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Gleich darauf avancirte der Vater zum Rittmeister. Semhessischer Laudsmann und langjähriger theuerster Freund, Ritt-meister von Schimmelpfennig, blieb in der Schlacht —irre ichnicht — bei Regensburg. Eine Gewehrkugel traf ihn mitteniu's Herz. Der Vater warf sich klagend auf ihn und riß ihmdie Uniform auf. Nur ein winziges Tröpslein Blut perlte überdenl Herzen. Mit einem Kusse schloß der Freund dem Freundedas brechende Auge, den verblassenden Mund und rief der flie-henden Seele voll Schmerz zu: »Ich bin der Nächste, der Dirfolgt. Schlaf' wohl, mein theurer Kamerad!« Und wiederwarf er sich in die Schlacht. An Schimmelpfennig's Stellewurde er zum Rittmeister ernannt.
Ende Mai 1809 verbreitete sich in Bruchsal ein dunklesbeängstigendes Gerücht von einer blutigen Schlacht hinter demvon den Franzosen besetzten Wien — von einer Niederlage derFranzosen und ihrer Verbündeten durch den Erzherzog Karl.Die Donau sei roth von dem Blnt der Gefallenen und wie mitLeichen überbrückt. . . Doch fehlte es noch ganz an Todten-listen und anderen bestimmten Nachrichten über jene Schlacht!
Wie ein Alp lag die tödtlichste Angst auf ganz Bruchsal.Die Mutter und Großmutter, die alte LandkammerräthinStockmar, die schon nach Heidelberg zu ihrer Tochter gezogenwar und die Enkel zärtlichst liebte, vergingen fast in Sorgenund Thränen um den Vater. Und doch sagte die Mutter oftmit großer Bestimmtheit: »Mein Heinrich lebt. Er hat mirnoch kein Zeichen gegeben!« — Die Großmutter schüttelte weh-müthig dazu den Kopf.
So kam der 28. Mai heran, der Tag, an dem ich voreinem Jahre geboren. Ein trauriger Geburtstag!
Die Mutter bewohnte ein großes schönes Haus neben derDragoner-Kaserne des Regiments Heimrot. Es wurde Abendund immer noch keine Nachricht vom Vater. Die Kinder wurdenzu Bett gebracht. Die Mutter schlief unter Thränen ein. Nur