diese Hand küssen mögen— diese Hand, die doch so grauenhaft viel Blut und Thränenvergossen hat, mit dem Schwert und mit einem Federzuge.Erst, als ich wieder in Reih und Glied hielt und die Kehrseitedes Kreuzes betrachtete: den französischen Adler, in den Krallenzerschmetternde Blitze und rings herum die Umschrift: Honneurot I'nti'w! — da kam ich wieder zu mir. Ehre und Vater-land! Ich sah in dem Korsen wieder den Henker meines armenVaterlandes und sein Ehrenzeichen auf meiner Brust kam mirvor wie eine Beschimpfung, daß ich es hätte sogleich Herabreißenund in den Staub stampfen mögen. Aber ich bin Soldat undhabe meinem Großherzoge Treue bis in den Tod geschworen —und unser armer Fürst muß jetzt noch mit blutendem Herzensein Vaterland verleugnen und für des Vaterlandes Feind dasSchwert ziehen. Möchte Gott, daß es bald anders würde.Wie gern würde ich in den Tod ziehen — für meine deutscheEhre und mein schönes Vaterland — gegen den verhaßtenKorsen. ..«
Dem armen, tapferen Vater sollte kein so erhebenderTod werden.