Buch 
Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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All' jene Lust und Herrlichkeit dort oben auf den Brettern sollteja für mich nun auf immer vorbei sein!

Natürlich konnte mich nur die französische Schweiz zurperfekten Gouvernante stempeln. Mein fünfzehnjähriger BruderLouis war schon seit einem Jahre in dem berühmten InstitutDroz zu Neuchätel. Durch ihn trat die Mutter mit MadameGuhot, Vorsteherin einer Erziehungsanstalt eles g'ouuas llltesü IIuntorivS, ganz in der Nähe von Nenchütel, in Verbindung.Zu den Osterferien 1820 kam Louis zum Besuch nach Karls-ruhe und holte mich ab in die Schweiz. Die Mutter ging in-zwischen zu den braunschweigischen Verwandten nach Stetter-burg, versprach aber, uns im nächsten Sommer auf einigeMonate am Neuchäteller See zu besuchen.

Die erste Trennung von der besten Mutter! Der ersteSchritt aus der Heimat hinaus in die fremde Welt! Undich war noch nicht zwölf Zahre alt. Ob meine Thränen flössen!

Doch ich hatte den zärtlichsten und verständigsten, »er-wachsenen« Bruder neben mir in der stuckernden Mallepostund ein sonst so leichtes, fröhliches Kinderherz in der Brust.Dazu schien die Frühlingssonne so hell und warm und auf derFahrt durch das schöne badische Land und die tannenduftigenThäler des Schwarzwaldes gab es so viel neue Wunderdingezu sehen, daß die Thränen immer linder flössen . . . Und inBasel da konnte ich schon wieder so recht übermüthig lachen-über den lustigen »Lallekönig!«

Der sah auch gar zu pudelnärrisch aus, dieser abscheulichhäßliche, pausbackige Kopf unter der alten Uhr des Rheiu-brückenthurmes, der jede Minute seiue lauge rothe Zunge vor-streckte und vorquellende Froschaugen machte, wie Madame»Ente will i!« in Baden-Baden. Und die kleine Gouvernanteblies ihre rothen Bäckchen auf und machte Froschaugen und denLallekönig so getreu nach, als wäre sie noch die glücklichstekleine Komödiantin und dann lachten Brnder Louis und ichin die Wette über den lieben garstigen Lallekönig. Und wollte