Buch 
Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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Sie bewohnen ein prachtvolles Logis/ sind von vielen dienst-baren Geistern umschwirrt und machen ein glänzendes Haus.

Spontini lebt mit dem Grafen Brühl auf mehr als ge-spanntem Fuße aber er ist allmächtig/ kaun feine neu kom-ponirten Opern nach Belieben und mit größter Verschwendungin Scene setzen, hundert Proben halten und die Stimmen derarmen Sänger und Sängerinnen auf seinen beliebten Ambossenlangsam zu Blech hämmern ... Niemand darf ihm hineinreden.Der König schützt ihn.

Das Publikum hat seine letzten Schöpfungen nicht bei-fällig aufgenommen und wirft ihm mit Recht Mangel au Me-lodie und zu massenhafte Orchester-Begleitung vor. FreundeSpontini's behaupten, durch die imincrwährcnden Angriffe derKritik und die Kälte des Publikums sei sein Gemüth so ver-bittert worden. Daß »Die Bestalln«, »Ferdinand Cortez« zuden Meisterwerken zählen, scheint ihn nicht zu beglücken. GrafBrühl hat viel von seinen Pratensionen zu leiden.

Und diesem steinernen Gaste mußte ich bei einem Diner,von seinen wenigen Verehrern ihm gegeben, gegenüber sitzen, sogar ein weihrauchduftiges Gedicht vortragen. MadameMilder, Madame Schulz unsere Primadonnen saßen zuseiner Rechten und Linken, Madame Spontini neben mir.Bei Tisch wurde aus seinen Opern rauschende Musik gespielt.Nach meiner Deklamation wurde ihm mit Tusch und Vivats einLorbcrkranz überreicht. Ich sah o Wunder! die wächsernenZüge Spontini's einen milden Ausdruck annehmen und etwaswie Thränen in den harten Augen blinken . . . Sie brachensich aber keine Bahn diese Gefühl verrathenden, Herz er-frischenden Tropfen! Der Italiener hatte den Augenblick derRührung leicht überwunden/ gefaßt, wie vorher berechnet,theilte er den Lorberkranz und überreichte die Hälften MadameMilder und Madame Schulz, in gebrochenem Deutsch hinzu-fügend: »Sängerinnen Lorber gebührt mir Sieg-verholst».«