86
fand sich im Sommer gewöhnlich in dein schönen Baden-Badenwieder zusammen. Das war damals noch kein Luxusbad mitglänzenden Spielsälen, Pariser Restaurants und kostspieligenToiletten, — nur die reizendste Ländlichkeit. Die Preise warenso mäßig, daß ganze Familien allsommerlich aus Karlsruhedahin übersiedelten. Auch die Mutter machte es durch weiseSparsamkeit möglich, mit mir fast regelmäßig einige Wochendort zu sommern, ohne unser bescheidenes Jahresbudget zu über-schreiten. Das waren dann herrliche Ferientage.
Ich weiß noch sehr deutlich, daß wir in dem alten »Zäh-ringer Hofe« zwei kleine, einfach geweihte Stübchen ohne So-pha's und mit winzigen Spiegeln bewohnten. Ein Helles Wasch-kleid und runder Schäferhut genügten vollkommen für Pro-menade, Kaffeekränzchen, Ausflüge in die reizende Umgegendund den abendlichen Tanz im schmucklosen Saale des Conver-sationshauses. Und wie ungenirt und fröhlich mischten sich dortdie höchsten Herrschaften in die Reihen der Tänzer!
Fragte man dann: Wer ist denn jener junge Herr mitdem rosig blühenden heiteren Gesicht, der die schönsten Tänze-rinnen so unermüdlich im Ländler schwingt? — so hieß es.ein-fach: Der Kronprinz Ludwig von Bayern!
Für meine rege Kinderphantasie aber wurde der lustigeKronprinz noch viel interessanter, als ich hörte: Er hat in seinerWiege auf einem Kopfkissen geschlummert, das gepolstert warmit — Schnnrrbärten. Als er nämlich 1786 zu Straßburggeboren wurde, so wußten die alten Grenadiere seines Baters,der damals noch Herzog Max Joseph von Zweibrücken undfranzösischer General in Straßbnrg war, dem geliebten Führerihre theilnehmende Freude nicht besser zu bezeugen, als dadurch:daß sie sich sämmtlich ihre stolzen Schnurrbärte abschnitten undmit denselben ein Kopfkissen für den kleinen Prinzen füllten ...Ach, wie sich's wohl aus Grenadier-Schnnrrbärten schlafenund träumen ließ? Das beschäftigte mich lebhaft!
Und dort promenirte auch der gute alte König Max Joseph