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Myrtenkränze funkelte es von Diamanten. Netzender aber warendoch noch meine beiden kleinen Prinzessinnen Amalie und Cäciliein ihren weißen duftigen Tüllkleidern — wie weiße Rosenknos-pen. Und dann die prächtigen Feuerwerke und Festtheater!Der Intendant Freiherr von Auffenberg hatte die Festoper ge-dichtet: »Bertholt» I. von Zähringen«. Viel mehr aber gefielmir das glänzende »Turnier von Kronstein«, das ich ebenfallsbei diesen Festen zuerst sah. Wie wunderschön und prächtig sahAmalie Neumann als Elsbeth auf ihrem Schimmel aus! Ach,da wuchs der kleinen Komödiantin das Herzchen doch mal wiederso recht sehnsuchtsvoll nach den strahlenden Brettern! — Ichglaube, es war auch bei Gelegenheit dieser Hochzeitsseierlich-keiten, daß ich den Markgrafen Leopold mit Mad. Neumannauf dem Museumsballe tanzen sah. Das schönste Paar unterallen Tänzern!
In der Karl-Friedrichstraße lebte endlich noch still undwohlthätig die verwitwete Markgräfin Friedrich mit ihrerSchwester, der Prinzessin Auguste von Nassau-Usingen, undderen Gemal, dem Grasen Friedrich Wilhelm von Bismarck.Es wollte durchaus nicht in meinen kleinen selbstdenkendenKopf, daß der Gemal einer Prinzessin nicht auch Prinz oderdie Frau eines Grasen nicht Gräfin sein sollte.
Gras Bismarck Hatte jenen schauerlichen Winterfeldzugnach Rußland mitgemacht und war wie durch ein Wunder demUntergänge entronnen, obgleich die Kosacken ihm seine Pferdeund selbst die nothdürftigste Kleidung nahmen und er, nochermattet vom Typhus und Entbehrungen aller Art, in demGedränge an der Beresina seine sämmtlichen Leute verlor. Erhatte aber die Energie und den — Stern der Bismarcks undwurde der später so berühmte Württembergische Reitergeneralund Gesandte an den Höfen zu Karlsruhe, Berlin und Dres-den -und nebenbei mein erster Kritikus im Stuttgarter
»Morgenblatt«.
Dieser ganze vielköpfige und buntgestaltcte badische Hof