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Neunundsechszig Jahre am Preussischen Hofe : Aus den Erinnerungen der Oberhofmeisterin / Sophie Marie Gräfin von Voss
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die Zusammenkunft am 26. Dieser elende Napoleon hatden König mit gesuchter Gleichgültigkeit und Kälte behan-delt, und er schreibt sehr aufgeregt und entrüstet. Es warenzwei kleine Häuschen auf der Brücke über die Memel er-richtet, in dem einen waren die beiden Kaiser, in dem andernder König. Welche Insolenz gegen ihn! Auch aßen diebeiden Kaiser dann zusammen in Tilsit, unser König mußteallein in einem Dorfe, eine Meile von der Stadt, bleiben.Welch' entsetzliche Friedensbedingungen werden wir bekom-men nach einem Vorspiel von so ausgesuchter Feindseligkeitund solchem Uebermuth.

29. Juni.

Die Königin ist heute wohler. Der König hat beiNapoleon gegessen, wohnt aber noch immer in dem DorfePicktupönen. Er läßt Regimenter dorthin kommen, weiljeder der Souveräne eine Anzahl Truppen um sich habensoll. Die Königin hat jeden Mittag die Prinzen, Generäleund Fremden bei sich, und ist den Abend immer bei Rad-ziwill's.

1. Juli.

Die Königin hatte zwei Briefe hintereinander vom Kö-nig. Er ißt jeden Mittag mit dem Kaiser bei Napoleon,der jetzt etwas höflicher ist, aber im Uebrigen ist er wenigzufrieden mit ihm. Man hat daran gedacht, ob die Königinnicht gut thäte, hin zu gehen; aber ich hoffe, das wird nichtgeschehen! — Abends fuhr die Königin mit den Kindernund dem Gefolge nach der Fregatte, ich blieb allein zuHause, was mir eine große Wohlthat war.

2. Juli.

Den ganzen Vormittag, wie immer, eine Unmasse Men-