Buch 
Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
JPEG-Download
 

298

geformten Gesichte, die Augen blickten kalt fast starr wieabwesend. Gleich schweren Regentropfen fielen die Worte lang-sam eintönig von den blassen Lippen. Sie sagte mir durch-aus kein unfreundliches Wort sie sprach verständig, gebildetund mit einer gewissen stolzen Sicherheit . . . aber ich fühltemich in ihrer Marmornähe mit erstarren und kürzte denBesuch ab.

Und doch, wie bewundere ich die vierzigjährige Fraunoch heute auf den Brettern als Iphigenie, als Elvira im»Don Juan«, als Fee in Spontini's »Nurmahal« und vorAllem als Alceste... die junonische, plastisch schöne Gestalt,das tragische Spiel, den Zauber der metallreichstcn, süßestenStimme! .. . Sie soll auch im bürgerlichen Leben gut undsehr wohlthätig sein . . . aber die Grazien standen nicht an ihrerWiege oder was muß dies Herz erlebt haben, ehe es soerstarren konnte!

Spontini könnte als Pendant zur Milder dienen, wasdie Theilnahmlosigkeit, das kalte zurückhaltende Wesen betrifft.Nur muss die Milder mit eiucr edlen Marmorstatue, uudSpontini mit einer Wachsfigur verglichen werden.

Der italienische Maestro hat unschöne Züge, gelbwciß-lichen Teint, trägt große Vatermörder, immense weiße Hals-binde, in welche sein Kinn stets zu versinken droht. Dieschwarzen Haare sind als ungewöhnlich hoher Titus srisirt, dieNase stach, der Mund breit. Die hagere Gestalt sichk vornehmaus, besonders wenn sie vor dem Dirigenten-Pult steht undäußerst graziös den kleinen Stab schwingt. Spontini stehtbeim Könige in großer Gunst beim Publikum aber fast garuicht. Nur Rahel bewundert ihn, wie alles Italienische inMusik und Tanz.

Frau von Spontini, eine geputzte Französin, hat dasexklusive Wesen ihres Mannes angenommen und gleich ihm nochnicht zehn Wörtchen Deutsch gelernt. Sie spricht nur vonihrem Paris gleich einer unglücklich hieher Verbannten.