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laut lachen mußte. Das Zeichen wurde gegeben — und Mo-schcles taumelte vor — wurde rauschend empfangen . . . undspielte — wie ein Gott! Rasender Applaus und — der Ge-feierte flüchtete todmatt zum Sopha. Nach der zweiten Nummergleicher Enthusiasmus und gleiches Hinsinken auf's Sopha —aber bald, so wie Moschcles nicht mehr zu fürchten brauchte,daß durch seine Krankheit Blum's Konzert gestört würde — dafühlte er sich wohler, vermochte ein wenig zu essen, und wäh-rend des Soupers verminderte sich die Migräne so, daß ichmeinem Mnthwillcn schon die Zügel ein wenig schießen lassendurste. Ich ahmte sein Augenschließen, Zurücklehnen, Lispeln:»Ich spiele — und sollte ich auch sterben ...« zu seinem größtenErgötzen nach. — Moscheles fuhr zu neuen Triumphen weiterin die Welt hinein. Wir kehrten noch in der Nacht nach Berlinzurück, beglückt durch die liebenswürdigste Theilnahme der Pots-damer. Sie freuen sich darauf, mich bald als Hofschauspielcrinauch in ihrem hübschen kleinen Theater zu sehen.
Kaum waren wir von dieser angreifenden Fahrt etwas zuuns gekommen, so ließ sich PräsidentScheve melden, ein freund-licher, ehrwürdiger alter Herr, aber ungeheuer — zeremoniös.Tief sich verbeugend trug er feierlichst sein Anliegen vor: Ichmöchte In einem Konzert deklamiren, zum Besten des Louisen-stistes gegeben, dessen Vorsteher — nein, Schutzpatron derPräsident ist. Gern sagte ich zu, und finde mich auch rechtleidlich darein: — einstweilen zu deklamiren, statt Komödie zuspielen. Aber, Louis, es ist keine leichte Sache, ein geeignetesGedicht zu wählen. Es soll nicht zu ernst, auch nicht zu heiter,weder zu kurz noch zu lang sein. Ich wählte — »Nichts!« vonTheodor Hell. Der Konzertstück des Schauspielhauses ist einprächtig erleuchtetes, schönes Lokal, da erscheint man un-geschminkt, was mir besser steht. Und mein »Nichts« gefiel.
Zu unserer Ueberraschung besuchte uns Präsident Scheveam andern Morgen wieder, um mir in seiner feierlichen Weise