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Operndirektor geben, denn er hat nicht nur viel Eifer und Aus-dauer, sondern auch in seiner Eigenschaft als Großherzog dienöthige Autorität. So reicht seine Partiturkenntniß aber nichtweiter, als um allenfalls die Diolinstimme nachlesen zu können,und da er in seiner Jugend einmal Violine gespielt hat, soquält er die armen Geiger ewig mit seinen Erinnerungen, ohnedaß dadurch etwas gebessert wird. Unterdessen können die Sän-ger so falsch oder geschmacklos singen, wie sie wollen, oder dieBlasinstrumente können einen Takt vor oder nach sein — ermerkt es nicht i.. Daß daher die Opern trotz der vielen Probendennoch nicht gut gehen und in der Regel um so schlechter, jemehr Proben stattgefunden haben, findet seine Erklärung inObigem, sowie darin, daß Sänger und Orchester am Ende vorAbspannung und Ueberdruß nicht mehr Acht geben können.So ging es auch mit der Oper »Abhalte« von Poißl, die wäh-rend unserer Anwesenheit jeden freien Abend probirt wurde undbei deren endlicher Ausführung nach 30 Theaterproben dochnoch Fehler, sowohl auf dem Theater, als im Orchester vor-fielen .. .«
In demselben Fahre hörte ich Louis Spohrs Wundergeigeund die goldene Harfe seiner mädchenhaft zarten Dorette ineinem Concerte zu Karlsruhe.
Bedeutsamer — von eigenartig elektrisirender, ja schöpfe-rischer Wirkung für mich und in mir waren zwei Abende imKarlsruher Museums-Saale.
Der ganze Saal ist dunkel. Nur im Hintergründe erhebtsich eine kleine, blendend hell erleuchtete Bühne ohne Vorhang,wie ein offenes Gemach. Das Podium und die drei umschlie-ßenden Wände sind mit-dunkelgrauem Tuch bezogen. Von derrechten Seite wirft ein riesiger halber Blechchlinder das Lichtvon 80 terrassenförmig über einander aufgebauten Wachs-kerzen aus die Bühne. Auf der andern Seite brennt ein ein-sames Licht.
Eine leise sremdtönige Musik — wundersüß schmeichelnd