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Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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respektvoller Entfernung. Besuchte die Prinzessin das Theater so lehnte der Lord sicher in einer dunklen Logenccke ihr ge-genüber und starrte ihre Schönheit an. Für die Bühne hatteer keinen Blick. Ebenso fehlte er nie in der Schloßkapelle. Fuhrdie Prinzessin spazieren so sprengte ihr Ritter sicher den-selben Weg dahin. In Baden-Baden in Bruchsal inMannheim überall, wo die Prinzessin erschien, tauchte auchihr Schatten auf. Aber stets so achtungsvoll und zurückhaltend,daß kein Hofmarschall ihm einen Abschiedswink zu geben wagte.Seltsamer Weise hat Se. Lordschaft nie versucht, bei Hofe vor-gestellt zu werden oder gar sein Idol anzureden.

Kaum war die junge Königin von Schweden - zu Stral-sund im October 1797 Gustav Adolf per Procuration ange-traut zu Carlscrona aus Land gestiegen, so sah sie dieglühenden Augen ihres Don Quixote aus der jubelnden Volks-menge vorleuchten. Und die Anbetung pior llistuuoe wurdemit echt englischer Ausdauer in Stockholm fortgesetzt.

Doch nach drei Jahren kam es zur Katastrophe. Dieschwedischen Kavaliere hielten ihrer schönen Königin ziwEhreuvor dem Schlosse Drottingholm ein glänzendes Turnier ab.Die Königin sollte dem Sieger den Lorbeerkranz aufs Hauptsetzen und die von ihr eigenhändig gestickte Schärpe umhängen.Ein lockender Preis für schönhcitdurstige Herzen.

Schon haben einige Ritter ihre Lanzen zersplittert. Dareitet in schwarzer, prächtiger Rüstung, mit seinem Knappenund flatterndem Banner in den Lieblingsfarben der Königin,

ein fremder Ritter in die Schranken-unser Lord. Er

schwingt eine blitzende Streitaxt und fordert mit laut schallenderStimme ebenbürtige Ritter zum Zweikampf heraus: mitgleicher Waffe auf Tod und Leben für den Siegespreis derSchönheit . . .

Der junge Freiherr von Torstenson tritt vor und hebtden hingeworfenen Handschuh auf.

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