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ich je gesehn habe, einem entsprechend langen dünnen Halse,fußbreiter Kravatte, schaudcrvollem Französisch und dem aller-schaudervollsten Deutsch. Dieser Nr.Mos hat nun den Spleen,mir durch seinen Groom jeden Morgen ein reizendes Bonquetzu senden und überdies einen vier Seiten langen ernsthaftestenHeirathsantrag in besagtem Französisch. Dazu kommt, daßZung-England keine drei Worte schreiben kann, ohne inzwischenwenigstens zwei — Tintenklexe zu machen! Denke Dir also —zu all meinen vielen Bildungs-Arbeiten noch die: solche Liebes-briefe zu entziffern! Die gute Mutter hilft mir aber treulich.Jede liest abwechselnd eine Seite und jetzt wissen wir des gutenDoktors Zwanzigtausend-Pfund-Heiraths-Anträge schon ziemlichauswendig. Sie brieflich zu beantworten, haben wir längst'aufgegeben. Da kommt elour rvor8lliM6r in der Visiten-stunde täglich selber angerasselt — reizende Apfelschimmel! —der Groom springt die Treppe herauf — «Mr.Mes?« — »Vsr^rvetoomo!« — und Jung-England storchbeint in's Zimmer:»iVIaelomoi86lle . . . uonderschönste . . . iu^ lovs . . . ?« —Melancholisch schüttle ich das Köpfchen: eleur 8ir — im-
xossibls!« — und wir sind für vierundzwanzig Stunden fertig.
Gefährlicher könnte mir schon ein junger polnischer Stu-dent werden. Ein reizender Zunge, bildhübsch, feurig, schüch-tern, bescheiden, klug, tugendhaft — und von einer rührendenLiebe zu seinem armen hingeschlachteten Vaterlande beseelt. Ersingt allerliebst mit mir italienische und französische Duette undtanzt die Masurka wie ein Gott. Sein Französisch klingt be-zaubernd und sein: moi! Llaäeinoisolle, moi! — unnachahm-lich! Ollere mors und ich nennen ihn entre I10U8 immer nur:Unser Mol! Die Mutter ist ganz verliebt in unser Noi. Aberfürchte — oder hoffe Nichts, Louis! Nuclams 1a raere in demfernen polnischen Grafenschloß hält unser gutes Not sehr kurzmit dem Taschengelde. Noch keine Blume hat mir Moi zuFüßen gelegt, geschweige denn . . . Aber die Augen, Louis,