Buch 
Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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4. Die kleine Gouvernante.

Verbiete Du dem Scidenwurm zu spinne»!

Goethc's Tasso.

^)a, Gouvernante sollte die kleine Komödiantin werden! Dashatten die Mutter, die Onkel und Tanten und die »großen«Brüder so beschlossen. Was blieb dem armen vaterlosen Offizier-töchterlein auch anders übrig, da von der Schauspielerin ja na-türlich nie im Ernst die Rede sein konnte! Der Onkel Generalin Cassel hatte ganz bärbeißig gesagt: Eine Bauer auf den Ko-mödiantenbrettern? eher Viehmagd! Und einen Mannwürde das arme Ding ohne einen Kreuzer Vermögen auchschwerlich bekommen .. . Als ob ich schon Einen wollte!

Also Gouvernante! Und ich verschluckte meine Thränenund lächelte Ja dazu. Hatte die Mutter doch so Kummergenug und ich wirklich den redlichsten Willen, ihr nur Freudezu machen. Zur Belohnung durste ich abends in die Komödiegehn. Es wurde Kotzebue's lustiger »Wirrwarr an allen Ecken«gegeben. Aber ich konnte gar nicht so recht von Herzen lachen,wie sonst. Zwischendurch fiel mir immer die alte, näselnde,entsetzlich gelehrte und gestrenge Zukunfts - Gouvernante mitgroßer schwarzer Hornbrille, Schnupftabacksdose und lang-mageren englischen Löckchen: Mademoiselle Lina Bauer einmit riesiger Gänsefeder und rother Tinte 99 französische Heftekleiner lustiger Fluseköpfe korrigirend .. . und Thränlein aufThränlein rollte in den tollen Hurlebusch-Wirrwar hinein . . .