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Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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blieb großherzoglich hessischer Kammersänger, bis des Großher-zogs Ludwig I. Moneten und damit der künstliche Glanz derDarmstädtcr Hofoper zu Ende waren. Da ging Wild denn1826 nach Paris an die italienische Oper, später nach Kasselund 1830 kehrte er freiwillig nach Wien an die Hosoper zurückund auch das, was von seiner Stimme übrig geblieben war,wurde noch mit echt wienerischen: Fanatismus aufgenommen.Alles war vergeben und vergessen.

Ueber diesen großherzoglichen Opern - Musikdirektor undRegisseur erzählt Spohr in seiner Selbstbiographie noch einigecharakteristische Curiosa aus dem Fahre 1816: »Er dirigirtnicht nur das Orchester an einem auf dein Theater befindlichenPulte, sondern ordnet auch Alles auf der Bühne an. Da ersich auf beider: Poster: für unfehlbar hält und weder dcrn Ka-pellmeister, noch den: Regisseur die geringste Einwendung gegenseine Anordnung gestattet, so ist es natürlich, daß viele Miß-griffe geschehen. Denn obgleich er unter den Großherzögenwohl der beste Operndirektor sein mag, so ist damit noch nichtgesagt, daß er ein guter sei . . . Feder: Sonntag ist Oper, anzwei andern Tagen der Woche Schauspiel, an den vier übrigenTagen hält der Großherzog seine Opernproben. Nur wenn erdurch Krankheit verhindert ist, fallen sie aus. Dann werdenauch keine Opern gegeben. Unlängst war er wegen eures Uebelsam Bein genöthigt, mehrere Wochen das Zimmer zu hüten/in dieser Zeit durfte weder eine Probe gehalten, noch eure Opergegeben werden. Er schien zu glauben oder wollte es glaubenmachen, daß ohne ihn nichts einstudirt werden könne. Esgewährt einen seltsamen Anblick, den alter:, schon ganz krummgewachsener: Herrn in Uniform mit dein Stern aus der Brusthinter dem Pulte den Takt geben zu sehn, oder wie er denChor und die Statisten ordnet, bald dieses, bald jenes zu er-innern hat oder den: Orchester piano oder korke zuruft. Aufdas pinnisÄino des Orchesters thut er sich besonders viel zugut. Verstände er nun dies Alles, so würde es keinen bessern